, und daß er in Gefahr sei . Schnell hüllte sie sich in ihren elfenbeinfarbenen Morgenrock , warf einen Schal um , ging leise durch das schlafende Haus auf die Veranda hinaus und stieg in den Garten hinunter . Lydia hatte sich auf eine Bank gesetzt , die Hände im Schoße gefaltet , den Oberkörper ein wenig vorgebeugt , starrte sie mit den Augen , die wie feuchte Edelsteine glänzten , Fastrade angstvoll entgegen . Fastrade blieb vor der Bank stehen . » Was ist geschehen ? « fragte sie leise . Lydia begann zu weinen . » Ach Gott , es ist so viel Schreckliches geschehen , « erwiderte sie , » aber das ist ja gleich , deshalb wäre ich nicht zu Ihnen gekommen , aber ihm soll nichts geschehen . Mein Mann wird ihn sicher töten , und das will ich nicht , nur das nicht ! Und Sie können ihn retten , Ihnen gehorcht er , Ihnen glaubt er , Sie kennen ja auch die schrecklichen Gesetze der Herren hier . Ich , was kann ich tun ? « Fastrade war sehr bleich geworden , und sie stützte sich mit einer Hand auf die Rücklehne der Bank . » Ihr Mann will Dietz Egloff töten , warum ? « fragte sie . Lydia rang ihre kleinen sorgsam in lichtgraue Handschuhe geknöpften Hände ineinander und sah flehend zu Fastrade auf . » Wie soll ich Ihnen all die entsetzlichen Dinge erzählen , « rief sie , » aber Fritz wird ihn sicherlich töten . Ich fahre zu meiner Mutter , mein Wagen steht dort vor dem Tore , Fritz - ja , Fritz hat mich aus dem Hause gewiesen , aber was liegt an mir . Sie werden ihm verzeihen , Sie werden ihn retten , ich will nicht , daß er um meinetwillen stirbt . Mein Gott , verstehen Sie doch ! « Fastrade hatte verstanden ; sie errötete , ihre Augen waren weit offen , eine große Qual und zugleich etwas Hartes und Gewaltsames sprach aus ihnen , die Hand auf der Rücklehne der Bank zitterte , am liebsten hätte sie dieses kleine , bleiche Puppengesicht , das zu ihr aufschaute , geschlagen . » Jetzt sind Sie böse , « klagte Lydia , » und auf mich können Sie böse sein , aber ihn müssen Sie retten , ich kann ja nichts tun . Ich glaubte , wenn ich tot wäre , dann brauchte Fritz ihn nicht zu töten . Ich habe auch ein Fläschchen Opium , aber ich kann nicht , ich kann nicht sterben , ich habe so furchtbare Angst . « Sie bedeckte ihr Gesicht mit den Händen , wiegte sich hin und her und jammerte leise vor sich hin . Fastrade war wieder ruhig geworden , sie schaute auf Lydia mit einer seltsamen Mischung von Mitleid und Ekel nieder wie auf ein kleines wimmerndes Tier , dann setzte sie sich zu ihr auf die Bank , legte ihre Hand auf Lydias ruhelose Hände und sprach zu ihr wie zu einem Kinde . » Sie brauchen nicht zu sterben , das verlangt keiner von Ihnen , Sie müssen sich jetzt beruhigen , ich kann da nicht helfen , die Männer haben ihre Gesetze , das muß getragen werden . Aber es muß ja nicht immer das Schrecklichste geschehen , und dann wird er Ihnen ja beistehen , Sie schützen , er hat ja Ihr Leben zerstört , er kann Sie nicht verlassen . « Fastrades Stimme begann zu zittern und dann zu versagen . » Glauben Sie das ? « fragte Lydia , und das bleiche Gesicht begann sich zu beleben , und es war fast ein Lächeln , das um ihre Lippen zuckte . Fastrade zog ihre Hand von Lydias Hand zurück und rückte auf der Bank ein wenig von ihr ab . Es lag so viel Widerwillen in dieser Bewegung , daß Lydia gleich wieder ein erschrockenes Gesicht machte und zu weinen begann . » Sie müssen jetzt fahren , « sagte Fastrade , » wenn Sie zu Ihrem Zuge zurechtkommen wollen . « Gehorsam stand Lydia auf . » Ja , ich will fahren , « meinte sie , » wie gut Sie sind « ; und sie beugte sich über Fastrades Hand , um sie zu küssen , Fastrade jedoch entzog sie ihr so heftig , daß Lydia befangen und eingeschüchtert einen Augenblick dastand . » Ja , dann adieu « , sagte sie leise und ging mit den kleinen , leichten Rebhuhnschritten an den Blumenbeeten entlang dem Parktore zu . Fastrade hatte sich auch von der Bank erhoben und machte einige Schritte , vor dem Tulpenbeete aber blieb sie stehen , ließ die Arme schlaff niederhängen , als fehlte ihr der Mut zu jeder Bewegung . Die Sonne ging auf , der Tau , der grau auf Rasen und Blumen gelegen hatte , sprühte Funken . In der dunklen Fassade des Schlosses leuchteten die Fenster rosenfarben auf , als beginne es hinter ihren Scheiben zu blühen , und rosenfarbenes Licht lag jetzt über dem ganzen Garten ; es beschien die weiße Gestalt am roten Tulpenbeete , das bleiche Gesicht , die lang niederhängenden , blonden Zöpfe . Mit weit offenen , tränenlosen Augen sah Fastrade in die aufgehende Sonne ; weinen konnte sie nicht , aber sie hätte schreien mögen , einen jener Schreie , wie ihn ein wild oder ein Vogel in der Waldesstille erhebt und der das ganze Land zum Zeugen seines Schmerzes aufruft . Dieser Tag erschien Fastrade sehr lang , ein Padurenscher Sommertag mit seinen kleinen Beschäftigungen , dem Sitzen neben dem Lehnsessel des Vaters , den Mahlzeiten , mit gelbem Sonnenschein in der stillen Zimmerflucht , den Gesprächen mit Tante Arabella und den Gängen durch den Garten , von dem sie , die Hände voll weißer Narzissen , heimkehrte , die in die Vasen geordnet werden sollten . Fastrade war bleich und ruhig , ein Entschluß drängte alle Gedanken und Gefühle