ein Postillon saß hoch am Bock und spielte auf seinem Hörndl eine schwermütige Weis und neigte dazu den Kopf bald rechts , bald links , daß der schwarze Buschen auf seinem hohen Hut wie ein Schilfrohr schwankte . Hab ihm eine gute Weil noch nachgeschaut , da er so traurig spielte , indes die Schimmel gemächlich über die steinige Straß trabten ; aber da war das Lied zu End , der Postillon knallte lustig mit der Geißel , und in frischer Fahrt bog der Wagen um die Ecke und rollte dahin und aus der Stadt . Der alt Thomas war derweil immer weitergegangen , ohne nach mir zu schauen , und ich mußte lange Füß machen , ihm nachzukommen . Erwischte ihn auch grad noch , eh er hinter dem Torbogen verschwand , daraus zuvor die Postkutsche gekommen . Nun war es gar seltsam in diesem Städtlein , daß die Weg nicht wie in andern Orten eben dahin gingen zwischen den Häusern , vielmehr stark bergauf führten , so daß wir , da wir auf dem Platz standen , wo den andern Tag der Lichtmeßmarkt sollt gehalten werden , das Horn des Postillons gar weit unter uns im Tal verklingen hörten . Noch eine Weil lauschte ich , indes der Thomas sich unter den aufgeschlagenen Holzständen umsah und nach einem Platz suchte , da er möcht am besten von den Marktbesuchern ersehen werden . Endlich hatte er ein Flecklein gefunden , das ihm günstig schien , und er sagte halblaut zu sich selber : » Alsdann . - Wird schon was gehn . - Das Platzl is nit übel - gar nit übel . « Dann wandte er sich nach mir um , wies nach einem hochgiebeligen Haus , über dessen erleuchteter Tür ein grüner Reifen hing mit einem goldenen Stiefel darin , und sagte : » So , Bubl , jetz wiss ' ma unsern Stand . - Jetz gehn wir in das Wirtshaus und schauen uns zwegn der Schlafstatt um ; wird schon noch epps habn , der Stiefelwirt ! « Und er wandte sich gegen das Haus und stampfte hinein , als hätt er die Schuh voll Schnee . Ich folgte ihm müd und frierend in die rauchige Gaststube , da er dann seine Kirm abnahm , zum Wirt an die Schenke trat und wegen des Quartiers unterhandelte ; darnach schob er mich an einen vollbesetzten Tisch und rief ; » Alsdann ! -Da wärn ma . - Grüaß Good , beinanda ! - Gibts noch a Platzerl oder zwee vielleicht ? « » Ah , der Bildlmacher ! « schrien da die Manner . » Freili gibts Platz ! Freili ! - Sitzts Enk nur eina ! « Und sie rückten ganz eng zusammen und schoben ihre Krüg und Gläser vor sich hin , indem sie sich neugierig über mich , das Baunzerl , hermachten : » Was habts denn da für ein ' dabei , Thomas ? - Wo habts denn dös Baunzerl aufklaubt ? - Is dös schon ein Sohn ? « Bis der alt Vater , der erst eine Weil schmunzelnd hingehört und sich seine Pfeif zugerichtet hatte , unwillig wurde und ihrem Gefrag wehrte : » Nur gmach , Leutln ; nur gmach ! - Nur nit so gach toa ! - Kimmt alls noch mit der Zeit ! « Dann ließ er sich einen Krug Bier bringen , hieß mich antrinken , fragte mich nach meinem Hunger und sagte , da ich nur nach einem Strohsack verlangte aus übergroßer Müdigkeit : » Hat wieder einmal einer d ' Augen größer ghabt wie ' s Maul ! - Mi dunkt , für heunt is dir d ' Welt scho groß gnug gwesen ! - Wirst nit gar z ' weit rumkommen , wann dir d ' Füaß nit länger wachsen , wähn i ! - Da darf unser Herrgott schon an Zaun rumsetzen um dös Fleckl , dös wo ' s du Welt heißst , damit daß d ' nit irr gehst auf deiner Wanderschaft ! - So , und jetzand gehst mit der Stasi auffi , na zoagt s ' dir dei ' Lagerstatt ! « Mußt also diese spöttische Red über mich ergehen lassen , darüber die Manner gar lustig lachten ; ich sagte aber nichts drauf , als : Guat Nacht beinand ! , und ging hinaus , fragte nach der Stasi und ließ mich von der feisten Kucheldirn mit den klappernden Holzpantoffeln und dem fettglänzenden Gesicht hinaufführen unters Dach , wo in einer niedern Kammer mit winzigen Guckfenstern etwan zehn Strohsäck auf dem Boden lagen , auf jedem ein dünner Hauptpolster und eine rauhe Zudeck ohne Federn . Wies mir also die Stasi den letzten Strohsack hinten im Eck an , wünschte mir eine glückhafte Nacht und ging . Da trat ich an eins der vereisten Fenster , öffnete es und tat noch einen Blick hinaus auf die hohen Giebel und schneebedeckten Dächer , schaute noch hinauf zu der hohen , dunklen Festung und zu dem stillen Nachthimmel mit seinen flimmernden Lichtern und legte mich darnach müd und ohne Nachdenken aufs Stroh , da ich alsdann nach wenig Augenblicken entschlief und keinen von den andern Nachtgästen mehr kommen hörte , als sie nach langer oder kurzer Weil ihren Tag endeten und sich hinlegten : der Lebzelter zum Seifensieder , der Leinweber zum Wurzenkramer , und der Holzschuhmacher zum Nagelschmied , ohne Brotneid und ohne Argwohn , auf Treu des Nachbars bauend und sein Handwerk achtend nach rechter Weis ; indes draußen der Nachtwächter durch die Gassen stapfte und sein Stundenlied sang , das ich aber erst vernahm , als er grad vor dem Wirtshaus die vierte Morgenstund anblies und dazu sang : » Hört , ihr Herrn , und laßt euch sagen : Unsre Glock hat vier geschlagen ! Vierfach ist das Ackerfeld , Mensch , wie ist dein Herz bestellt ? Auf ! Ermuntert eure Sinnen , Denn es weicht die Nacht von hinnen ! Danket Gott