Er wollte es nicht , er wollte es nicht ! Nur das nicht , nur das nicht ! Er wollte seefest sein ! Wie sie wohl lauerten , Kap Horn und Hein Mück , daß sie ihn auslachen konnten ! Nein , er wollte es nicht ! Fest biß er die Zähne zusammen und hielt den Mund zu . Er beneidete Seemann , der ruhig und behaglich auf den Handschuhen im Nachthaus lag und sorglos seine Pfoten ableckte , während er es kaum noch aushalten konnte . Wie eine Möwe schluckt und würgt , wenn sie einen großen Hering in der Kehle stecken hat , so schluckte und würgte Störtebeker auf dem heftig dümpelnden Fahrzeuge und wehrte sich gegen die Seekrankheit . Kap Horn sagte beiläufig zu Hein Mück : wer hier schon seekrank würde , sei ein Schietinnebüx , denn sie seien ja noch in der Elbe , die See finge erst beim ersten Feuerschiff an ! Störtebeker hörte es und wehrte sich noch mehr , denn er wollte doch nicht auf der Elbe schon seekrank werden . Sie lachten ihn aus , das war gewiß ! Wenn er doch mit seinem Vater allein auf Deck wäre ! Da hatte also all das Dümpeln in seinem Kahn , all das Scheistern nichts geholfen ! Junge , Junge , Junge , was für ein Zustand ! Er wollte und wollte sich aber vor dem äußersten Feuerschiff , vor der richtigen See , nicht geben ! Als sie daran vorbeigeschäumt waren , konnte Klaus Mewes seinen Jungen mit einem Male nicht mehr sehen und dachte schon , er wäre über Bord gefallen , aber da nahm Kap Horn das Ruder und wies nach dem Boot . Der Seefischer ging nach vorn , - da lag Störtebeker im Boot zusammengekrümmt unter den Duchten und erbrach heftig . Hein Mück steckte einen Grientje auf und wollte etwas sagen , aber Klaus Mewes sah ihn an , daß er ihn schnell wieder sacken ließ . Seinen Jungen ließ er gewähren - schließlich , als das Spucken nachließ , legte er ihm die Hand auf die Schulter . Der Junge fuhr zusammen und sah auf , - kreidebleich im Gesicht ! - Dann lächelte er unter Tränen und sagte : » Nu lach mi man fix wat ut , Vadder , wat ik seekrank bün ! « Urch , - da ging es wieder los : Klaus Mewes , Dollbaum , Luken und der neugierig herbeigekommene Seemann bekamen etwas ab . Da lachte Klaus Mewes doch , und Kap Horn lachte am Ruder und sagte , das wäre gerade so wie bei einem Albatros , der auf Deck sei , und Hein Mück lachte , weil sie ihn die ersten Reisen auch ausgelacht hatten . Störtebeker lachte auch mit , wenn auch verzerrten Gesichts , dann aber mußte er sich geben . » Gliek ist all rut « , tröstete er , » denn wardt beter ! « Aber das stimmte nicht , denn es wurde immer ärger , je leerer der Magen wurde , zuletzt spuckte er die Galle aus und lag dann regungslos auf der Ducht . » Bang bün ik ober ne , Vadder « , sagte er matt , » bloß seekrank ! « » Schall ik di wedder an Land setten ? « Störtebeker schüttelte den Kopf . Auch unter Deck wollte er nicht , denn er sagte , es ginge bald vorüber . Da deckte sein Vater ihn mit einem alten Segel zu und ließ ihn im Boot liegen , weil die Seeluft besser war als die Luft in der Koje . Als Klaus Mewes wieder am Ruder stand , dachte er an seine erste Reise und an seine Seekrankheit : er war auch nicht frei geblieben . Noch jetzt wurde er etwas seekrank , wenn er nach dem winterlichen Aufliegen wieder nach See kam - wie viele alte Fahrensleute . Der Wind krempte nach Westen um und nahm an Stärke zu . Es wurde stur . Einzelne Ewer und Kutter fischten noch mit einem Reff im Segel , die meisten aber hatten das Kurren aufgegeben und trieben . Die See hatte Mützen aufgesetzt . Klaus Mewes , der seine alte Stelle zwischen Norderney und Juist suchte , gab das Klabatzen und Kreuzen auf , weil er die Segel nicht zerreißen wollte . Er hielt auf Helgoland zu , dessen Feuer hell im Norden blinkte . Bidewind ! Der Ewer schoß und kletterte , stampfte und rollte , während die düstere Nacht hereinbrach . Viele Segel und Lichter waren bei ihnen , und der dunkle Felsen stieg immer höher aus der See . Als sie um Mitternacht zwischen dem kleinen Land und dem großen Land , d.h. zwischen der Düne und Helgoland zu Anker gingen , war der Wind nordwestlich gelaufen und zum Sturm angewachsen , so daß sie froh sein konnten , eine Reede zu haben . Sie setzten noch den zweiten Anker aus , dann nahm Klaus Mewes den kleinen Seekranken auf den Arm und trug ihn nach unten , - und weil er nichts essen wollte , packte er ihn gleich in die Koje . Hein Mück wagte , nochmals zu lachen ; dafür bekam er eine nasse Hansch in den Nacken . » Wi sünd ok mol seekrank worden « , sagte Klaus Mewes , » dorüm kann he doch een fixen Fischermann wardn ! Lot em man tofreeden . « Die ganze Nacht aber riß der Ewer gewaltig an seinen Ketten und klüste wie nichts Gutes hinter Helgoland . * * * In der Morgendämmerung legte der Wind sich etwas , aber die Luft sah noch nicht nach Aufklaren aus . Draußen stand eine hohe See , so daß an Fischen nicht zu denken war . Sie blieben deshalb noch liegen . Als Störtebeker aufwachte und aus der Koje lugte , war die ganze Besatzung schon auf den Beinen : Hein Mück saß auf der Treppe und schälte Kartoffeln , Kap Horn war mit