an seiner Geschichte , eine Kleinigkeit . Er hatte schon ein paar Mal die Examen vorbeigehen lassen müssen , sein Ehrgeiz war empfindlich geworden , und die Leute daheim drängten wahrscheinlich , sooft sie schrieben . Was blieb also übrig , als sich zusammenzunehmen . Aber da hatte sich , ein paar Monate vor der Entscheidung , diese Schwäche eingestellt ; diese kleine , unmögliche Ermüdung , die so lächerlich war , wie wenn ein Fenstervorhang nicht oben bleiben will . Ich bin sicher , daß er wochenlang der Meinung war , man müßte das beherrschen können . Sonst wäre ich nicht auf die Idee verfallen , ihm meinen Willen anzubieten . Eines Tages begriff ich nämlich , daß der seine zu Ende sei . Und seither , wenn ich es kommen fühlte , stand ich da auf meiner Seite der Wand und bat ihn , sich zu bedienen . Und mit der Zeit wurde mir klar , daß er darauf einging . Vielleicht hätte er das nicht tun dürfen , besonders wenn man bedenkt , daß es eigentlich nichts half . Angenommen sogar , daß wir die Sache ein wenig hinhielten , so bleibt es doch fraglich , ob er wirklich imstande war , die Augenblicke , die wir so gewannen , auszunutzen . Und was meine Ausgaben betrifft , so begann ich sie zu fühlen . Ich weiß , ich fragte mich , ob das so weitergehen dürfe , gerade an dem Nachmittag , als jemand in unserer Etage ankam . Dies ergab bei dem engen Aufgang immer viel Unruhe in dem kleinen Hotel . Eine Weile später schien es mir , als trete man bei meinem Nachbar ein . Unsere Türen waren die letzten im Gang , die seine quer und dicht neben der meinen . Ich wußte indessen , daß er zuweilen Freunde bei sich sah , und , wie gesagt , ich interessierte mich durchaus nicht für seine Verhältnisse . Es ist möglich , daß seine Tür noch mehrmals geöffnet wurde , daß man draußen kam und ging . Dafür war ich wirklich nicht verantwortlich . Nun an diesem selben Abend war es ärger denn je . Es war noch nicht sehr spät , aber ich war aus Müdigkeit schon zu Bett gegangen ; ich hielt es für wahrscheinlich , daß ich schlafen würde . Da fuhr ich auf , als hätte man mich berührt . Gleich darauf brach es los . Es sprang und rollte und rannte irgendwo an und schwankte und klappte . Das Stampfen war fürchterlich . Dazwischen klopfte man unten , einen Stock tiefer , deutlich und böse gegen die Decke . Auch der neue Mieter war natürlich gestört . Jetzt : das mußte seine Türe sein . Ich war so wach , daß ich seine Türe zu hören meinte , obwohl er erstaunlich vorsichtig damit umging . Es kam mir vor , als nähere er sich . Sicher wollte er wissen , in welchem Zimmer es sei . Was mich befremdete , war seine wirklich übertriebene Rücksicht . Er hatte doch eben bemerken können , daß es auf Ruhe nicht ankam in diesem Hause . Warum in aller Welt unterdrückte er seinen Schritt ? Eine Weile glaubte ich ihn an meiner Tür ; und dann vernahm ich , darüber war kein Zweifel , daß er nebenan eintrat . Er trat ohne weiters nebenan ein . Und nun ( ja , wie soll ich das beschreiben ? ) , nun wurde es still . Still , wie wenn ein Schmerz aufhört . Eine eigentümlich fühlbare , prickelnde Stille , als ob eine Wunde heilte . Ich hätte sofort schlafen können ; ich hätte Atem holen können und einschlafen . Nur mein Erstaunen hielt mich wach . Jemand sprach nebenan , aber auch das gehörte mit in die Stille . Das muß man erlebt haben , wie diese Stille war , wiedergeben läßt es sich nicht . Auch draußen war alles wie ausgeglichen . Ich saß auf , ich horchte , es war wie auf dem Lande . Lieber Gott , dachte ich , seine Mutter ist da . Sie saß neben dem Licht , sie redete ihm zu , vielleicht hatte er den Kopf ein wenig gegen ihre Schulter gelegt . Gleich würde sie ihn zu Bett bringen . Nun begriff ich das leise Gehen draußen auf dem Gang . Ach , daß es das gab . So ein Wesen , vor dem die Türen ganz anders nachgeben als vor uns . Ja , nun konnten wir schlafen . Ich habe meinen Nachbar fast schon vergessen . Ich sehe wohl , daß es keine richtige Teilnahme war , was ich für ihn hatte . Unten frage ich zwar zuweilen im Vorüber gehen , ob Nachrichten von ihm da sind und welche . Und ich freue mich , wenn sie gut sind . Aber ich übertreibe . Ich habe eigentlich nicht nötig , das zu wissen . Das hängt gar nicht mehr mit ihm zusammen , daß ich manchmal einen plötzlichen Reiz verspüre , nebenan einzutreten . Es ist nur ein Schritt von meiner Tür zu der anderen , und das Zimmer ist nicht verschlossen . Es würde mich interessieren , wie dieses Zimmer eigentlich beschaffen ist . Man kann sich mit Leichtigkeit ein beliebiges Zimmer vorstellen , und oft stimmt es dann ungefähr . Nur das Zimmer , das man neben sich hat , ist immer ganz anders , als man es sich denkt . Ich sage mir , daß es dieser Umstand ist , der mich reizt . Aber ich weiß ganz gut , daß es ein gewisser blecherner Gegenstand ist , der auf mich wartet . Ich habe angenommen , daß es sich wirklich um einen Büchsendeckel handelt , obwohl ich mich natürlich irren kann . Das beunruhigt mich nicht . Es entspricht nun einmal meiner Anlage , die Sache auf einen Büchsendeckel zu schieben . Man kann denken , daß er ihn nicht mitgenommen hat . Wahrscheinlich hat