dem Fürsten Wangenheim . « » So ? « sagte Georg , » Felician soll auch von der Partie sein . Aber er hat sich noch nicht entschlossen . « » Warum denn ? « fragte Willy . » Er will im Frühjahr seine Diplomatenprüfung machen . « » Aber das kann er doch verschieben « , sagte Willy . » Die Löwen sind ja im Aussterben , was man von den Professoren leider nicht behaupten kann . « » Ich pränumerier mich auf ein Bild , Willy « , rief Ehrenberg vom Kartentisch herüber . » Seien Sie später Mäcen , Vater Ehrenberg « , sagte Wilt , » ich hab einen Dreier angesagt . « » Einen Untern « , replizierte Ehrenberg und fuhr fort : » Wenn ich mir was anschaffen darf , Willy , so malen Sie mir eine Wüstenlandschaft , in der der Fürst Wangenheim von den Löwen aufgefressen wird ... aber womöglich nach der Natur . « » Sie irren sich in der Person , Herr Ehrenberg « , sagte Willy . » Der berühmte Antisemit , den Sie meinen , ist der Cousin von meinem Wangenheim . « » Von mir aus « , erwiderte Ehrenberg , » können sich die Löwen auch irren , es muß ja nicht jeder Antisemit berühmt sein . « » Sie werden die Partie verlieren , wenn Sie nicht aufpassen « , mahnte Nürnberger . » Sie hätten sich doch in Palästina ankaufen sollen « , sagte Hofrat Witt . » Gott soll mich davor behüten « , erwiderte Ehrenberg . » Nun , da er das bis jetzt in allen Dingen getan hat ... « , sagte Nürnberger und spielte sein Blatt aus . » Mir scheint , Nürnberger , Sie werfen mir schon wieder vor , daß ich nicht mit alten Kleidern handeln geh . « » Dann hätten Sie wenigstens das Recht , sich über den Antisemitismus zu beklagen « , sagte Nürnberger . » Denn wer spürt in Österreich etwas davon , als die Hausierer ... leider Gottes nur die , könnte man sagen . « » Und einige Leute mit Ehrgefühl « , entgegnete Ehrenberg . » Siebenundzwanzig ... einunddreißig ... achtunddreißig ... nu , wer hat die Partie gewonnen ? « Willy hatte sich wieder in den Salon begeben , Georg saß rauchend auf der Lehne eines Fauteuils , sah plötzlich den Blick des alten Eißler auf sich gerichtet , in einer sonderbar wohlwollenden Weise , und fühlte sich an irgend etwas erinnert , ohne zu wissen woran . » Neulich « , sagte der alte Herr , » hab ich Ihren Bruder Felician flüchtig gesprochen , bei Schönsteins . Es ist frappant , wie er Ihrem seligen Papa ähnlich sieht . Besonders , wenn man Ihren Papa als ganz jungen Menschen gekannt hat , wie ich . « Jetzt wußte Georg mit einemmal , woran der Blick des alten Eißler ihn erinnerte : mit dem gleichen , väterlichen Ausdruck hatten des alten Doktor Stauber Augen bei Rosners auf ihm geruht . Diese alten Juden ! dachte er spöttisch , aber in einem entlegenen Winkel seiner Seele war er ein wenig gerührt . Es fiel ihm ein , daß sein Vater mit Eißler , vor dessen Kunstverständnis er großen Respekt gehabt hatte , manchmal des Morgens im Prater spazierengegangen war . Der alte Eißler sprach weiter : » Sie Georg , geraten wohl mehr Ihrer Mutter nach , denk ich mir . « » Es behaupten ' s manche . Selbst kann man das ja schwer beurteilen . « » Ihre Mutter soll eine so schöne Stimme gehabt haben . « » Ja , in ihrer frühen Jugend . Ich selbst habe sie ja nie wirklich singen gehört . Zuweilen hat sie ' s wohl versucht . Drei oder vier Jahre vor ihrem Tod , da hat ihr ein Arzt in Meran sogar den Rat gegeben , ihre Singstimme zu üben . Eine Lungengymnastik sollte es sein . Aber es hat leider nicht viel Erfolg gehabt . « Der alte Eißler nickte und sah vor sich hin . » Daran werden Sie sich wahrscheinlich nicht mehr erinnern können , daß damals meine arme Frau mit Ihrer verstorbenen Mutter zugleich in Meran gewesen ist . « Georg suchte in seinem Gedächtnis . Es war ihm entfallen . » Einmal « , sagte der alte Eißler , » bin ich mit Ihrem Vater im selben Kupee hinuntergefahren . In der Nacht , wir haben beide nicht schlafen können , hat er mir sehr viel von euch zweien erzählt . Von Ihnen und Felician mein ich . « » So ... « » Zum Beispiel , daß Sie in Rom als Bub irgendeinem italienischen Virtuosen eine eigne Komposition vorgespielt haben , und daß er Ihnen eine große Zukunft prophezeit hat . « » Große Zukunft ... ach Gott ! Es war aber kein Virtuose , Herr Eißler , es war ein Geistlicher , bei dem ich dann übrigens Orgelspielen gelernt hab . « Eißler fuhr fort : » Und abends , wenn Ihre Mutter schon zu Bett gegangen war , haben Sie ihr manchmal stundenlang im Zimmer nebenan vorphantasiert . « Georg nickte und seufzte im stillen . Es war ihm , als hätte er zu jener Zeit viel mehr Talent gehabt als jetzt . Arbeiten , dachte er mit Inbrunst , arbeiten ... Er blickte wieder auf . » Ja « , sagte er wie humoristisch , » das ist halt das Malheur , daß aus Wunderkindern so selten was wird . « » Ich höre ja , Sie wollen Kapellmeister werden , Baron ? « » Ja « , erwiderte Georg mit Entschiedenheit . » Nächsten Herbst geh ich nach Deutschland , vielleicht zuerst als Korrepetitor an irgendein kleines Stadttheater , wie es sich eben trifft . « » Aber gegen ein Hoftheater hätten Sie auch nichts einzuwenden ? « » Gewiß nicht . Aber wie kommen Sie darauf , Herr Eißler