lieber Freund ! « rief er gerührt aus . » Warte , « bat ich , » und höre weiter ! Es wurde Abend . Da stellten sich die finstern Schatten ein . Du zogst sie aus der früheren Zeit herbei und warfst sie leider über deine Gegenwart . Das Licht verschwand . Du wurdest mir fast dunkel . Du ließest diese deine Schatten wachsen . Sie nahmen jene Riesengröße an , von welcher du bei deinem Sonnentage sprachst ! Du aber wurdest kleiner , in meinen Augen immer , immer kleiner ! Ich sträubte mich dagegen , doch vergeblich . Ich wollte dich , die Hochgestalt , nicht lassen . Und dennoch thatst und sprachst du alles , was dich gering und winzig machen mußte . Du warst für mich nicht mehr der Abraham von Erz , an dem kein Schatten fressen , kein Schemen rütteln kann . Du hattest dich in jenen schnellen Hasenfuß verwandelt , der , wenn das dunkle Abbild eines Baumes , die Sonne fliehend , auf sein Lager fällt , rasch auch die Flucht ergreift und , blind vor Angst , im allerschnellsten Lauf von dannen jagt , um seine Feigheit in den Busch zu retten . « » Maschallah ! « verwunderte er sich jetzt . » Diesen Eindruck habe ich auf dich gemacht , nur diesen ? « » Ja ! « antwortete ich . » Wie war das möglich ? ! « » Möglich ? Sag unvermeidlich ! Du sprachst soeben davon , daß ich die Angst nicht kenne . Sie ist mir fast verächtlich . Ich kann sie nicht begreifen . Da plötzlich seh ich die Gestalt , die ehern mir erscheint , als sei sie von des Schicksals eigener Hand gegossen und auf den rechten Platz auf festestem Granit gestellt , von diesem sichern Felsen niederspringen und wie besinnungslos die Flucht ergreifen ! Vor wem ? Vor nichts , als nur vor ihrem eigenen Schatten ! Fühlst du mir denn nicht nach , was ich empfinden mußte ? Ahnst du denn nicht , daß du dich da in mir zerstören mußtest ? Der Ritt durch dein Gedankenparadies , wie war er doch so traurig ! Nicht dieser Thoren wegen , die es verfallen ließen , nein , deiner heiligen Einfalt wegen , in welcher du aus der Erhabenheit der Berge niederstiegst , um dich in Wüsteneien durchzuhungern und dann sogar den Baum des Schwatzes zu beachten ! Du warst mir fast so ideal geworden wie jenes Bild von Akhal , den Durchschauenden , den nie ein Mensch bethört . Was aber war aus diesem Geiste der Untrüglichkeit geworden , als ich ihn , blind vor Angst , die Flucht ergreifen sah , gehetzt von den Phantomen , die ihn auch heut noch nicht verlassen haben ! « Da ließ er den Kopf sinken und war eine kleine Weile still . Dann warf er ihn mit einer energischen Bewegung wieder empor und sagte : » Das war eine böse , böse Sonde , Effendi ! Aber du weißt nicht , wie ich dir dafür danke ! Ich fühle , daß es in mir licht werden will . Siehst du die Schatten , welche von mir weichen und da , zur Thür hinaus , die Flucht ergreifen ? Nicht ? Ich auch nicht . Aber ich fühle , daß sie es thun , daß sie von dir aufgestöbert worden sind und mich verlassen müssen . Du hast mir nichts gesagt , als nur die Wahrheit . Nun sage mir noch eins : Glaubst du , daß ich die innere Kraft besitze , dir wieder das zu werden , was ich dir vor dem heutigen Abend war ? « » Ja ! Fast bist du es schon wieder ! Ich sprach von dem Geständnis und auch zugleich von meiner Freude , bevor wir hier heraufgegangen sind . Das erstere hab ich dir nun gemacht . Die letztere sollst du jetzt mit mir teilen . « » Freude ? Worüber ? « » Ueber dich ! Erinnere dich der Strenge , mit welcher du da unten in der Kammer zu mir sprachst ! Das war der Mann von Erz ! Nicht mehr der Schattenflüchtling ! Du wuchsest plötzlich wieder empor . Du setztest deinen Fuß zurück auf den Granit . Ich bitte dich : Steig wieder auf die alte , gute Stelle ! Ich gebe dir mein Wort : Kein Schatten ist es wert , und wenn es selbst der allergrößte wäre , daß man um seinetwillen auch nur in einzig Mal den Kopf nach hinten wendet ! « » Nach hinten wendet ! « wiederholte er . » Nach hinten ! In die Vergangenheiten ! Und grad dir , dir , der du es nicht einmal der Mühe für wert hältst , auch nur den Kopf zu wenden , dir wollte ich jetzt alle , alle meine Schatten bringen ! Komm heraus ! Ich will dir zeigen , wo sie stecken ! Ich sehe es dir an : du ahnest , was ich will . Du bist glücklich darüber . Dein Auge leuchtet ! Du hast von einem Sieg gesprochen , den ich über dich und mich errungen habe . Jetzt aber ist dir ein noch viel , viel größerer gelungen : Der Sieg über die , denen ich einst unterlag , über sie alle , alle , alle ! Ich bitte dich noch einmal : Komm heraus ! « Er nahm die Lampe und führte mich hinaus in seine Bücherei . Dort stellte er sie auf den Tisch . » Hier wollte ich dir erzählen , wohl stunden- , stundenlang , « sagte er . » Vielleicht wäre ich am Morgen noch nicht zu Ende damit gewesen . Nun aber wird es kurz gemacht , so kurz , wie diese Schatten es verdienen ! « Er deutete auf eine Reihe von Büchern , welche ganz gleich eingebunden waren , und sprach weiter : » Hier steht mein Geist , in Bände