außerordentlich gutmütig aus , obgleich sie sich eigentlich nicht wenig einbildeten , denn sie waren Maler - ächte Künstler - und wußten das sehr genau . Wie daher der Triton beim zehnten Eimer fragte : » Wo ist das Glück ? « - riefen alle Zwerge sofort : » Wo man Tag und Nacht Künstler sein kann . « Und als der Triton beim zwölften Eimer fragte : » Wo ist die Heimat ? « - riefen die Zwerge abermals : » Wo man Tag und Nacht Künstler sein kann . « Die Lika unter ihrem orangefarbigen Sonnenschirm kraulte sich hinter den Ohren , kniff dem Triton in die Schuppen des linken Fischbeins und sagte : » Na , dann wollen wir nur das Land suchen . « Die Zwerge taten sehr erstaunt , und ein Dickkopf meinte : » Lika , eigentlich hätte ich Dich für klüger gehalten . « Der Triton lachte , Lika verstand das aber nicht . Und so verabschiedeten sich die beiden Kinder des Meeres , denn die Lika hatte es furchtbar eilig . Die Zwerge bedauerten , daß der Besuch so kurz bemessen gewesen sei , ließen wieder alle Blasen blasen , daß die Molen bebten - und dabei fuhr die Lika mit ihrem Triton am Leuchtturm vorbei wieder ins Meer hinaus , allwo es etwas dunkler wurde . IV Es ward Nacht . Die Sterne gingen auf und der große Mond . Der große Mond beleuchtete das große Meer , und die Lika freute sich an dem blitzenden Wellenglanz . Der Triton lenkte die Porzellanschale allmählich einem andern Lande zu ; einem grünen Lichte , das nur schwach am Horizonte vorschimmerte , kam er langsam näher . Die Lika machte den Sonnenschirm zu , bog den Stock nach vorn , so daß die Spitze sich auf den krausen Rand der Schale legte , und schlief ein bißchen ein . Als sie wieder erwachte , sah sie vor sich ein großes schwarzes Gebirge . Unten , wo der Fels ins Meer stieß , war ein großes zackiges Loch - das schimmerte grün - da fuhr der Triton mit der Lika durch . Und nun schwammen sie in einem weiten hohen grünen Grottensaal . In herrlichen Nischen standen weiße Gestalten aus Stein . Die Lika sah sich ganz verwundert um . Unten war Alles Wasser , doch an den Seiten hinter den Nischen führten weiße Treppen bis hoch in die grüne Lichtkuppel hinauf . Die weißen Gestalten aus Stein waren von Menschenhand geschaffen ; die beiden Kinder des Meeres waren bei den Menschen - die kamen jetzt langsam die weißen Treppen hinunter . Die ernsten Bildhauer in ihren weißen Gewändern glichen mit ihren langsamen Bewegungen bösen Gespenstern . Die Lika hielt den Atem an ; ihr lief ' s kalt über den Rücken . Die Bildhauer - lauter Menschen - kamen langsam immer näher , und das arme Kind in der Porzellanschale fürchtete sich . Der Triton schlug mit der Faust aufs Wasser , daß es hoch aufspritzte . V Der fidele Triton taucht unter , stößt beim Wiederauftauchen mit dem Kopf unter die Porzellanschale und hebt sie hoch in die Luft , hält aber noch die Hände an den krausen Rand . Die Bildhauer flüstern was und wenden sich ab - ihren Steingestalten zu . Der Triton bringt wieder dieselben Fragen wie bei den Zwergen vor , jedoch die Antwort bleibt aus - die Bildhauer hämmern an ihren Steingestalten . Vorsichtig setzt der Triton die Porzellanschale wieder ins Wasser und sagt ruhig : » Liebe Lika , wundre Dich nicht über die Schweigsamkeit dieser Herren . Sie wollen Dir mit ihrem Gehammer bloß dieselbe Antwort geben , die Du bei den Zwergen vernahmst . « Die Lika versetzte kleinlaut : » Ich weiß noch : Glück und Heimat ist dort , wo man Tag und Nacht Künstler sein kann . Da müssen wir wohl wieder weiter . Mir wird hier auch so schwül . « Der Triton lacht , daß es im grünen Grottensaal unheimlich schallt , und fragt wild : » Kein Modell gefällig ? « » Wir formen , « brummt darauf ein alter Bildhauer , » jetzt nur noch Menschenkörper ; die verkrüppelten Wesen - namentlich die knielosen - sind nicht mehr nach unserm Geschmack . « Das nimmt der Triton ganz ruhig hin , schwimmt wortlos mit der Lika durch die nächste Pforte ab - in einen roten Grottensaal , wo lauter Gruppen mit Schlangenarmen in den Nischen stehen . Es geht noch durch goldene , silberne , blaue und anders gefärbte Grottensäle . Überall - wilde Steingesellen mit lustigen Köpfen und seltsamen Gliedmaßen - abenteuerlich tolle Märchengeister . Öfters brummt der Fischbeinige : » Krüppel ! Feine Krüppel ! « Die Lika versteht nicht , was er damit sagen will . VI Und dann sind die Beiden wieder in der freien Welt - draußen unterm blauen Himmel . Die Morgensonne lacht , und die Lika lacht mit . Auf einem stillen Waldsee sind die Beiden , sie freuen sich über die grünen Bäume , über die Wasserrosen und über die weißen Schwäne , die würdevoll ihr Haupt umdrehen , um die Lika in ihrer Porzellanschale zu sehen ; Lika spannt wieder ihren orangefarbigen Sonnenschirm auf . Am Ufer blühen dicke bunte Blumen , wilde Enten fliegen hin und her , Hirsche kommen und trinken Wasser , sehen die Lika und laufen fort - in die dunklen Wälder , durch die Niemand durchblicken kann . Es ist still , es bleibt aber nicht still . Von einem Birkenhügel klingt ein sanftes Saitenspiel hernieder . Und wie sie weiter fahren , ertönen in den Wäldern harte Hörner und dröhnende Pauken - ganz in der Nähe hinterm hohen Schiff wird eine Flöte geflötet . Der Triton sagt : » Du , das ist ein Dudelsack ! « Aber danach hören sie einen glockenhellen Gesang - viele Mädchenstimmen ! An den Ufern wird ' s auf allen Seiten immer lauter - Geigengesumm und