können . Außer den Zelten gab es nur niedrige Hütten , welche aus Ginsterzweigen errichtet worden waren . Weiber , Kinder , Maultiere und Esel - man verzeihe , daß ich dies zusammen nenne - waren nur so viele da , wie zum Transporte der geringen Habseligkeiten und der mageren Schlachttiere gebraucht wurden . Noch ehe wir dieses sogenannte » Lager « erreichten , hatte Halef sich in seinem Tachtirwan wieder aufgerichtet und mir zugerufen : » Sihdi , mein Herz ist voller Wehmut und meine Seele voller Traurigkeit , daß ich nicht im Sattel sitzen kann . Was werden die stolzen Krieger der Dinarun von mir denken , daß ich meinen Einzug bei ihnen in einer alten Sänfte halte ! Sie werden mich nicht für Hadschi Halef , den Scheik der Haddedihn , sondern für die Erzgroßtante aller Urgroßmütter halten . Ich bin wirklich zu schwach , aus diesem Kasten zu steigen . Aber später werde ich ihnen zeigen , daß dies nur ein vorübergehender und von mir unverschuldeter Zustand meiner einzelnen Bestandteile ist , die ich schon wieder zum Gehorsam bringen werde ! « Er wußte wie ich , daß die Dinarun aus mehreren tausend Familien bestanden , jede wenigstens fünf Personen zählend , und im Besitze ganz bedeutender Herden waren . Darum hatte er sich das Lager derselben ganz anders vorgestellt , als wir es jetzt sahen , und sich unseren Empfang auch ebenso ganz anders gedacht . Diese Enttäuschung schien aber keineswegs deprimierend , sondern ganz im Gegenteile sogar kräftigend auf ihn zu wirken , denn als er einen Blick über die ganze rund umher bemerkbare Aermlichkeit geworfen hatte , begann er mit dem ganzen , lieben Gesichte zu lächeln und sagte : » Wie schön , wie wirklich schön ich es hier finde ! Gefällt es dir nicht auch , Sihdi ? « » Nein ! « antwortete ich . Ich konnte das sagen , weil wir in diesem Augenblicke unbeobachtet waren . » Nicht ? Was bist du doch für ein sonderbarer Mensch ! Mir gefällt es außerordentlich . Weißt du , warum ? « » Nun ? « » Weil ich sehe , daß diese Leute arm sind , so arm , daß es mich erbarmt ! Wir werden gebraucht , Sihdi ; wir werden gebraucht ! Das macht mich froh ! Du weißt , daß ich tausendmal lieber gebe , als daß ich nehme . Nehmen kann auch der Faule und der Kranke . Aber wer geben und dem andern nützlich sein will , der muß thätig sein und sich zusammenraffen . Als ich die Dinarun vorhin für reich hielt , war ich schwach . Jetzt sehe ich , daß wir ihnen helfen müssen ; nun schau , was ich thue ! « Er wollte aus der Sänfte heraus , ohne sich unterstützen zu lassen . Ich war noch nicht abgestiegen , drängte mein Pferd zu ihm hin und warnte : » Nicht unvorsichtig , Halef ! Du bist - - - « » Was bin ich ? « fiel er mir in die Rede . » Nicht mehr schwach , sondern stark bin ich . Da , paß auf ! Willst du es etwa hindern ? « Er wendete sich blitzschnell auf die andere Seite hinüber , stieg über den Rand der Sänfte , hielt sich am Sattelhorne fest , glitt von dem Kamele herab und kam zu mir herüber . » Nun ? Was sagst du jetzt ? « fragte er . » Bin ich noch immer krank ? « » Sogar sehr ! « antwortete ich , indem ich mich vom Pferde schwang . » Das , was du thust , kann man ja nur im Fieber thun ! « » Fieber ? Fällt mir gar nicht ein ! Hier hast du meine Adern . Greif hin , soviel du willst ! « Ich that , was er wollte . Sein Puls schlug matt , aber regelmäßig - ein wahres Wunder ! Seine Augen glänzten und sein Gesicht strahlte , aber nicht in Fieberhitze , sondern vor Freude . » Nun ? « fragte er . » Halef , sei vorsichtig ! « warnte ich . » Du bist jetzt einen Augenblick frei , aber es wird - - - « » Was wird ? « unterbrach er mich . » Du meinst , jenes alte , zahnlose Weib werde wiederkommen ? Mag sie ! Sie wird auch wieder gehen müssen ! Jetzt aber laß uns essen und mit dem Scheik der Dinarun verhandeln . Du siehst , daß er sich darauf vorbereitet hat ! « Ja , man hatte sich auf unser Kommen eingerichtet . Die Luft trug den Duft bratenden Hammelfleisches von den Feuern zu uns herüber . Einige Frauen breiteten Decken aus , auf denen die Speisenden sitzen sollten , und stellten daneben Gefäße mit Wasser , welches aus einer bergseits hervorfließenden Quelle geschöpft worden war . Nafar Ben Schuri kam , um uns zum Essen einzuladen . Halef erklärte sich sofort bereit und folgte ihm . Mir wurde himmelangst um den kleinen Freund . Typhus - - - und gebratener Hammel , vielleicht sogar der fürchterlich fette Schwanz desselben , welcher den Gästen stets geboten wird , weil er als das beste Stück des Bratens gilt ! Das konnte sein Tod sein ! Ich nahm mir gar nicht Zeit , erst unsere Pferde abzusatteln , sondern führte sie hin zur Stelle , wo gegessen werden sollte , pflockte sie dort an und setzte mich zu dem Scheik und Halef nieder , welcher gar nicht säumte , die Hände zu falten und mit einem lauten » Be ism lillahi49 ! « das Essen einzuleiten . Der Scheik legte ihm wirklich das dickste , vom Fette triefende Schwanzstück vor , und Halef nahm es an . Ich wollte ihn daran hindern ; da aber sah er mir einige Sekunden lang still in das Gesicht . Er sagte kein Wort dazu ; aber dieser Blick bedeutete mehr als