Größe anerkannt ! O Hanneh , mein geliebtes Weib , o Kara Ben Halef , mein gehorsamer Sohn , eifert eurem Gatten und Vater immer nach , dann werdet ihr vielleicht denselben Ruhm erwerben und einst nur scheinbar sterben , sonst aber ganz wohlbehalten auf die Nachwelt kommen . Allah , der Behüter und Bewahrer , gebe es ! « » Du fragtest mich , « fuhr zu ihm der Perser in seinem Gedankengange fort , » ob ich diese Kijahma begreifen könne . Diese Mekkaner sind fast zwei Monate lang bei uns in Meschhed Ali gewesen , und wenn es da auch nicht vorgekommen ist , daß El Münedschi in das Grab gelegt wurde , so haben wir ihn doch oft stundenlang starr , wie eine Leiche gesehen , bis seine Seele wieder zu ihm kam . Auch ist er oft im Schlafe gewandelt , ohne zu wissen , was er that und wo er sich befand . « » Durfte man da auf ihn einsprechen ? « erkundigte ich mich . » Wir haben es gethan . « » Wachte er davon auf ? « » Nein . Er gab Antworten , die wir oft gar nicht , oft nur halb und selten ganz verstanden , und wenn dann seine Seele zurückkehrte , kam er zum Bewußtsein , doch nur für einen Augenblick , denn er legte sich dann um und schlief ein , als ob die Abwesenheit seiner Seele ihn angestrengt habe und er sich davon erholen müsse . « » Geschah das ohne Aufsicht ? « » Nein , denn El Ghani war stets dabei und bewachte ihn . Er zeigte ihn den Leuten und erlaubte , daß sie Fragen an ihn richteten , die der Münedschi beantwortete . Die Antworten klangen oft so wunderbar , als ob sie aus einer andern Welt , nicht von der Erde kämen , und dann wieder waren sie so leichtverständlich , daß jedes Kind gleich wußte , was er meinte . Er wurde besonders nach Mitteln gegen Krankheiten gefragt und nach allerlei heimlichen Dingen , die man durch ihn entdecken wollte . El Ghani ließ sich dafür mit Silber und sogar mit Gold bezahlen und hat von den vielen Pilgern , welche die heiligen Stätten der Schiiten ja zu Tausenden besuchen und seine Wohnung ohne Aufhören belagerten , so viel Geld eingenommen , daß er es nicht nach Mekka schaffen konnte , sondern es bei einem Sarraf89 gegen einen Schein umtauschte . « » Ah , er ließ den Blinden also für Geld sehen ? « » Ja . « » So nützt er ihn also als immerwährend fließende und reiche Einnahmequelle aus ! Nun ist mir seine sogenannte Mildthätigkeit gegen den Münedschi ja ganz klar . Ich traute ihr gleich anfangs nicht ! Er wird das in Mekka ebenso und mit noch größerem Erfolge machen , ohne daß der Kranke es ahnt . Er behält ihn bei sich wie einen Gefangenen und nützt ihn aus , so viel er kann . Nun weiß ich auch , warum er den alten , gebrechlichen Mann mit nach Meschhed Ali genommen hat ; als Dolmetscher , hat er ihm weisgemacht . Der eigentliche Grund war aber , daß er auch dort Geld mit ihm verdienen wollte , und weil er ihn doch nicht in Mekka lassen konnte . Er hätte ihn einstweilen andern Leuten anvertrauen müssen , durch welche dem Blinden der eigentliche , wahre Grund der Wohlthätigkeit seines vermeintlichen Beschützers verraten worden wäre . Um das zu verhüten , mußte er ihn bei sich behalten und ihn also mitnehmen . Also du meinst , daß dieser bedauernswerte alte Mann von dem in Meschhed Ali verübten Diebstahle nichts weiß ? « » Er ist höchst wahrscheinlich unschuldig . Vielleicht erzähle ich dir noch , wie alles zugegangen ist , denn vor Kara Ben Nemsi brauche ich , obgleich er Christ ist , die Geheimnisse des Heiligtumes nicht so streng verschlossen zu halten wie vor andern Laien , und dann wirst du auch dieser meiner Meinung sein . Ich glaube sogar , der Alte würde uns gewarnt haben , wenn er gewußt hätte , daß wir bestohlen werden sollen . Ich weiß nicht , wie du als Christ seinen Zustand erklärst , wahrscheinlich als Krankheit , denn du hast ihn den Kranken genannt ; ich als Moslem aber bin überzeugt , daß er von Geistern besessen ist , und zwar von guten , nicht von bösen , denn alles , was er sagt und was er thut , ist fromm und gut . Es freut mich , daß er sich nicht mehr bei El Ghani , sondern bei euch befindet ; da ist er in sicherer Hut , und wenn ich den Liebling des Großscherifs einholen werde , kann ich mit ihm so streng verfahren , wie es mir beliebt , ohne auf den alten , unschuldigen Münedschi Rücksicht nehmen zu müssen ! « » Was wirst du mit ihnen thun , wenn es dir gelingt , sie festzunehmen ? « » Ich werde sie nach Meschhed Ali schaffen . « » Und wenn sie sich wehren ? « » So schieße ich sie nieder . Das ist dir wohl zu streng ? « » Ich bin hier weder Ankläger noch Richter noch sonst irgendwie beteiligt und kann also keine Meinung haben . Giebt es vielleicht noch eine Frage , welche wir dir beantworten könnten ? « » Nein . Wenn ich noch einen Wunsch finde , so werde ich ihn später aussprechen . « » Wann ? « » Heut abend . « » Wo ? « » Am Bir Hilu , wo wir doch wieder zusammentreffen . « » So willst du dich vorher von uns trennen ? « » Natürlich , und zwar sogleich , denn ihr reitet mir zu langsam . Oder willst du deiner Karawane vorausreiten und mich begleiten ? Ich brauche dir wohl nicht erst zu versichern , Effendi , daß mir das außerordentlich lieb sein