machte sich auf den Heimweg , ohne daß er all diese Dinge eines besonderen Nachdenkens gewürdigt hätte . Sie bereicherten nur seine Seele um das wunderliche Gefühl , daß etwas Entscheidendes in der Welt vorging und daß er selbst die Ursache und berufen sei , die Umwandlung herbeizuführen . Wahrend des ganzen Weges hatte er die bestimmte Vorempfindung von etwas Schönem und Angenehmem , und wie wenn er einen lange vermißten Freund aufsuchte , schritt er gegen das Dorf hinab . Wirklich stand Monika Olifat am Weg und begrüßte ihn , indem sie ihm beide Hände entgegenstreckte . » Wie geht es dir , Agathon ? Warum bist du denn fortgerannt neulich ? Du bist so eigen , Agathon . Wie das lautet : Agathon ! « sagte sie nachdenklich , lächelte froh und sah ihm in die Augen . » Es ist ein griechischer Name und bedeutet : der Gute , « entgegnete Agathon mit demselben innerlich frohen Lächeln . » Bist du denn auch gut ? « » Ich weiß es nicht . Niemand kann es von sich wissen und wer es weiß , ist es nicht mehr . « » Ich muß dir erzählen , « plauderte das Mädchen , » erstens , daß ich eine neue Freundin habe , Käthe Estrich . Sie ist hübsch und lieb ; ihre Eltern ziehen hierher , sie haben die Ziegelei gekauft . « » Zweitens ? « » Zweitens ist sie verlobt und ich kenne auch ihren Verlobten . Ein interessanter Mann « » Stefan Gudstikker ? « » Du kennst ihn ? Er hat mir ein Gedicht gezeigt , das er gemacht hat . Eine Stelle weiß ich auswendig : Es ist so still , daß alle Wandrer staunen . Wenn solche wundervolle Nacht aufziehet , Hört man die Wolken und die Blumen raunen . Dir Wünsche schlafen und kein Feuer glühet , Du spürst nicht Duft von Myrten und Cypressen ; Die Welle ruht im Strom kein Vogel fliehet . « » Das ist schön ! « rief Agathon aus , blieb stehen und erblaßte . » Ach Agathon , ich mag dich so gern leiden , « sagte nach einer Pause Monika erglühend . » Du bist so still und sein und was du sagst , ist so warm ! Ich glaube , dich könnt ich nicht weinen sehen . « » Ich hab auch noch nie geweint , « erwiderte Agathon , den Kopf senkend . Monika nahm seine bebende Hand und küßte sie . Dann gingen sie weiter wie zwei Schlafwandler . Auch im Dorf sah Agathon viele erregte , finstere , zornige Gesichter . Er wurde unruhig . Als er die Schwelle des Hauses überschritt , überfiel ihn ein stechender Schrecken ; er sah jene Frau im Flur stehen , die ihm einige Zeit allmorgendlich begegnet war . Da er sie fassungslos anstarrte , klärte sie ihn auf : » Ich bin die Frau Hellmut und bin zur Pflege Ihrer Mutter da , junger Herr . Sie ist sehr krank . Sei ruhig , Sema ! « herrschte sie den Knaben an , der zu ihr reden wollte und schlug mit dem Knöchel eines Fingers roy gegen die Schläfe des Knaben , so daß dieser zu heulen anfing Als Agathon ins Zimmer kam , fiel ihm auf , daß seine beiden Geschwister wie Wachspuppen auf der Bank saßen und sich nicht rührten . Elkan Geyer starrte mit roten Augen vor sich hin . Bisweilen erwachte er wie aus einer Betäubung und rang stumm die Hände . Enoch saß schweigend am Ofen . Agathon wollte nicht fragen . Voll Besorgnis schritt er die Stufen hinauf , die vom Wohn- ins Schlafzimmer führten und fand seine Mutter allein . Ihr Gesicht war von einem grauenhaften Gelb . Sie lächelte so matt und gezwungen , daß Agathon nach einer geflüsterten Frage , die Frau Jette nur mit einem Zudrücken ihrer Augenlider beantwortete , wieder hinausging . Plötzlich kam Bärman Schrot mit der blauen Schürze , mit schmutzigen Händen - geradewegs von seinem Acker . Er deutete mit ängstlichen Bewegungen hinter sich : der Schuster Garneelen , sowie der Schmied folgten ihm auf dem Fuß . Sie kamen herein , der Schmied mit einem Hammer , der Schuster mit aufgestreiften Ärmeln , beide mit Gesichtern , die wie von Trunkenheit gerötet waren , und der Schmied schlug mit dem Hammer auf die Lehne eines Stuhls , daß sie krachend zerbrach . Mit schrillen Schreien flüchteten die zwei Kinder in das Zimmer der Mutter , und gleich darauf erschien Frau Jette im Bettgewand auf der Schwelle , einer Leiche gleich und mußte sich am Pfosten aufrecht halten . Der Schuster schrie , daß ihm seine Ersparnisse gestohlen seien , und er werde dafür sorgen , daß in drei Tagen kein Jud mehr lebe im Dorf , dafür werde er sorgen , man könne sich darauf verlassen . Der Schmied heulte mehr , als er redete , schlug mit dem Hammer blind um sich , wollte seine zweitausend Mark haben , oder er haue alles zusammen vom Dach bis zum Keller . Auf ein paar Jahre Zuchthaus käme es ihm nicht an , ihm nicht . So schrien sie beide . Auf der Gasse sammelten sich die Menschen , drückten die Gesichter an die Fensterscheiben , drängten sich in den Flur , standen unter der Türe , und endlich entschlossen sich ein paar ältere Männer , den zwei Wütenden zuzureden und sie langsam und durch Übermacht hinauszuschieben . Sie taten es jedoch sichtlich mit Widerwillen , nur aus Mitleid mit dem entsetzlichen Bild der Frau , die steif und regungslos an der Schwelle ihres Krankenzimmers stand , hinter sich zwei zitternde Kinder . Als der Raum wieder leer von Menschen war , versperrte Agathon die Tür und sah seinen Vater prüfend an , der in sich zusammengesunken , mit blauen Lippen hockte und ein Gebet murmelte . Enoch Pohl sagte nichts ; seine Züge waren unbewegt . Er brachte