schien , zugegen war , der unmittelbar nach ihr gekommen sein mußte . Doch stand der Mann in einer entfernteren Ecke , wo ihn ein paar Zeichnungen besonders interessieren mochten ; sie konnten in der andern lächelnde Blicke und geflüsterte Liebesworte austauschen . Wie habe ich mich nach Dir gesehnt ! Und ich mich nach Dir ! Bist Du noch meine wonnige Ballade ? Und Du mein mutiger Siegfried ? Hast Du schon lange auf mich gewartet ? Eine Ewigkeit , wenn ich sie nach meiner Sehnsucht berechne . Ich konnte beim besten Willen nicht eher . Und nun leb ' wohl , herztausiger Schatz ! Um Gottes willen , Du wolltest schon wieder fort ? Wir haben noch eine gute halbe Stunde . Von der jede Minute uns einen Bekannten , das heißt : eine Gefahr bringen kann . Ich bin unten an Herrn Wollberg vorübergestreift . Er stand vor einem Farbendruck nach Gustav Richter und wollte sich tot lachen . Sie selbst lachte übermütig . Wenn sie lachte , drang ein eigentümlich girrender und doch klangvoller Ton aus ihrer Kehle ; in der linken Wange zeigte sich ein tiefes Grübchen und durch die Lippen schimmerten die Spitzen der weißen Zähne . Niemals schien sie ihm entzückender als in solchen Momenten . In einem der nächsten Kabinette ist ein schöner Frauenkopf , den ich Dir zeigen möchte . Ich muß wirklich fort . Es sind nur drei Schritte . Bitte , komm ' ! Aber Du närrischer Mensch , hier kann man ja nicht die Hand vor Augen sehen ! Er hatte sie mit dem einen Arm umfaßt und ihr einen Kuß auf den Mund gedrückt . Bist Du toll ? So ! da hast Du ihn wieder ! Und nun adieu ! Sie befanden sich in dem letzten der Kabinette . Als Klotilde sich wandte , hörten sie Stimmen und Schritte in dem nächsten . Sofort hatten sie ihre Gesichter nach dem Frauenkopf gekehrt , vor dem sie wirklich standen und in dessen Betrachtung sie versunken schienen . Es hätte keine Sekunde später sein dürfen ; die Schritte waren unmittelbar hinter ihnen . Wenn sie sich doch wenigstens zu elektrischem Licht aufschwingen wollten ! Klotilde und Albrecht durchzuckte es : Herrn von Luckows Stimme ! Und nun Stephanies : Sind Sie es wirklich , Klotilde ! Und Herr Professor ! Welch angenehme Überraschung ! Nicht wahr ? sagte Klotilde , während man sich allerseits die Hände reichte . Da will ich nun eine meiner vielen müßigen Stunden totschlagen und muß hier den Herrn Professor finden , der dann freilich von der Kunst ein wenig mehr versteht als ich armer Wurm . Eben hatte er mich auf diesen Kopf aufmerksam gemacht . Findest Du ihn nicht auch wundervoll ? Wenn man nur etwas sehen könnte ! rief Stephanie . Ich dächte , es ginge noch , sagte Klotilde . Sie sind aber wirklich anspruchslos , gnädige Frau , sagte Luckow lachend . Die reine ägyptische Finsternis ! Ich habe Stephanie gewarnt ; sie wollte durchaus her . Ich muß den Barbaren doch ein wenig zu bilden suchen , rief Stephanie . Man lachte und scherzte . Für Albrechts Ohr klang alles recht gezwungen , und Klotilde war der schnelle , verwunderte Blick nicht entgangen , den das Brautpaar in dem ersten Moment der Begegnung gewechselt hatte . Sie fürchtete , Albrecht würde die Taktlosigkeit begehen und sich empfehlen ; aber Albrecht fühlte nicht weniger deutlich , daß hier nur die größte anscheinende Unbefangenheit retten könne . Er brachte sein Bedauern vor , Stephanies verehrte Eltern und Stephanie selbst bei seinem vorgestrigen Versuch , zu der Verlobung zu gratulieren , nicht angetroffen zu haben , und kam dann mit einer geschickten Wendung wieder auf den jungen , talentreichen Künstler zu sprechen , aus dessen wirrem Leben er Interessantes zu berichten wußte . Glücklicherweise kam nun auch noch der Maler Wollberg dazu . Er hatte sich unten an den » alten braunen Schwarten « wieder einmal satt geärgert und wollte sich hier oben , wo denn doch , Gott sei Dank , eine andere Luft wehe , für ein paar Augenblicke die Seele ausweiten . Ja , der hier war ein Künstler ! Wenn der nur mit einem Fuß auftrat , fingen sämtliche Zöpfe der Akademie an zu wackeln . Für eine Radierung , wie diese , gebe er den ganzen Kunstquark hin von Albrecht Dürer bis Menzel ! Was stellt es eigentlich vor ? fragte Stephanie . Ich weiß es nicht , rief der Künstler . Darauf kommt es auch gar nicht an . Aber sehen Sie diese grandiosen Linien , diese fulminante Verteilung von Licht und Schatten ! Daß der Künstler seine Seele giebt , nackt giebt , mein gnädiges Fräulein , splitternackt , das ist die Sache . Wo nichts ist , freilich , hat der Kaiser sein Recht verloren . Waren ja ganz nette Sächelchen , Herr Professor , die Sie uns bei dem Fest neulich vorgegaukelt haben . Ein bißchen aus dem Handgelenk ? wie ? Na , immer noch besser , als der Kaulbach ' sche Schund , den uns der alte Esel von - na , de mortuis nil nisi bene , heißt es ja wohl . Und diese ganze Sippe ist tot , toter als tot . Das Glöckchen des Saaldieners mahnte die Herrschaften daran , daß die von ihm ersehnte Stunde endlich geschlagen habe : die Herrschaften und den kleinen handwerkermäßigen Mann , der noch immer an den Zeichnungen sich nicht satt gesehen hatte , nun mit ihnen den Saal verließ und hinter ihnen die Treppen hinunterstieg . Unten vor dem Portal hielt die Sudenburg ' sche Equipage und in einiger Entfernung eine einzelne Droschke . Wir bringen Sie natürlich nach Hause , Klotilde , sagte Stephanie . Wird mit Dank angenommen , sagte Klotilde , nach einem freundlichen Kopfnicken gegen Albrecht und den Maler , zuerst in den Wagen schlüpfend . Die Equipage mit Klotilde und dem Brautpaar war davon gerollt