keinem Menschen mehr - den lauteren Brüdern am allerwenigsten . In Bagdad floß der Wein nicht mehr in Strömen - die Gelehrten und Dichter wurden magrer mit jedem Tag . Sogar die Tofailys - diese Prasser - sahen sich oftmals vergeblich nach guten Braten und dicken Weinschläuchen um - viel öfter vergeblich als früher . Manche Freuden haben ja noch die Tofailys - sie freuen sich , daß die » Gesellschaft der lauteren Brüder « wieder Ruf und Wert verlor ; sobald man einen Bruder sieht , höhnt man ihn in nichtswürdigster Art. Das in Bagdad nicht mehr soviel zu essen und zu trinken gibt , so dringen die » sinnlichen « Vergnügungen mehr in den Vordergrund ; die Zahl der Tingeltangel mehrt sich unheimlich - die alte Dschellabany ärgert sich darüber sehr . Die Frauen werden eifersüchtig auf die schönen Knaben . Die Diebe stehlen mit Vorliebe kleine Kinder , was manchen Vätern nicht unangenehm ist . Hamadany und Abu Hanifa haben gleichzeitig das Glück , von ihren Vaterfreuden in dieser angenehmen Form entbunden zu werden , was unter den Tofailys ein höllisches Gelächter hervorruft . Kodama beschäftigt sich eingehend mit den Empfindungen der Entmannten und kommt hinter das Geheimnis der Sphinx ; er behauptet , um Safur zu ärgern , daß eine Sphinx dasjenige Weib ist , das nicht zur Hälfte einen Löwenkörper , sondern einen Manneskörper besitzt - nach Kodamas Meinung unterscheiden sich die beiden Geschlechter nicht so scharf , wies den Anschein hat ; alle diejenigen , deren Geschlecht nicht ganz männlich oder nicht ganz weiblich ausgebildet ist , besitzen nach des dicken Geographen Ansicht - Sphinxnatur . Osman sagt seinem dicken Freunde , er möchte doch lieber ein Buch über die Kugelgestalt der Sonne schreiben . Kodamas Lehre findet mehr Anklang bei den Sufys , die sich eifrig bemühen , in Bagdad ausschweifende religiöse Kulte einzuführen . Safur kümmert sich um keinen Menschen , da er sie sämtlich für zu dumm und zu einfach hält ; spricht mal Jemand längere Zeit mit dem Dichter , so wird der zum Schluß gewöhnlich sehr grob und schreit dann : » Mein Freund ! Tarub bist Du , Tarub warst Du , Tarub wirst Du bleiben . Die Familie Tarub ist unsterblich - unsterblich ! « Das verstehen freilich die Meisten nicht - daraus macht sich aber der große Dichter ganz und gar nichts . Die Tarub , die mit Müh und Not noch täglich für den Dichter was zu essen kocht , redet nur noch von » Geld « und ringt täglich die Hände zum Himmel , daß sie Safur jemals kennenlernte , der sie nur um all ihr Hab und Gut gebracht habe ... Und Safur wird , wenn er das Wort » Geld « hört , beinah verrückt , er schreit dabei wie ein wildes Tier , wirft sich auf die Erde und weint zuletzt . Das ist schon eine Zucht bei der Tarub . Wenn der gutmütige ehrliche Abu Hanifa kommt , atmet Safur erleichtert auf - dem kann der Bär sein Herz ausschütten , was zu beruhigen pflegt . Den Abu Hischam mag der Bär nicht - den Kodama und den Hamadany begrüßt er dagegen jedesmal freundlicher . Safur wird von diesen Beiden mit seiner Sphinx gefoppt , was die Tarub ganz gern hat . Kodama behauptet , daß eine Sphinx garnicht leicht zur Liebe zu bewegen ist , weil die Liebe in der Sphinx eine ganz andere Empfindung erzeuge , als in den anderen Weibern . Safur hält das für Hohn und sucht Beruhigung im Weinschlauch . Der gutmütige Abu Hanifa ist stets bereit , seine letzten Silberlinge mit dem Dichter zu vertrinken . Beim Weine beklagt man vornehmlich , daß der reiche Al Battany immer noch nicht aus Indien zurückkehren will . Abu Maschar , der ganz einsam auf der Sternwarte wohnt , wollte Nachricht geben , wenn er was von Battanys Rückkehr erfahren sollte . Doch der Prophet läßt nichts von sich hören . Jakuby ist auch noch nicht in Bagdad . Die Tarub wird immer aufgebrachter . Wie Safur in einer Nacht ganz betrunken in die Küche stolpert und behauptet , daß ihn seine Dschinne als Gespenst verfolge , wird die Tarub so erregt , daß sie ihrem Dichter sagt : » Jetzt kann ichs nicht mehr aushalten . Ich kanns nicht . Du darfst meine Küche nicht mehr betreten , wenn Du jetzt nicht endlich Geld schaffst . Ich muß jetzt mein Geld wiederhaben - mein Geld ! Ohne Geld darfst Du nicht zurückkehren ! « Safur sagt nichts und geht fort - in die Nacht hinaus - die Tarub wird ihm auch zum Gespenst . Neunzehntes Kapitel Wie die Sonne aufgeht , sitzt Safur neben Abu Maschar auf der alten Sternwarte im Empfangssaal . Da ist es still . Das Licht der Sonne ist rot . Rote Wolkenstreifen durchqueren den klaren , blauen Morgenhimmel . Das indische Götzenbild im Hintergrunde des Saales wird auch rot . Rot funkeln gleichzeitig die silbernen Querstreifen der Wände und der Goldgrund der Decke . Die maurischen Ampeln , die noch immer an ihren langen Ketten hängen , zeigen auch rot glänzende Ecken und Flächen . Am heftigsten wirkt das Licht auf dem kupfernen Himmelsglobus und auf dem kupfernen Waschbecken in der Alabasternische . Der Prophet und der Dichter sind ebenfalls rot geworden - von oben bis unten . Die Sternwarte ist auf der Ostseite ganz übergossen vom Morgenrot . Die beiden Männer , die auf dem alten Teppich sitzen , haben in der Nacht nicht geschlafen . Doch sie sind drum nicht müde . Safur ist sogar heiter , denn er hat eben gehört , daß Battany bereits aus Indien zurückgekehrt ist - unten wiehern schon wieder die Rosse der Mongolen wie einst ... Der Dichter will sich am Tigris ein kleines altes Landhaus kaufen , das dort liegt , wo die Eremiten hausen . Er will auch Eremit werden , und Battany soll bloß so viel Geld hergeben , daß