Tag konnte der Marschbefehl kommen . Würde der unselige Krieg nur schnell zu Ende geführt ! ... Mit größtem Eifer las ich in den Zeitungen die Berichte vom Kriegsschauplatz und wünschte heiß , daß die Verbündeten rasche und entscheidende Siege erföchten . Ich gestehe es , der Wunsch war nicht vor allem ein patriotischer . Lieber war es mir immerhin , wenn der Sieg auf unserer Seite blieb ; aber was ich von diesem erhoffte , war die Beendigung des Kampfes , ehe mein Alles in der Welt dahin entsendet werde , in zweiter Linie erst der Triumph meiner Landsleute und in allerletzter Linie die Interessen des » meerumschlungenen « Stück Landes . Ob nun Schleswig zu Dänemark gehörte , oder nicht , was in aller Welt konnte mich das anfechten ? Und schließlich - was focht es die Dänen und die Schleswig-Holsteiner selber an ? Sahen denn die beiden Völker nicht ein , daß es nur ihre Lenker waren , welche um Land- und Machtbesitz sich stritten , daß es in diesem Fall zum Beispiel nicht um ihr Wohl und Wehe , sondern um die Gelüste des Protokoll-Prinzen und des Augustenburgers sich handelte ? Wenn mehrere Hunde um ein paar Knochen sich raufen , so zerfleischen einander doch nur die Hunde ; in der Völkergeschichte sind es aber meist die dummen Knochen selber , welche auf einander losschlagen und sich gegenseitig zertrümmern , um für die Rechte der sie begehrenden Streiter zu kämpfen . » Mich will Azor haben « - und » Auf mich hat Pluto Anspruch « - » Ich protestiere gegen Karo ' s Fänge « und » Ich rechne es mir zur Ehre , von Minka gefressen zu werden , « sagen die Knochen . » Dänemark bis zur Eider , « riefen die dänischen Patrioten . » Wir wollen Friedrich von Augustenburg zum Herzog , « riefen die Loyalen von Holstein . Unsere Zeitungsartikel und die Gespräche unserer Kannegießer waren natürlich alle von dem Grundsatz durchdrungen , daß die Sache für welche » Wir « eingetreten , die gerechtere , die einzig » historisch entwickelte « , die einzig für Erhaltung des » europäischen Gleichgewichtes « erforderliche war . Natürlich wurde in den Leitartikeln und den politischen Unterhaltungen in Kopenhagen das gegenteilige Prinzip mit gleichem Nachdruck verfochten . Warum nicht gegenseitig die Rechte abwägen , um sich zu verständigen , und wenn dies nicht gelingt , eine dritte Macht zum Schiedsrichter machen ? Warum nur immer beiderseitig schreien . » Ich - ich bin im Rechte . « Sogar gegen die eigene Überzeugung schreien , so lange , bis man sich heiser geschrien und losschlägt - die Entscheidung der Gewalt überlassend ? Ist das nicht Wildheit ? Und wenn nun eine dritte Macht sich in den Streit mischt , so thut auch sie es nicht mit Rechtserwägung und Urteilsspruch , sondern gleichfalls mit Dreinschlagen ? ... Und das nennen die Leute » äußere Politik ? « Außere und innere Rohheit ist es - staatskluge Schildbürgerei - internationale Barbarei . - - - Mit solcher Bestimmtheit faßte ich wohl damals die Ereignisse noch nicht in diesem Lichte auf . Nur momentan erwachten mir derlei Zweifel , und dann gab ich mir Mühe , dieselben zu verscheuchen . Ich versuchte , mir einzureden , daß das geheimnisvolle Ding » Staatsraison « genannt , ein über alle Privat- und namentlich über meine kleine Vernunft erhabenes , das Leben der Staaten bedingendes Prinzip sei , und eifrig studierte ich in der Geschichte Schleswig-Holsteins nach , um einen Begriff von dem » historischen Recht « zu erlangen , zu dessen Wahrung der gegenwärtige Prozeß geführt ward . Da fand ich denn , daß der fragliche Landstrich schon im Jahre 1027 an Dänemark abgetreten worden war . Also haben eigentlich die Dänen recht ; sie sind die legitimen Könige des Landes ... Nun aber , zweihundert Jahre später , wird das Land einer jüngeren Linie des Königshauses zugeteilt und gilt nur noch als ein dänisches Fahnenlehen . 1326 wird Schleswig dem Grafen Gerhard von Holstein überlassen und die » Waldemarsche Konstitution « verbrieft , daß » es nie wieder mit Dänemark so verbunden werden soll , daß ein Herr sei . « Ah so , dann ist das Recht doch auf Seite der Verbündeten : wir kämpfen für die » Waldemarsche Konstitution « . Das ist wohl in der Ordnung , denn wozu wären denn verbriefte Zusicherungen , wenn man sie nicht aufrecht erhielte ? Im Jahre 1448 wird die Waldemarsche Konstitution nochmals durch König Christian I. bestätigt . Also kein Zweifel ; nie soll und darf wieder » Ein Herr sein « . Was wollte da der Protokoll-Prinz ? Zwölf Jahre später stirbt der Herrscher von Schleswig kinderlos und die Landstände versammeln sich zu Ripen ( gut , daß man immer so genau weiß , wann und wo sich Landstände versammelten : es war also 1460 zu Ripen ) und proklamieren den dänischen König zum Herzog von Schleswig , wogegen er ihnen verspricht , daß die Lande » ewig zusammenbleiben sollen - ungeteilt « . Das macht mich wieder ein wenig konfus . Der einzige Anhaltspunkt ist noch das » ewig zusammenbleiben « . Aber die Verwirrung nimmt im weiteren Verlauf dieses historischen Studiums fortwährend zu , denn jetzt beginnt , trotz der » Formel : ewig ungeteilt ( das Wort ewig spielt in politischen Verträgen überhaupt eine niedliche Rolle ) ein ewiges Spalten und Teilen des Besitzes zwischen den Söhnen des Königs und Wiedervereinen unter einem nächsten König und Gründen neuer Linien - Holstein-Gottorp und Schleswig- Sonderburg - welche sich unter gegenseitigen Verschiebungen und Abtretungen der Anteile abermals spalteten in die Linien Sonderburg-Augustenburg , Beck-Glücksburg , Sonderburg-Glücksburg , Holstein- Glückstadt - kurz , ich kenne mich gar nicht mehr aus . « Aber nur weiter . Vielleicht begründet sich das historische Recht , um welches heute unsere Landessöhne bluten müssen , erst später . Christian IV. mischt sich in den dreißigjährigen Krieg und die Kaiserlichen und Schweden fallen