über das soziale Verhältniß nachzugrübeln , in dem ein Laubfrosch zu einer Perrücke und einer Schale Spargelsalat steht . Ein Schwarm drolliger und putziger Gedankenbilder umgaukelte ihn . Der Schlapphut hatte zwar eine tüchtige Portion Nässe geschluckt ... nichtsdestoweniger kam der Herr Doctor sehr angeregt und aufgeräumt nach Hause . Lydia war ihm schauderhaft gleichgültig . - Er fand einen Brief von seinem Bruder vor , welcher schrieb , daß er sich verlobt hätte . Adam las die nichtssagende , umständlich-unbeholfene Epistel flüchtig durch und warf sie in den Papierkorb . Was ... wer war ihm sein Bruder ? Er hatte ihn seit Jahren nicht gesehen . Adam besaß so gar kein Talent , verwandtschaftliche Instinkte bei sich zu pflegen . Aber noch ein Brief war angekommen : eine sehr liebenswürdige Einladung von Irmers für übermorgen Abend : » Zu einer Tasse Thee « . » Ah ! So kommst Du also wieder einmal an die Reihe , geliebte Hedwig - « versetzte halblaut vor sich hin dieser Mensch , um den sich ... andere Menschen zu » reißen « schienen , » sieh da ! das ist hübsch von Dir ! ... « Ihr wechselt Euch fürwahr sehr nett ab , Kinder ! » Lydia - Hedwig - Emmy - Emmy - Hedwig - Lydia - Hedwig - Lydia - Emmy - : ganz annehmbar ! Uebrigens - Emmy ! Hm ! Ich traue diesem Herrn von Bodenburg doch nicht recht - er wird doch ... wird doch keinen ... Unsinn machen mit meiner kleinen reizenden Frau - ? Zu dumm , daß Emmy ein so emancipatives Wesen ist - zu dumm ! « Zum ersten Male war Adam so etwas wie eifersüchtig ... wie eifersüchtig auf die unvermeidlichen , anderen Liebhaber seiner » kleinen , reizenden Frau « ... In der folgenden Nacht schlief er sehr unruhig . Er wachte öfter auf - und so oft er aufwachte , mußte er daran denken , daß dieser dumme Kerl von Referendar und seine Emmy jetzt wohl in süßem Minnespiel beieinander wären . Es war zum Rasendwerden . » Wahrhaftig ! Nächstens werde ich mich auch noch in die Hure verliebt haben ... « knurrte er einmal erbost vor sich hin . - XIII. Und nun war die Stunde gekommen , da Adam sich aufmachen durfte , der Irmer ' schen Einladung Folge zu leisten . Um die Zeit , da der Nachmittag Miene zu machen begann , sich zum Abend auszuwölben , war der Herr Doctor natürlich mit sich einig gewesen , nicht zu Irmers zu gehen , sich noch entschuldigen zu lassen . Er war soeben erst nach Hause gekommen . Am Vormittage hatte er sich , von einer unerträglich zerfaserten und zerkrümelten Stimmung gequält , fast aus seiner Wohnung geflüchtet ... hatte er sich geflüchtet vor sich selber ... vor einem Gespenst ... vor der furchtbaren Entdeckung , daß er in dieser Stimmung Welt und Leben gegenüber vollständig waffenlos wäre . Die stille , köstliche Heiterkeit des Herzens , mit welcher er gestern heimgekehrt war , hatte sich ihm bis auf den letzten , mageren Nachglanz entzogen ... er verstand sie nicht mehr ... er konnte nicht begreifen , daß er sie besessen ... er verachtete sich , weil er das nicht begreifen , weil er keinen Zusammenhang finden konnte ... und verachtete sich zugleich , weil er nach einem Zusammenhange suchte ... weil er jener Stille des Gemüths instinctiv Wert und Bedeutung beilegte ... und er verachtete sich zum Dritten , weil er gestern im Stande gewesen war , die unermeßliche Schwere des Lebens zu vergessen ... und sie heute fast mit dem Gefühle eines Menschen trug , der nach neuen Mitteln und Wegen suchte , sich über sie hinwegzutäuschen ... eines Menschen , der am Liebsten vor ihr geflohen wäre ... Und so war er denn auch vor seiner Stimmung geflohen ... hatte sich mit eintöniger Nachdrücklichkeit eingeredet , daß er einige Besorgungen , die er schon längst hatte machen wollen , nicht länger aufschieben könnte ... war , von den Eindrücken der Außenwelt bestürmt , überhäuft , zerstreut , endlich auch etwas ruhiger geworden ... hatte dann mit auffälligem Appetit zu Mittag gespeist ... und schließlich den größten Theil des Nachmittags im Café Caesar verstumpftsinnt . Einmal war hier Herr von Bodenburg vor ihm aufgetaucht , hatte sich aber mit merkwürdiger Eile sehr bald wieder empfohlen . Adam hatte lächeln müssen : der Herr Referendar schien wahrhaftig ein böses Gewissen zu haben ! Er sollte die Emmy , die eben doch weiter nichts als auch » so Eine « war , nur ruhig zu seinem Privatgebrauche engagiren - er , Adam Mensch , würde nicht das Geringste dagegen einzuwenden haben ! Was war ihm denn diese schöne Sünderin mit dem verzettelten Herzensleben und dem beschränkten Intellekt ? Dummheit , wenn Herr von Bodenburg sich genirte - capitale Dummheit ! Solch ' ein kleines Weib ist doch gleichsam nur eine lebendige Münze ... es geht von einer Hand in die andere - was weiter ? - Und doch war er zusammengezuckt , als er sich Emmys Untreue , die er selbst erst herausgefordert hatte , vorgestellt . Adam hatte sich an Emmys Leidenschaftlichkeit ... an ihre Liebkosungen , an ihre Küsse erinnert ... an ihre Umarmungen , die ihn fast erstickt ... Und wie süß war es gewesen , als sie ihm in jener Nacht im ersten Paarungstumult rührend einfach zugestammelt : » Ich habe Dich gern , Adam ! « Und da war es wirklich heiß in ihm emporgestiegen ... eine unheimliche Exstase hatte ihn bis in seine kleinsten Organe hinein durchspült ... eine dampfende , lähmende Sehnsucht , nach Emmys schönem Leibe ... nach ihren Küssen ... ihrem weichen , molligen Liebesgeplauder ... ihrer köstlichen Routinirtheit im aufsaugenden Minnespiel , war jäh zu ihm gekommen - verflucht ! Er hatte seine köstliche Lagergenossin verloren , weil er einem Weibe nachgelaufen war , das ihm eine dumme Komödie vorgespielt ! Er hatte sich auf