schlimm ... Ach , lieber Botho , jung oder alt , unsere Wünsche bedürfen doch beständig einer strengen und gewissenhaften Kontrolle . Dieser Gedanke beschäftigt mich seitdem unausgesetzt , und die Begegnung mit dieser liebenswürdigen Frau war vielleicht kein Zufall in meinem Leben . Wie oft habe ich Kluckhuhn in diesem Sinne sprechen hören . Und er hat recht . Morgen mehr . Deine Käthe « Botho schob die drei Karten wieder ins Couvert und sagte : » Ganz Käthe . Welch Talent für die Plauderei ! Und ich könnte mich eigentlich freuen , daß sie so schreibt , wie sie schreibt . Aber es fehlt etwas . Es ist alles so angeflogen , so bloßes Gesellschaftsecho . Aber sie wird sich ändern , wenn sie Pflichten hat . Oder doch vielleicht . Jedenfalls will ich die Hoffnung darauf nicht aufgeben . « Am Tage danach kam ein kurzer Brief aus Schlangenbad , in dem viel , viel weniger stand als auf den drei Karten , und von diesem Tage an schrieb sie nur alle halbe Woche noch und plauderte von Anna Grävenitz und der wirklich auch noch erschienenen Elly Winterfeld , am meisten aber von Madame Salinger und der reizenden kleinen Sarah . Es waren immer dieselben Versicherungen , und nur am Schlusse der dritten Woche hieß es einigermaßen abweichend : » Ich finde jetzt die Kleine reizender als die Mutter . Diese gefällt sich in einem Toilettenluxus , den ich kaum passend finden kann , um so weniger , als eigentlich keine Herren hier sind . Auch seh ich jetzt , daß sie Farbe auflegt und namentlich die Augenbrauen malt und vielleicht auch die Lippen , denn sie sind kirschrot . Das Kind aber ist sehr natürlich . Immer wenn sie mich sieht , stürzt sie mit Vehemenz auf mich zu und küßt mir die Hand und entschuldigt sich zum hundertsten Male wegen der Drops , aber die Mama sei schuld , worin ich dem Kinde nur zustimmen kann . Und doch muß andererseits ein geheimnisvoll naschiger Zug in Sarahs Natur liegen , ich möchte beinahe sagen , etwas wie Erbsünde ( glaubst Du daran ? ich glaube daran , mein lieber Botho ) , denn sie kann von den Süßigkeiten nicht lassen und kauft sich in einem fort Oblaten , nicht Berliner , die wie Schaumkringel schmecken , sondern Karlsbader mit eingestreutem Zucker . Aber nichts mehr schriftlich davon . Wenn ich Dich wiedersehe , was sehr bald sein kann - denn ich möchte gern mit Anna Grävenitz zusammen reisen , man ist doch so mehr unter sich - , sprechen wir darüber und über vieles andere noch . Ach , wie freu ich mich , Dich wiedersehn und mit Dir auf dem Balkon sitzen zu können . Es ist doch am schönsten in Berlin , und wenn dann die Sonne so hinter Charlottenburg und dem Grunewald steht und man so träumt und so müde wird , oh , wie herrlich ist das ! Nicht wahr ! Und weißt Du wohl , was Frau Salinger gestern zu mir sagte ? Ich sei noch blonder geworden , sagte sie . Nun , Du wirst ja sehn . Wie immer Deine Käthe « Rienäcker nickte mit dem Kopf und lächelte . » Reizende , kleine Frau . Von ihrer Kur schreibt sie nichts ; ich wette , sie fährt spazieren und hat noch keine zehn Bäder genommen . « Und nach diesem Selbstgespräche gab er dem eben eintretenden Burschen einige Weisungen und ging , durch Tiergarten und Brandenburger Tor , erst die Linden hinunter und dann auf die Kaserne zu , wo der Dienst ihn bis Mittag in Anspruch nahm . Als er bald nach zwölf Uhr wieder zu Hause war und sich ' s , nach eingenommenem Imbiß , eben ein wenig bequem machen wollte , meldete der Bursche , » daß ein Herr ... ein Mann « ( er schwankte in der Titulatur ) » draußen sei , der den Herrn Baron zu sprechen wünsche « . » Wer ? « » Gideon Franke ... Er sagte so . « » Franke ? Sonderbar . Nie gehört . Laß ihn eintreten . « Der Bursche ging wieder , während Botho wiederholte : » Franke ... Gideon Franke ... Nie gehört . Kenn ich nicht . « Einen Augenblick später trat der Angemeldete ein und verbeugte sich von der Tür her etwas steif . Er trug einen bis oben hin zugeknöpften schwarzbraunen Rock , übermäßig blanke Stiefel und blankes schwarzes Haar , das an beiden Schläfen dicht anlag . Dazu schwarze Handschuh und hohe Vatermörder von untadliger Weiße . Botho ging ihm mit der ihm eigenen chevaleresken Artigkeit entgegen und sagte : » Herr Franke ? « Dieser nickte . » Womit kann ich dienen ? Darf ich Sie bitten , Platz zu nehmen ... Hier ... Oder vielleicht hier . Polsterstühle sind immer unbequem . « Franke lächelte zustimmend und setzte sich auf einen Rohrstuhl , auf den Rienäcker hingewiesen hatte . » Womit kann ich dienen ? « wiederholte Rienäcker . » Ich komme mit einer Frage , Herr Baron . « » Die mir zu beantworten eine Freude sein wird , vorausgesetzt , daß ich sie beantworten kann . « » Oh , niemand besser als Sie , Herr von Rienäcker ... Ich komme nämlich wegen der Lene Nimptsch . « Botho fuhr zurück . » ... Und möchte « , fuhr Franke fort , » gleich hinzusetzen dürfen , daß es nichts Genierliches ist , was mich herführt . Alles , was ich zu sagen oder , wenn Sie ' s gestatten , Herr Baron , zu fragen habe , wird Ihnen und Ihrem Hause keine Verlegenheiten schaffen . Ich weiß auch von der Abreise der gnädigen Frau , der Frau Baronin , und habe mit allem Vorbedacht auf Ihr Alleinsein gewartet , oder wenn ich so sagen darf , auf Ihre Strohwitwertage . « Botho hörte mit feinem Ohre heraus , daß der