aus der Hochzeit ein freiheitliches Volksfest zu gestalten und eine Schar Demokraten mit ihren Frauensleuten zu laden , die in Verbindung mit dem zu erwartenden Anhang des Hauses Weidelich ein wackeres Bild , einen Auszug des Volkes darstellen würden . Die Mutter wußte ihm jedoch den Gedanken auszureden , und er sah ein , daß es vielleicht nicht gut wäre , diese Hochzeit zu einem politischen Parteifeste zu machen mit einem nicht abzusehenden Verlaufe . Auch die Töchter scheuten sich , mit ihrem erkämpften Glücke ein öffentliches Schauspiel zu geben . Desto eifriger wünschten die Bräute den Bruder Arnold zur Hochzeit herbei . Sie hatten einen mit den Eltern gemeinschaftlich geschriebenen Brief an ihn nach England gesandt , nachdem er die erste Verlobungsanzeige mit einem kurzen Glückwunsch ohne alle scherzhaften Wendungen erwidert . Auf die vierfache Einladung traf nun ein Brief Arnolds an den Vater ein . » Liebster Vater ! « schrieb er , » Euere dringende Gesamtaufforderung , zur Hochzeit zu kommen , hat meinem gut Salanderschen Sohnes-und Bruderherzen gewiß wohl getan , und fast tut es mir weh , dem Vergnügen , das ich mir versprechen dürfte , entsagen zu müssen . Vielleicht werden die l. Schwestern es auch nicht galant finden , wenn ich über dies Müssen eigenmächtig selbst entscheide ; allein es ist so , ich kann jetzt wegen der Hochzeit nicht den hiesigen Aufenthalt plötzlich unterbrechen , um möglicherweise , wie es eben so geht , nachher nicht mehr zurückzukehren , wenn ich einmal dort bin . Die l. Mutter , welche , es sei gesagt , ohne Eifersucht erregen zu wollen , eine Spezialität meines Herzens ist , wird mich verstehen ! Liebster Vater ! Ich habe Dir zu bekennen , daß ich hier nicht Jura treibe , wie wir verabredet , sondern englische Geschichte , wobei ja wünschendenfalls , wie sie in Münsterburg sagen , immer etwas Recht mit unterläuft . Ich weiß wohl , daß man nicht gerade in die Länder zu gehen braucht , deren Geschichte man im allgemeinen studieren will ; wenn man aber da ist , kann man in Land und Leuten einen Anschauungsunterricht genießen , der nicht zu verachten ist . Ich muß nun gleich zu dem übergehen , was hiemit zusammenhängt und ich Dir vorzulegen habe . Du hast bis jetzt gewünscht , daß ich sofort die juristische Praxis antrete , wenn ich heimgekehrt bin , und zugleich beginne , mich am politischen Leben zu beteiligen . Das möchte ich mit Deiner Zustimmung gern etwas anders anfassen . Die Jurisprudenz werde ich nach Kräften weiter pflegen , fühle aber einen lebhaften Drang , mehr als bis zur Stunde geschehen , mich den historischen Studien zu widmen , was ich mir folgendermaßen denke . Unsere Mittel würden mir gestatten , eine Zeitlang in der Heimat als unabhängiger Privatgelehrter zu leben , womit sich , damit ich nicht ganz umsonst esse , wohl vereinigen ließe , in Deinem Handelsgeschäfte diese oder jene Funktionen zu besorgen . Ich habe ja früher schon manche Stunde an Deinem Pulte mitgeschrieben . Würde so allmählich ein leidlicher Kaufmann daraus , so täte die etwelche Gelehrtheit ihm keinen Abbruch , und die Frage , welches die Zukunft Deiner Firma sein soll , wäre im Notfall zugleich für eine weitere Zeit gelöst . Also : ein junger Jurist arbeitet nach Bedürfnis und Gelegenheit im Handelshause seines Vaters mit , treibt daneben Geschichte für seinen Hausgebrauch , um die werdende Geschichte besser zu verstehen und ihre Dimensionen messen , ihre Bedingungswerte schätzen zu lernen . « » Was Teufel ist das ? « unterbrach sich Martin Salander im Lesen , vergeblich über den Sinn der Phrase nachdenkend ; las dann aber weiter : » Wo will das hinaus ? wirst Du fragen ! Ich will gleich den Schlüssel hersetzen . In G. ging ich mit einigen Landsleuten um , welche sich vorzugsweise gern über die politischen Zustände der Heimat unterhielten und die empfangenen Nachrichten unter weisen Betrachtungen austauschten . Einer davon aus dem Kanton X. wurde von seinem Vater ausgesucht , der nach dem Seebade reiste . Er brachte einen Abend mit dem Sohne und uns zu , hörte unsere Gespräche an , in die wir den alten Herrn bald verwickelten . Als er ein und das andere ungeduldige und vorschnelle Urteil vernahm , woran sich der Schluß knüpfte , es dürfte der betreffende Übelstand wohl erst durch ein neues Geschlecht von Gesetzgebern , von frischen Kräften gehoben werden , lächelte der Alte und meinte , es handle sich nach seiner Erfahrung nicht sowohl um einen Mangel an frischen Kräften , die ja ohnehin schon durch das allgemeine Menschenschicksal unaufhörlich zuflössen , als im Gegenteil um einen bedächtigeren , beharrlicheren Ausbau des Geschaffenen . Er erzählte nun anschaulich , wie er zum dritten Mal erlebt habe , daß nach einem kraftvollen Umschwung die Söhne der Männer , die ihn bewirkt und im besten Mannesalter standen , als Schüler sich zusammengetan und verabredet hätten , sie wollten noch etwas ganz anderes herstellen , wenn sie drankommen würden . Ohne zu wissen , was das Unerhörte eigentlich sein solle , hätten sie später wirklich Wort gehalten , wie wenn sie auf dem Rütli geschworen hätten , und ihre Zeit lang die heilige Gesetzgebung verwirrt und gestört , bis ihre eigenen Sprößlinge den gleichen Schwur getan und als neue Generation ihnen vom Amte halfen oder wenigstens mit großem Spektakel zu helfen suchten . In diesem Lichte gesehen , sei der Fortschritt nur ein blindes Hasten nach dem Ende hin und gleiche einem Laufkäfer , der über eine runde Tischplatte wegrenne und , am Rande angelangt , auf den Boden falle , oder höchstens dem Rande entlang im Kreise herumlaufe , wenn er nicht vorziehe , umzukehren und zurückzurennen , wo er dann auf der entgegengesetzten Seite wieder auf den Rand komme . Es sei ein Naturgesetz , daß alles Leben , je rastloser es gelebt werde , um so schneller sich auslebe und ein Ende nehme ; daher