und trat einen Schritt näher . » Därf mer bald gratuliern ? « » Wem meinst ? Und wozu ? « » Na , euch , dir und der Sepherl , ' m einm zum andern . « Er ward rot und verlegen wie ein Mensch , den eine schamlose Nachrede verwirrt . » Da bist falsch bericht « , stotterte er , » an so was denkt keins von uns zwein . « » Die Sepherl gwiß , das sag ich dir ; ich weiß das seit langem , ohne daß sie mir ' s hätt einzgstehn brauchen , noch von der Zeit her , wo wir miteinander gangen sein . « Muckerl seufzte tief auf . » Sie is wohl a brave Dirn , aber sie möcht mich bedauern , wann ' s so wär , wie du sagst ; an dein Stell kann keine treten . « » Und ich auch nit mehr an selbe zruck . « » Warum ? « fragte er eifrig . » Warum nit ? Warum sollt ' s jetzt , wo der Störenfried fort is , nit zwischen uns wieder werden können , wie es war ? « » Wir hätten uns ja heiraten sollen ! « lachte sie schrill und höhnisch auf . Es war ganz unangenehm anzuhören . Dann fuhr sie mit gedämpfter Stimme fort : » Nach dem mittlerweil Gschehnen überlegst du dir ' s wohl , was ein andrer übelgmacht hat , gutzmachen , und ich bin zu gewitzt , als daß ich ' s mit einm zweiten noch verschlechter . « Der Bursche sah sie mit großen Augen an . » Ich versteh dich nit « , sagte er , » nur wann d ' meinst , daß ich ' s anders mein als ehrlich , so hast a falsche Meinung . « » Tschapperl « , sagte sie , ihm ganz nahe tretend und fest in die Augen blickend . » Du weißt eben wenig vom Gschehnen . War der Bub vom Sternsteinhof gegen dich grob , so war er gegen mich ein Schuft ! Daß ich dich aufgegeben und mich mit ihm einglassen hab , das muß ich jetzt schwer gnug büßen ; du kannst zfrieden sein ! Er hat versprochen , daß er mich zu seiner Bäuerin macht und ... Was soll ich dir ' s für dein ehrlich Meinen nit gleich da an der Stell sagen , was ich nit lang mehr vor ' n Leuten werd verbergen können ? ... In d ' Schand hat er mich gbracht ! « Der Bursche begann zu zittern , sein Antlitz ward kreidebleich , seine Mundwinkel zuckten , und die Augen , mit denen er die Dirne kläglich anstarrte , füllten sich mit Tränen . Sie wandte das plötzlich erglühende Gesicht von ihm ab , und mit beiden Händen ihn ober den Ellbogen fassend und sachte rüttelnd , raunte sie ihm zu : » Aber - Muckerl - es is ja nit wahr . « Er schüttelte leise . Da drückte sie den Kopf gegen seine Brust und rief schluchzend : » Es is wahr - ja , es is wahr - , ich bin ganz elend und verloren ! Stoß mich weg ! Stoß mich weg von dir ! « Aber er ließ sie gewähren , und nach einer Weile fühlte sie seine Hand ihren Scheitel begütigend streicheln . Und wie sie so an ihn geschmiegt war , mit gesenkten , tropfenden Wimpern , das Ohr an seinem hämmernden Herzen , vergalt sie ihm die Schwäche , die immerhin großmütige Schwäche , mit der er sie eine für ihn herbste Wahrheit nicht entgelten ließ , mit einer überzuckerten Lüge : » Wärst du mir je gekommen « - ihre Stimme stöhnte noch unter einzelnen Nachstößen des verwundenen Schluchzens - , » nur halb so aufdringlich wie der Lump , es könnt heut alls anders sein . « Der Bursche holte so aus dem Tiefinnersten Atem , daß es den Kopf der Dirne von seiner Brust wegstieß . » Helen « , stammelte er , » was will ich machen ? - Ich kann mir nit denken , ohne dich z ' sein . - Wenn ich dich doch nähm - « » Für den Fall - eh d ' weiterredst - laß dich bedeuten ! Wie ich jetzt vor dir steh , als ledige Dirn im Unglück , muß ich wohl dein wie jeds Menschen sein Mitleid dankbar hinnehmen ; nähmst du mich aber zum Weib - « sie richtete sich auf , legte ihre Hand schwer auf seine Schulter und fuhr hart und rücksichtslos fort : - » dann verlanget ich , behandelt zu werdn wie jeds anders solchs , und nachdem ich dir offen alles gebeicht und ehrlich gestanden hab , daß du mich unter dein Dach kriegst nit wie sonst der Brauch und auch nit allein , vertraget ich weder , daß du sagest , du hättst mich nur aus Mitleid gnommen , noch , daß du mir ein Vorwurf ausm Vergangenen machest ! « » Ich machet dir auch kein und tät schon rechtschaffen sorgen für dich und für das - andere . « Sie sah ihn mit großen Augen durchdringend an . » Dein Ernst ? « Er nickte und bot ihr beide Hände . Sie schlug ein und sagte kurz und fest : » Es gilt ! « Da aber überwältigte sie die Rührung über die Gutmütigkeit des Burschen , sie drückte seine Rechte an ihr Herz , dann an die Lippen . » Muckerl « , rief sie , » du bist doch mein wahrhafter Helfer in der Not ! Daß du mich so liebhast und vor der Schand errettst , das vergeß ich dir in alle Ewigkeit nit ! « Sie meinte es in diesem Augenblicke gewiß aufrichtig , aber , ach , die kurzlebigen Menschen denken nicht , wie viel an den Ewigkeiten , mit denen sie um sich werfen , oft eine kleine