frischen Grabes sehr leicht veranlaßt werden , die ganze Insel zu durchsuchen , und was noch weit schlimmer war , sie konnten das Grab selbst durchwühlen , um sein Geheimnis zu erforschen . Nein , ein Kreuz durfte Robert nicht befestigen , das sah er ein . Er trat die aufgeworfene Erde herunter und legte Moos auf die Stelle ; dann ging er langsam durch das Gebüsch zurück , oft nur mit Mühe die eingeknickten oder quer über den Weg gelegten . Zweige wiederfindend , an denen er sich vorwärts tastete . Es war fast dunkel , als er sich im Hintergrund der Höhle aus Wolldecken und Segeln ein Lager bereitete , sich darauf ausstreckte und sofort einschlief . Am folgenden Morgen begann er sich einzurichten und einen festen Tagesplan zu entwerfen . Bevor er seine Lage überdachte und seinen Tag , den Verhältnissen gemäß , einteilte , wollte er erst seine Wohnung gemütlich herrichten , erst Ordnung schaffen und aufräumen . Wie lange er die Gastfreundschaft dieser Insel noch in Anspruch nehmen mußte , das ließ sich ja nicht voraussehen , vielleicht war es für sehr lange Zeit , und so wollte sich der Junge auf den schlimmsten Fall vorbereiten . Mohrs Beispiel stand hell vor ihm . Was hatte dieser unglückliche , immer einsame , immer seinen furchtbaren Erinnerungen überlassene Mann mit wahrhaft unerschütterlichem Mut so lange ertragen ! Robert sprach in Gedanken mit ihm . Er wußte , was Mohr gesagt haben würde . » Du bist in diese schwierige Lage ohne dein Verschulden hineingeraten , mein Junge , nun ertrage das Übel wie ein Mann und versuche die beste Seite zu sehen . Darin liegt alle Lebensweisheit , darauf ruht alles Glück und Gelingen . Verzweifle nicht an dem Unabwendbaren , sondern sei immer bemüht , dich den Gegebenheiten anzupassen , - - dann wird alles gut ausgehen . « Mohr hatte während mancher Freiwache , wenn die andern würfelten und Karten spielten , mit dem Jungen über ernste Fragen gesprochen , hatte so manches Gute in Roberts empfängliches Herz gepflanzt , und das alles trug schon jetzt seine ersten Früchte . Ein kurzer Rundblick genügte ihm , sich über seine nächsten Pflichten Klarheit zu schaffen . Nachdem er gefrühstückt und für das Mittagessen ein gehöriges Stück Pökelfleisch in kaltes Wasser gelegt hatte , begann er die Kisten auszupacken und von den Brettern eine feste Wand herzustellen . Nägel und anderes Gerät besaß er ja , ebenso Bindgarn und Segeltuch , daher war die Sache gar nicht so schwierig , besonders weil er sich weder gegen Kälte noch gegen Feinde zu schützen brauchte , sondern nur gegen Regen und Insekten . Robert zimmerte und übernagelte alle Fugen mit Streifen geteerten Segeltuches ; dann machte er auf gleiche Weise eine Tür , die aber nur kriechend zu passieren war und außerordentlich vorsichtig behandelt werden mußte , weil ihr der nötige Eisenbeschlag fehlte . Vor Mittag hatte er diese Arbeit beendet und konnte sich nun als Besitzer eines kleinen , lichtlosen , aber gegen Wind und Wetter geschützten Raumes betrachten . Sinnend und ausruhend saß er vor dem brodelnden Kochtopf , legte sein Gesicht in beide Hände und wartete auf das Garwerden seines selbstbereiteten Mahles , über das er sich dann mit regem Appetit hermachte . Nachdem er gegessen hatte , wählte er sorgfältig aus dem ganzen Vorrat das aus , was gegen Feuchtigkeit am notwendigsten geschützt werden mußte , nämlich Waffen und Pulver , die unentbehrlichen Zündhölzer , Salz , Zucker und Kaffee . Dies alles brachte er in die Höhle , bedeckte es mit mehreren Segeltüchern und baute dann für die Lebensmittel einen zweiten , kleineren Verschlag , den er mit seinen Vorräten füllte und außerdem mit großen Steinen für etwaige Angriffe hungriger Tiere unzugänglich machte . Das Fleisch in der Tonne bedeckte er mit einem Haufen frischer grüner Zweige , um es möglichst lange genießbar zu erhalten . So war gegen Abend für das Notwendigste einstweilen gesorgt , und als sich Robert noch aus Moos und Decken ein bequemes Lager gebaut hatte , setzte er sich vor seiner Hütte auf eine übriggebliebene Kiste und überließ sich seinen Gedanken . Er wollte in Zukunft die erste Hälfte jedes Tages den häuslichen Arbeiten widmen und während der zweiten am Strand Ausguck halten oder die Insel ringsumher untersuchen , um festzustellen , wie groß sie sei , welche Früchte sie trug und was sich von der Jagd erwarten ließ , ebenso wollte er fischen und Krebse fangen , da doch sein Fleischvorrat schon sehr bald der Hitze erliegen würde . Er untersuchte auch das Kistchen mit Pulver und Blei und überzeugte sich , daß für wenigstens hundert Schüsse gesorgt war . Nur eins beunruhigte ihn . Sollte er am Strand ein Notsignal befestigen oder nicht ? - Die spanischen Bukanier , ohne Zweifel Räuber , die unter der Maske harmloser Fischer die gefährlichsten Eigenschaften verbargen , wohnten jedenfalls in der Nähe und mußten schon sehr bald seine Flagge bemerken . Was dann geschah , ließ sich mit ziemlicher Gewißheit voraussehen . Und doch war für ihn auch wieder dieses gefährliche Notzeichen die einzige Hoffnung , von der Insel erlöst zu werden . Hier landete kein Schiff , hierher kam niemand freiwillig , das wußte er recht gut . Aber wenn er eine der höchsten Königspalmen erkletterte - und er hatte es bereits versucht , es gab schlanke Stämme , die er umfassen konnte - dann ließ sich das Zeichen noch immer geben , sobald ein Schiff in die Nähe kam . Es fanden sich unter den Waffen zwei sechsläufige Revolver , mit denen jedenfalls die Aufmerksamkeit vorüberfahrender Schiffe leicht zu erwecken war ; das tröstete ihn sehr . Nachdem er den Entschluß , keine Notflagge zu setzen , einmal gefaßt hatte , wurde ihm leichter ums Herz . Er wußte nun , was jeder Tag bringen würde , und nahm sich vor , schon morgen einen größeren Ausflug zu machen . Vorher aber wählte er in nächster Nähe