von der er nicht wünschte , daß ich sie durch einen Andern erführe ; ich habe ihm auf demselben Wege geantwortet , daß ich es nun doch bereits durch einen Andern erfahren habe und daß ich ihn um seiner und um meiner Ruhe willen bitte , keinen Versuch zu machen , sich mir zu nähern . Dies ist Alles und wird für immer Alles sein . Ich habe nicht die Gewohnheit , von denen , welche mich lieben , zu verlangen , daß sie mir ihre Zukunft , ihre Existenz zum Opfer bringen . Und das wäre hier der Fall . Jener Mann kann ohne Einwilligung seines Vaters keine Verbindung eingehen , und mein Vater hat dafür gesorgt , daß diese Einwilligung nie erfolgt . Er ist erst frei nach seines Vaters Tode . Darüber können Jahre vergehen . Er soll mir nicht einmal diese Jahre zum Opfer bringen . « » Und er nimmt das Alles an , « rief ich empört ; » er entsagt nicht lieber seinem Titel und seinem Erbe , als daß er auf Sie verzichtet ? Er läßt sich nicht eher in Stücke zerreißen , als daß er Ihnen entsagte ? Und dieser Mensch besitzt Millionen und nennt sich ein Fürst ! « » So wissen Sie , wer er war ? « sagte Konstanze , indem sie , wie es schien , heftig erschrak ; und dann setzte sie mit Bitterkeit hinzu : » Aber freilich , wie sollten Sie nicht ! Sie sind ja der Vertraute meines Vaters , dem Sie jedenfalls das Abenteuer sogleich pflichtschuldigst berichtet haben . « » Ich habe gegen Niemand jenes Vorfalls Erwähnung gethan , « rief ich , » ebenso wenig , wie Herr von Zehren jemals den Namen des Fürsten in meinem Beisein über die Lippen gebracht hat . « » Bedarf es denn des Namens ? « sagte Konstanze . » Man kann ja wohl auch , ohne Namen zu nennen , sehr deutlich sein . Aber , was er Ihnen auch gesagt haben mag , das hat er Ihnen gewiß nicht gesagt , daß Carlo und ich uns verlobt hatten , daß die Verbindung einzig und allein durch seine Schuld nicht zu Stande gekommen ist , daß er mein Glück rücksichtslos geopfert hat , um einer hochmüthigen Laune willen , um sich an dem Vater meines Verlobten auf unsere Kosten rächen zu können ; und daß er , weit entfernt , mir für die glänzende Zukunft , um die er mich betrog , eine auch nur erträgliche Gegenwart zu bieten , das Leben mir täglich und stündlich zu einer Qual macht . Er hat meine Mutter getödtet , er wird mich auch tödten . « » Um Gottes willen , sprechen Sie nicht so , « rief ich . » Dies Leben ist kein Leben , ist schon Tod , schlimmer als der Tod ; « murmelte sie , indem sie den Kopf auf die Platte des Tisches sinken ließ . » So lieben Sie ihn immer noch , der Sie verrathen hat , « sagte ich . » Nein , « erwiederte sie , indem sie sich aufrichtete , » nein ! ich sagte Ihnen schon : so ist es und so muß es für immer bleiben . Ich habe frei und ganz verzichtet . Ich bin zu stolz , mein Herz - das ist Alles , was ich habe - hinzugeben , wo man mir nicht sein Alles giebt . Und , Georg , kann man mehr geben , als sein Herz ! « Ich wollte erwiedern : » Dann haben Sie mein Alles , Konstanze ; « aber ich konnte keinen Laut über die zuckenden Lippen bringen , konnte sie nur ansehen mit einem Blicke , in welchem gewiß mein ganzes Herz lag - das volle , thörichte , von guter , närrischer , treuer Liebe überfließende Herz eines Neunzehnjährigen . So drückte sie denn meine Hand und sagte : » Guter Georg . Ja , ja , ich will , ich muß es glauben , daß Sie es gut meinen . Und nun , da wir uns ausgesprochen haben und wieder gute Freunde sind , lassen Sie uns nach dem Hause gehen , wo meine alte Pahlen mich mit dem Frühstück erwartet . « Sie war auf einmal wieder in den Ton gefallen , mit welchem sie die Unterredung begonnen hatte , und in demselben Tone fuhr sie fort : » Gehen Sie heute auf die Jagd ? Gehen Sie gern auf die Jagd ? Ich bin früher auch wohl einmal mit gewesen , aber das ist lange , undenklich lange her . Ich soll früher eine gute Reiterin gewesen sein und glaube , ich könnte nicht mehr im Sattel sitzen . Ich habe Alles verlernt , besonders , wie man es anfängt lustig zu sein . Sind Sie immer lustig , Georg ? Ich höre Sie manchmal des Morgens so prächtige , muntere Lieder singen ; Sie haben eine schöne Stimme . Sie sollten mich Ihre Lieder lehren ; ich weiß nur traurige Lieder . « Wie reizend ich dies Geplauder fand ! Aber wie mich in der letzten Zeit ihre Ungnade stumm und scheu gemacht hatte , so übte jetzt die unerwartete Güte , mit der sie mich überschüttete , dieselbe Wirkung aus . Ich ging mit einem halb verlegenen , halb glücklichen Lächeln neben ihr her um den großen Wiesenplatz herum nach dem Hause zu , wo wir uns , an ihrer Terrasse angelangt , trennten , nachdem sie mir nochmals die Hand gedrückt hatte . Mit drei Sätzen sprang ich die steile Treppe hinauf , öffnete mit Ungestüm die Thür zu meinem Zimmer und blieb einigermaßen erschrocken auf der Schwelle stehen , als ich Herrn von Zehren in dem großen Lehnstuhl am Fenster sitzend fand . Er wandte den Kopf halb um und sagte : » Sie haben mich lange warten lassen , ich sitze hier schon eine gute Stunde . « Das war nicht