schon vor dem ersten Hindernisse jämmerlich ab . Das waren keine Männer ; einen Mann aber wollte sie nun an ihrer Seite wissen , der sie schützen und jeden Angriff von ihr abwehren konnte . Als Jos sie mit seinem Spotte erröten machte und der Heuer rat- und tatlos neben ihr sitzen blieb , da hatte die Stolze es einmal ganz durch und durch empfunden , wie wehrlos ein Mädchen neben dem aus Armut und - Gemeinheit herausgewachsenen , vielleicht schuldbewußten Vater steht . Ja , er hatte recht , dieser Vater , sein stolzes Gebäude mußte stürzen , wenn sie ihm nicht das schützende und bindende Dach aufsetzte . Und sollte sie das nicht von Herzen gern , um in alle Zukunft froh und sicher wohnen zu können ? Wie sie doch einmal so an Hansjörg hatte kommen können ? Man hatte geredet , gelacht , nach und nach die gleichen Ansichten bekommen und sich aneinander gewöhnt , man wußte selbst nicht wie . Es war eben gefährlich neben so einem berechnenden Burschen , gerade wie jetzt für Hansen neben dessen Schwester . Freilich verriet Dorothee durch ihr Weglaufen von Hansen eine Neigung für den ehemaligen Schneider , aber Zusel erfuhr ja an sich selbst , wie wenig derlei launenhaften Spielereien zu trauen sei . Wohin konnte der leichtsinnige Hans nicht von dem Mädchen noch gebracht werden , wenn erst Hansjörg wiederkam und den Ratgeber machte ! So einfältig , als sie sonst wohl geglaubt , war Hans jedenfalls nicht , das hatte sie aus der mehrstündigen Unterhaltung mit ihm erfahren ; aber schwach war er , und besonders der Magd gegenüber recht schwach , sonst würde er sie , die ihm so schmählich davonlief , schon am Tage nach der Kirchweih aus dem Dienste geschickt haben . Freilich suchte sie sich zu bereden , daß das eben nur seine Gleichgültigkeit verrate , aber es wollte nicht recht gehen , und Zusel , die nun siegen mußte um jeden Preis , nachdem sie einmal angefangen hatte , ließ die beiden bald auch durch andere in und außer dem Hause auf Schritt und Tritt beobachten . Wer sucht , der findet . Das gilt auch von einem Menschenpaar , dem man einmal ein Liebesverhältnis zumutet , und gilt besonders , wenn die Beobachter und Beobachterinnen für jede Mitteilung reichlich belohnt werden . Zusel bekam bald jeden Abend Bericht und arbeitete sich so immer tiefer in die Sache hinein . Bald vermochte sie Hansen , den sie jedesmal sah , wenn er mit Sense oder Rechen vorüberging , bei weitem nicht mehr so unbefangen etwas Witziges nachzurufen als in den ersten Tagen nach der Kirchweih . Später hatte sie nur noch ein scheues » Guten Morgen « für ihn , und wenn er sie dann erstaunt , fragend ansah , so gab ihr das aufs neue zu denken , weil sie dadurch etwa eine der schon von jemand gemachten Beobachtungen bestätigt wähnte . Nachdem das letzte Heu beim Krämer glücklich untergebracht war , verkehrte das Mädchen fast nur noch mit Leuten , welche von Stighansen redeten . Dadurch gewannen die unbedeutendsten Reden und Handlungen des guten Burschen in den Augen der Zusel eine Wichtigkeit , daß man davon leicht auf eine starke geheime Neigung schließen konnte . Es war auch ganz natürlich , daß das von den zum Aufpassen Bestellten bald genug geschah . Sie vermochten aber das viel eher geheimzuhalten als das , was sie an Hansen und Dorotheen beobachteten oder dem Beobachteten unterlegten . Auf einmal kamen über Hansen und seine Magd die sonderbarsten Gerede ins Dorf . Kein Mensch wußte , woher , denn sie waren überall auf einmal , und Zusel fand , freilich durch ihre Veranlassung und Schuld , nun allgemein bestätigt , was sie geahnt und gefürchtet hatte . Es war schrecklich , daß das Mädchen nicht nur den unschuldigen , unerfahrenen Burschen an die Ketten der Sünde zu schmieden und daran festzuhalten wußte , sondern selbst die alte Stigerin blind und taub zu machen verstand . Durch solche Mittel und auf solchen Wegen sollte der stattliche Hof , auf dem redliche , sittenstrenge Väter in Gottesfurcht walteten und alles zusammenhielten , nun einer herabgekommenen Freundschaft zufallen ? So ging es jetzt hin und her , daß Zusel , der das immer einen Stich gab , beinahe zur Verzweiflung gebracht wurde . Auch der Krämer hörte solches Gerede gar nicht gern . » Die altbackene , fromme Dorothee « , meinte er , » wäre selbst nie so gefährlich als dieses Geschwätz , das Hans und vielleicht sogar auch die alte Stigerin nur für den Lärm der Neidestrommel halten . Wenn das geschieht , dann freilich kann aus der kindischen Liebelei etwas Großes werden . « » Da sieht man ' s « , klagte Zusel , » auch du glaubst an diese Liebelei ! « » Oh , die nur ist nicht gefährlich « , lachte der Krämer , » und besonders dir nicht . « Und das errötende Kind mit wohlgefälligem Lächeln betrachtend , fuhr er nach einer Pause schmeichelnd fort : » Gefährlich hätte dir nur eine werden können , und die bist du selbst mit deinem trotzigen , leidenschaftlichen Sinne . Seit ich diese eine nicht mehr fürchten muß , fürchte ich gar nichts mehr . Wenn du nur nichts verdirbst , dann muß es gehen , auf diese oder jene Art. Die alte , geldgierige Stigerin ist auch noch da , und Hans wird müssen , wenn er nicht will . « » Aber ich will nicht und muß nicht , wenn es so klingt « , sagte Zusel entschieden . » Alles wär ' mir wie Gift und Messer , was nur so gezwungen käme . Die Zusel ist zu stolz , um sich einen Liebhaber hur so gleich einem Gefangenen zuführen zu lassen . Selbst , freiwillig soll er kommen - oder gar nicht . « Der Krämer , dem der Erfolg immer die Hauptsache und das einzige