Art angefüllt ist , wie ein Ei voll Dotter , im Uebrigen aber so unwissend und hülflos , wie ein Küchlein , das eben aus der Schale kroch . Daß ich Theologie studirte , stand natürlich für mich so fest , als daß ich einmal sterben müßte . Söhne von pensionirten Hauptleuten werden in ' s Cadettencorps gesteckt , und Söhne von armen Landpastoren in ' s theologische Seminar geschickt : das ist so selbstredend , wie irgend ein anderes Stück der Naturgeschichte . - Wohl ; ich studirte also Theologie , das heißt , ich ging fleißig in ' s Colleg und schrieb ganze Wagenladungen voll der abstrusesten Gelehrsamkeit . Im Uebrigen setzte ich so ziemlich mein Leben so fort , wie ich es von der Schule gewohnt war , selbst mein Dachstübchen hatte ich behalten und Privatstundengeben war mein Erwerbsquell nach wie vor , um so mehr , als jetzt einer meiner jüngeren Brüder bei mir lebte , dem ich das kleine Stipendium , das ich von der Universität erhielt - Sie wissen , daß in Grünberg ein Student ohne Stipendium eine rara avis ist - überließ , sowie die Freitische , die ich jetzt entbehren konnte , da die Caravanserei des Convicts mir ihre gastlichen Thore geöffnet hatte . So verging das Triennium in etwas monotoner , aber nicht unbehaglicher Weise . Ein Tag sah so ziemlich aus wie der andere ; nur der Mittwoch hatte für mich eine etwas finstere Physiognomie , weil es an demselben Erbsen mit Schweinefleisch im Convict gab , ein Gericht , an das ich mich , trotz meiner liberalen Grundsätze in dieser Beziehung , niemals haben gewöhnen können . Ich mußte jedesmal , wenn die Schüssel zu mir kam , an die schönen Sommermorgen denken , die ich im Eichwalde zugebracht hatte , wenn mein Eumaeus posthumus seine Heerde weidete , und ich die Eclogen des Virgil dazu las ; und dann blieb mir der Bissen im Munde stecken . Sie werden das wahrscheinlich sehr sentimental finden , aber es hat ja Jeder seine Schwächen . - Vom Leben sah ich während dieser Zeit ungefähr so viel , wie ein Kameel in der Menagerie von der Wüste . Mein Umgang war äußerst beschränkt , er richtete sich wesentlich nach meinen Mitteln ; wie ich denn überhaupt glaube , daß zwischen diesen Beiden eine Art Wechselverhältniß stattfindet ; wenigstens bemerkte ich , daß die wohlhabenderen Studenten immer heerdenweise angetroffen wurden , während die ärmeren einzeln durch die Gassen schlichen ! Ich weiß nicht , ob das im Leben auch so ist . Vor diesen wohlhabenderen Studenten - denn es giebt deren selbst in Grünwald , und in meinen Augen war ein Jeder , der einen sicheren Wechsel von fünfzig Thalern jährlich hatte , ein Krösus - empfand ich übrigens allen möglichen Respect . Diese schnurrbärtigen , gestiefelten Kater erschienen mir als sehr absonderliche Geschöpfe Gottes , und ich konnte nie recht begreifen , wie eine , doch sonst auf die Ruhe ihrer Unterthanen so eifersüchtige Regierung , sie in ihrer ganz uncivilisirten Freiheit umher laufen lassen könne . Ich muß gestehen , daß ich die drei Jahre hindurch in einer beständigen Furcht vor einer Herausforderung lebte . Nicht , als ob es mir an persönlichem Muth gebräche ! Ich habe glücklicherweise hernach ein paar Mal im Leben Gelegenheit gehabt , mich vom Gegentheil zu überzeugen ; ich fürchtete nur die Schiefheit der Lage , in die ich mich bei einer solchen Eventualität versetzt sehen würde . Den ganzen sogenannten Comment hielt ich nämlich von jeher für den abominabelsten Unsinn , verderblich für die Gesundheit , viel verderblicher aber noch für die Moral , denn er zwingt die jungen Gemüther ihr eigenes Denken und Fühlen heroisch dem Moloch eines barbarischen Ehrbegriffs , der lächerlichsten Carricatur eines Codex der Moral , der je erfunden ist , zu opfern , und gewöhnt sie auf diese Weise systematisch an jenes blinde , katholische Gehorchen , welches mir die eigentliche Sünde gegen den heiligen Geist zu sein scheint . Ich weiß nicht , ob wir hierin einer Ansicht sind , Herr Collega ? Vollkommen , antwortete Oswald . Und nun rechnen Sie zu den Uebelständen dieses modern-mittelalterlichen Studentenlebens , daß die Jünglinge gerade in einer Zeit , wo der Mensch am empfänglichsten ist für die Eindrücke der Außenwelt , sich hermetisch in ihrer leidigen Kneipe abschließen , anstatt die gute Gesellschaft aufzusuchen , die ihnen den Schliff geben könnte , der ihnen wahrhaftig so sehr fehlt , daß sie in den Jahren , wo selbst später sehr bornirte Aristokraten für Freiheit schwärmen , sich der exclusivesten Exclusivität befleißigen , und in dem Glanz ihrer bunten Kappen und kindischen Troddeln noch verächtlicher auf den Philister herabsehen , als der Gardelieutenant auf den Civilisten ; daß sie in der Periode , wo sie anfangen sollten , sich als Mitglieder eines großen Ganzen , als angehende Bürger zu fühlen , anfangen , einen Staat im Staate zu errichten : so haben Sie wahrlich beisammen , was einem nur halbwegs verständigen Jüngling den Geschmack an solchem albernen Studentenleben gründlich verleiden könnte . Ja , sagte Bemperlein , und es ist ganz auffallend , wie lange der Rausch , den sich die jungen Leute während ihrer glorreichen Studentenzeit trinken , anhält . Da ist hier in der Nähe unser Landrath - ein Herr von Sylow , ein Mann von vierzig Jahren - der seit mindestens zehn Jahren verheiratet ist . Gestern nun , als ich mit Julius dort meinen Abschiedsbesuch machte - die Kinder sind von jeher sehr viel zusammen gewesen - kam der Landrath nach dem Abendessen auf seine Universitätszeit zu sprechen , und gab uns , das heißt seinem Hauslehrer und mir , einen Abriß seiner studentischen Heldenthaten . Glücklicherweise war mein College seiner Zeit ein flotter Bursch in Halle gewesen , und konnte dem Landrath auf seine Fragen über den heutigen Stand des Comments die nöthige Auskunft geben . Und nun hätten Sie den edlen Herrn sich sollen ereifern