Priestern freie Männer zu Dienern hat , welche nicht zu beugen und nicht zu knechten und nicht in armselige Abhängigkeit von irdischer Macht hinein zu ängstigen sind . Den Männern des modernen freien Denkens sind solche Männer des freien Willens verhaßt und zwar deshalb , weil diese mit ihrer unverwüstlichen Selbstständigkeit in dem unverwüstlichen Fundament des Glaubens an eine geoffenbarte Religion wurzeln , ein Fundament , welches von jenen gerade bestritten , geleugnet , bekämpft wird , nicht gelten soll , nicht da sein soll , und dennoch sich nicht hinweg räsonnieren und revolutionieren läßt . Der ärmste und verlassenste Priester in dem ärmsten und entlegensten Dörfchen macht durch sein schlichtes Dasein alle Theorien falscher Wissenschaft zu Schanden . Er lebt ein übernatürliches Leben , dessen Quell und dessen Ziel der Gottmensch Christus ist , wie der Glaube ihn offenbart , und das ohne diesen ganzen , vollen , gewaltigen Glauben nicht gelebt werden kann . Wer nun dies himmlische Prinzip leugnen will , der wird ungemein in seinen Theorien gestört , wenn er dasselbe in voller Triebkraft wirksam sieht . Was bleibt ihm übrig ? Von zwei Dingen eines ; entweder die Verleugnung aufgeben , das himmlische Prinzip anerkennen und sich unterwerfen ; oder es hassen , wie nun einmal die Finsternis das Licht und Belial - Christus hassen muß , muß - weil das Böse , die freiwillige Abwendung vom Guten , den Haß des Guten in sich schließt . So lange noch ein frommer Priester auf der Welt ist , der mit reiner Hand das ewige Opfer darbringt , fühlt sich der Unglaube als Lüge gebrandmarkt . Daher seine Neigung , den Priesterstand zu verdächtigen , zu unterdrücken , zu verfolgen , wo möglich zu ersticken und auszurotten . Dazu ist ihm jedes Mittel willkommen , wie eben die Umstände es gestatten ! Bald wird er verleumdet , bald lächerlich gemacht , bald guillotiniert . Dazwischen sucht man ihn durch heuchlerisches Mitleid zu gewinnen und ihm das Bild eines Familienvaters als höchstes Ziel alles Glückes hienieden vorzuhalten , damit er von selbst versinke in die Niedrigkeit der Leidenschaften und in die Gemeinheit des Alltagslebens . « » Bester Onkel , es gibt in anderen Religionsgesellschaften äußerst achtbare Männer unter den Geistlichen und sie leben , mit wenigen Ausnahmen , sämtlich im Ehestande . « » Lieber Damian , wir sprechen aber nicht von anderen Religionsgesellschaften , sondern von dem Priesterstand der heiligen katholischen Kirche , dem unser Hyacinth sich anschließen will . Außerhalb der Kirche wird , wie Du weißt , nirgends die Feier unserer heiligen Geheimnisse des Altars begangen , nirgends in heiliger Messe das unblutige Opfer , diese Fortsetzung jenes blutigen auf Golgatha , in lebendiger Wesenhaftigkeit dargebracht . Wo das Opfer fehlt , kann es keinen Priesterstand geben , denn der Priester ist eben der unmittelbare Darbringer des Opfers . Was also außerhalb der Kirche geschieht oder nicht geschieht , ist für uns nichts weniger als maßgebend , denn sonst könnte man Uriel mit dem Vorschlag der Vielweiberei beglücken wollen , welche die Sekte der Mormonen lehrt , was Dir nicht sehr wünschenswert im Hinblick auf Regina erscheinen würde . Also was draußen geschieht , lassen wir auf sich beruhen . Aber wir , wir haben das heilige Opfer und dies Opfer ist das Lamm Gottes und der Darbringer dieses Opfers ist der Priester , der glückselige , der begnadete Priester , der täglich in die unmittelbare Vereinigung mit dem Allerheiligsten eingeht , in seiner Hand den heiligen Fronleichnam hält , mit seinen Lippen ihn berührt , in seinem Herzen ihn aufnimmt . Lieber Damian , für einen solchen Priester ziemt es sich wohl , sollte ich meinen , daß er im Heiligtum bleibe , die Kraft und Wärme seines Herzens dem Dienste seines göttlichen Meisters widme und die Behaglichkeit des häuslichen Herdes denen überlasse , die ihm den Altar überlassen haben . « » Gott hat auch den häuslichen Herd durch das Sakrament der Ehe zu einer heiligen Stätte erhoben , « wendete der Graf ein . » Das ist schon wieder eine Verteidigung , wo kein Angriff geschah , « erwiderte Levin lächelnd . » Du wirst mir nicht zutrauen , daß ich die heilige Berechtigung des häuslichen Herdes unterschätze . Aber ich muß abermals sagen : wir sprechen vom Priester . Die Kirche zwingt niemand geistlich zu werden und geht nicht voreilig bei der Aufnahme zu Werk . Sie sagt dem Adspiranten : Überlege und besinne dich . Sie erteilt ihm die niederen Weihen und sagt abermals : Prüfe dich , denn du kannst noch umkehren , und lockt dich die Welt , so wende dich ihr zu . Hat er sich aber entschieden und ist er in ' s Heiligtum eingetreten , so verlangt sie , daß er in demselben so diene , wie er gewußt hat , daß er dienen müsse : frei von jenen Leidenschaften , die das , was am Höchsten im Menschen ist - seine Liebe , zu Gunsten dessen , was am Niedrigsten in ihm ist , in Sklaverei bringen . Nun wirst Du mich gewiß verstehen , wenn ich wiederhole , was ich vorhin sagte : für den Priester wäre die hausväterliche Existenz ein Versinken in Erniedrigung , denn er würde himmlische Verpflichtungen aufgeben , um irdische einzugehen ; ein göttliches Joch , das Christus mit ihm trägt , abwerfen , um ein menschliches anzunehmen . Er steht nun einmal am Altar , d.h. um ein paar Stufen höher als die Weltlichen . Was bedeutet das ? Glaubst Du etwa , das bedeute , daß er auf sie herab blicken und sich um so viel höher schätzen soll ? O nein ! es bedeutet das , was er täglich in der heiligen Messe betet : Sursum corda ! Empor die Herzen ! empor du mein glückseliges Herz und reiße alle die , welche auf dich als ihren Hirten sehen , mit dir aufwärts zu Gott , der dich in seine gnadenvolle Nähe gestellt hat