nicht unendlich Wichtigeres mit ihnen ! Aber dennoch sind Sie ungerecht , wenn Sie glauben , daß die Dynastie von dieser Hingebung allein zehren will . Ich hoffe doch , sie strebt nach der Befestigung durch jene tiefer wirkenden Hebel der Industrie , des Handels , der Ackerbauerleichterungen . Freilich auf gewöhnlichem Beamtenwege wird hier nichts bewirkt . Solange nicht die Arbeit selbst an den Thron für sich redend tritt und die Bureaukratie aufhört , der Dolmetscher der Interessen der Arbeit zu sein , kann es nicht besser werden . Es fehlen uns Staatsmänner , die ihre Schule im Volke gemacht haben . Dankmar fühlte sich durch die Ideen seines Reisegefährten oft so angezogen , daß er sie für die seinen erkannte , oft aber auch wieder ganz von ihnen abgestoßen . Er schwieg eine Weile und überlegte das Gesagte . Als ihn darauf der Fremde ersuchte , anzugeben , wie er sich ' s denn möglich dächte , jenen Geist der eitlen ehrsüchtigen Selbsterniedrigung in der Monarchie zu dämpfen , antwortete er : Dadurch , daß man diesen falschen und unwürdigen Royalismus auf seine wahren Quellen zurückführt , die Quellen der Eitelkeit und der speculirenden Selbsterhaltung . Denn leider auch deshalb wird jetzt ein so übertriebenes Spiel mit monarchischen Formen getrieben , weil man einen Damm sucht gegen die drohenden Fluten der allgemeinen Zerstörung , gleichviel aus welchem Material gebaut . Ehrlich sind unter den Reubündlern nur Die , welche sich einbilden , vom Glanz der Monarchie falle etwas auf sie selbst , und unehrlich alle Die , welche zum Royalismus aus Angst für ihr Eigenthum flüchten oder die sich , wie dieser Schlurck , vor dem Auffallenden fürchten und der Mode folgen , weil sie Mode ist . Es muß Etwas erfunden werden , mein ' ich , was das Individuum vernichtet , ohne die Person zu zerstören . Das ist ein tiefes , aber dunkles Wort ! unterbrach ihn der Fremde . Das Individuum vernichten , ohne die Person zu zerstören ? Wir müssen , erläuterte Dankmar , eine andere Gleichheit predigen als z.B. die der Volksversammlungen . Gleichheit mit dem Pöbel ist die Sehnsucht der Denkenden nimmermehr . Gleichheit der Ansprüche auf die große Ehre , die in einem Allgemeinen , uns Alle Bindenden liegt , Ehre , zurückstrahlend auf Alle von einem Begriff aus , der Ehre verdient , da ist Etwas zu suchen , zu erfinden , was uns rettet vor dem Rückfall in die Barbarei , daß wir aus Furcht vor Revolutionen der Anbetung des Bestehenden verfallen . Als Schlurck ' s Name genannt wurde , erwachte Hackert . Die beiden Andern schwiegen , und die Nothwendigkeit , dem Pferde einige Ruhe zu gönnen , trennte vor einem am Wege gelegenen Wirthshause auf einige Zeit die drei Gefährten . Als der Fremde , um nach einem Mittagsimbiß zu fragen , ins Haus getreten war , winkte Hackert Dankmarn und zeigte ihm ein Taschentuch , das Jener hatte liegen lassen . Mit geheimnißvoller Miene bedeutete er ihn näher zu treten und hielt ihm verstohlen den Zipfel des Tuches hin . Es war sehr fein eine Krone mit dem Zeichen 100 und dem Buchstaben E darin gestickt . Das heißt , sagte Hackert , der Mensch , von dem er dieses Taschentuch gestohlen , hatte deren hundert , war mindestens kein Tischler und fängt in seinem Vornamen mit einem E an . Oder es gehört ihm wol selbst , sagte Dankmar . Das ist auch möglich , antwortete Hackert trocken und rief einen Knecht , für das Pferd zu sorgen . Dann knöpfte er sich den Rock zu , streifte Beinkleider und Rockärmel glatt und benahm sich affectirt genug wie ein Gentleman . Schneiden Sie kein so schlimmes Gesicht ! sagte er zu Dankmar ; jetzt , wo wir Hohenberg näher kommen , wird ' s mit meinem Fahren freilich nicht mehr viel werden . Wenn Sie indessen in Ihrem eleganten Costüm fahren , weiß man , daß Sie es nicht nöthig haben und es nur aus Vergnügen thun . Wenn ich es aber thue , so sagt jede Canaille , Das wäre mein Beruf . Wenn wir in Hohenberg sind und Sie leichten Herzens , aber schwerer im Wagen mit Ihrem Schrein zurückfahren , so sag ' ich Ihnen , warum das Alles so sein muß , wenn Sie nämlich Lust haben , es zu hören . Es ist eine verkehrte Welt , meinte Dankmar kopfschüttelnd nachgiebig und steckte das Tuch zu sich . Wir wollen sehen , ob wir da auch Etwas zu essen finden . In der Wirthsstube trafen sie einen Jäger . Ein stattlicher Fünfziger , wie es schien . Seine Jagdtasche hing ihm mit langen Troddeln um die Schultern . Sein grauer Rock mit grünen Aufschlägen war von leichtem Sommerzeug und wohlerhalten . Das gebräunte mit fuchsrothem Barte umschattete Antlitz trug einen unverkennbaren Ausdruck offenster Ehrlichkeit und treuherzigsten Vertrauens . Seine großen wasserblauen Augen grüßten die Ankömmlinge ebenso freundlich , wie er schon unterhaltend und unterhalten im Verkehr mit dem schöngewachsenen jungen Mann in der Blouse war . Eine Menge kleiner Kinder tobten um ihn her , spielten mit seinem Hunde , zupften an den Troddeln und dem Netzwerk seiner Jagdtasche und während er mit der Blouse , ja schon mit Dankmar und Hackert sprach , ging er doch dabei zu gleicher Zeit freundlich auf die Scherze der Kinder ein , die er hinterwärts mit den offen gelassenen Fingern haschte und neckte . Sie sind hier im Gelben Hirsch ! erklärte er den Ankömmlingen . Ihr Mittagsmahl müssen Sie nehmen , wie Sie ' s finden . He da , Lenchen ! Jungfer Drossel ! Ein junges hübsches Mädchen , die die Wirthstochter schien , brachte schon für den jungen Mann in der blauen Blouse einige Teller von ihrem eigenen Mittagsmahle . Nun mußte aber auch noch genug für die beiden Andern da sein . Ja , sagte der Jäger , wenn der Drossel nicht immer im Busch säße und