sie leise . - » Geliebter ! warum fliehst Du mich ? « - Vielleicht war es nur im Traume , ohne Bezug und deutungslos . Und dennoch veränderte sich der Ausdruck in Landsfelds Gesicht ; ein freudiges Lächeln erheiterte seine düsteren Züge . » Diese Qual soll enden « - sagte er halblaut theils zu sich , theils zu Lydia . - » Ja , Lydia , ich werde Dich nicht mehr fliehen . Denn ich glaube an Dich mit voller Brust , in tiefster Seele . - Nein , unter diesem schönen Busen kann kein unreiner , kein falscher Gedanke geboren werden . « Er hatte wie in Selbstvergessenheit bei diesen Worten die Hand auf ihr Herz gelegt . Sie zuckte einen Augenblick zusammen . Dann zog ein lächelndes Erröthen über ihre Wangen und Lippen . » Ich wußte es ja « - sprach sie im Schlafe fort - » Du konntest mich nicht verlassen . « Landsfeld war niedergekniet und drückte einen Kuß auf ihr Herz . Dann stand er leise auf , hob die herabgefallene Decke vom Boden und breitete sie leicht über den schönen Körper der holden Schläferin . Auch den herabgesunkenen Arm legte er vorsichtig auf die Decke und verließ dann , nachdem er noch einen Kuß auf ihre Stirn gedrückt hatte , eben so behutsam , als er gekommen war , das Zimmer . - Rasch verzehrte er sein Frühstück und eilte , als ihn Carl benachrichtigte , daß Alles bereit sei , hinunter . Es war ein kalter , aber heller Dezembermorgen , obgleich die Sterne noch an dem tiefblauen Himmel funkelten . Landsfelds Schritte knarrten auf dem festgetretenen Schnee , welcher sich über Nacht mit einer leichten , frischen Flockenschicht bedeckt hatte . Er schwang sich auf ' s Pferd und ritt , gefolgt von seinem Diener , dem Anhaltischen Thore zu . » Hier ist ein Brief vom gnädigen Herrn , Lydchen « - sagte die alte Gertrud , als sie einige Stunden später in das Zimmer ihres geliebten Pflegekindes trat , die eben die Augen aufgeschlagen . » Gieb schnell « - sagte diese , mit der Hand sich über das vom Schlaf geröthete Gesicht fahrend - » was mag er mir schreiben ? Er ist wohl schon lange fort , Gertrud ? « - fragte sie , mit dem Eröffnen des Briefes beschäftigt . » Was schreibt er Dir denn , Lydchen ? « fragte die neugierige Alte . » Daß er erst spät wiederkommen werde , wahrscheinlich erst morgen . Ich möchte mich deshalb nicht ängstigen und die Zeit benutzen , einige Besuche zu machen , die ich mir schon lange vorgenommen . Sonst nichts von Bedeutung . Was macht die Mutter , Gertrud ? hat sie gut geschlafen ? - Ich will gleich hinüber zu ihr . Wir wollen zusammen frühstücken . « Gegen Mittag , als Lydia mit ihrer Mutter plauderte , trat Gertrud wiederum mit einem Briefe in der Hand , der abermals an ihre junge Gebieterin gerichtet war , herein . » Er ist von Theresen « - sagte die letztere , zu ihrer Mutter gewendet . Sie durchflog das , wie es schien , eilig geschriebene Blatt und sagte dann : » Sie bittet mich , heute nach Potsdam zu kommen . Sie sei unwohl und sehne sich sehr nach mir . - Was soll ich thun , liebe Mutter ? Das geht doch unmöglich ; auch habe ich seit gestern alle Lust verloren , unser früheres Freundschaftsbündniß zu erneuern . « Auf die Frage der Forsträthin , was der Grund dieser plötzlichen Kälte sei , erwiederte Lydia ausweichend und im Allgemeinen , sie habe ihr gar nicht mehr gefallen ; denn sie konnte sich aus einer ihr selbst unerklärlichen Scheu nicht überwinden , ihrer Mutter das Gespräch mitzutheilen , dessen Anfang sie sogar ihrem Gatten nur mit großer Selbstüberwindung erzählt hatte . » Glaubst Du denn , daß es Landsfeld nicht angenehm sein würde , wenn Du allein hinführest ? « fragte die Forsträthin . » Du kannst ja Gertrud mitnehmen . « » O , ich fürchte mich nicht , liebe Mutter . Und Richard hat mich ja selbst zu Besuchen aufgefordert . Auch schreibt mir Therese , daß am Bahnhofe ihr Wagen mich erwarten werde , und daß sie darauf rechne , daß ich die Nacht bei ihr bleiben werde . Aber gerade das möchte ich nicht gern . « » Ich sehe wirklich keinen Grund , warum Du diese freundliche Bitte ablehnen willst , liebes Kind . Ich bin ganz wohl , wie Du siehest , Landsfeld kommt auch erst morgen . « - » Wahrscheinlich « - verbesserte Lydia . » Nun , das heißt wohl diesmal so viel als bestimmt . Es ist auch nicht gut möglich , daß er nach einer ermüdenden Jagd noch den weiten Ritt nach Hause macht , und nicht lieber auf dem Gute seines Freundes bleibt , der ihn eingeladen . « Lydia gab zuletzt der Ueberredungskunst der Mutter nach und fuhr in Begleitung Gertruds nach dem Potsdamer Eisenbahnhofe , ohne eine tief verschleierte und in einen Pelz gehüllte Dame zu bemerken , die ihr mit ängstlicher Sorgfalt auf dem Fuße folgte , und , nachdem der Zug in Potsdam angelangt war , schnell ausstieg und ohne erst zu suchen , auf eine der eleganten Equipagen zuging , welche auf dem Bahnhofe hielten . Sie pochte darauf dreimal an das herabgelassene Seitenfenster des Wagens , worauf es von Innen herabgelassen wurde . » Ist sie da ? « - fragte eine männliche Stimme . » Ja , - aber nicht allein , « war die Antwort . » Steigen Sie schnell aus . « » Nicht allein ? doch er nicht ? « » Nein , ein altes Weib . - Ich sehe sie eben auf den Perron treten . Beeilen Sie sich ! « Der Mann war indeß ausgestiegen und befahl dem Kutscher vor dem Perron vorzufahren , während er