Wald schien mir wärmer ; darauf waren meine Betrachtungen beschränkt . Ich ging weiter , denn daß ich fort mußte , lag dunkel in mir , doch wie weit noch , ehe ich diese rettende Zuflucht erreichte , das weiß ich nicht , und selbst daß ich die Treppe zur Terrasse erreicht , wie man mir sagt , wo ich gefunden ward , ist mir völlig entschwunden und muß in der Betäubung geschehen sein , die mich zuletzt meines Kummers und aller meiner Leiden überhob . Jetzt , Mylady , wißt Ihr Alles , was ich selbst in mir hervorzurufen vermochte , und ich athme leichter , nun Ihr es wißt ; denn ich werde nun Eures Rathes genießen , und mein Name und meine Ehre werden außer Zweifel vor Euch sein . - Ob dem wirklich so war , wenigstens in Betreff des Namens , hätten vielleicht Alle bezweifelt , die den abgeleiteten Blick gewahrt hätten , den die Herzogin bei diesen letzten Worten über ihren Schützling warf . Er ging indeß an dieser Seele unbemerkt vorüber , und die Herzogin war zu tief von dem eben Gehörten erschüttert , um nicht sanftern Gefühlen Raum zu gönnen . Liebreich zog sie die von der Erzählung tief Bewegte an ihre Brust und führte sie gegen das warme Licht der Sonne , und das kindliche Wesen nahm so ruhig an dem Busen der Herzogin Platz , als könne diesem Haupte kein sicherer und wohlthuenderer Ruhepunkt geboten werden . Sanft verhieß ihr die Herzogin noch ein Mal Schutz , und die Lady küßte stumm und innig ihre Hände . Und nun , Mylady , flehte sie sanft , gebt mir bald Mittel , meinen Oheim von meinem Schicksale zu unterrichten . Die Herzogin schwieg einen Augenblick , dann sagte sie : Ich fühle mich allein nicht stark genug , Euch den besten Rath zu geben , doch morgen erwarte ich meinen Schwager und meinen Sohn von London zurück . Wenn Ihr mir erlaubt , so theile ich dem Ersteren Eure Erzählung in den Hauptsachen mit ; er kennt alle Umgebungen des Hofes , alle Große des Landes , er wird Euch am Ersten sagen , wo ihr Euern Oheim , den Grafen von Marr , auffindet . Ich hoffe jedoch , Ihr werdet hier unter weiblichem Schutze lieber weilen , bis Euer Oheim für Euch eine ähnliche Stellung ersehen , als ihn aufsuchen , und so biete ich Euch noch ein Mal meinen Schutz auf jegliche Dauer an . Nachdem die junge Gräfin Melville auch für die neue Gunst innig gedankt hatte , schien sie merklich ruhiger ; nicht so die Herzogin . Für diese unglückliche Frau begann erst jetzt der schwerste Kampf . Mit schwankender Stimme hob sie an : Ich habe Euch bis heute Euer Eigenthum aufgehoben und lege es jetzt in Eure Hände . Mit diesen Worten nahm sie ein Kästchen , welches die Juwelen der Gräfin enthielt , und fuhr dann fort : Wollt Ihr mir wohl die Bedeutung dieser schönen kunstvollen Gaben nennen ? Sicher theure Andenken von eben so theuern Personen . Ihr seid unwohl , Frau Herzogin , sprach die Gräfin , ihr in das Gesicht blickend , setzt Euch nieder ; ich habe Euch ermüdet ! Laßt mich Euch führen ; ich setze mich zu Euch und erzähle Euch von diesen Gaben ; das wird Euch erheitern , denn es sind nur schöne Rückerinnerungen . Daß Ihr sie gefunden und mir aufbewahrt habt , sagte mir Mistreß Morton ; denn mit meiner Besinnung trat auch mein Schmerz über den Verlust dieser theuern Güter ein , die ich gelobt hatte nie abzulegen . Dies Buch , sprach sie weiter und hob das mit der Perle verschlossene Portefeuille heraus , gehört mir nicht ; nur in den Händen meiner Tante sah ich es . Habt Ihr den Inhalt untersucht ? fragte sie , und ihre Finger schienen zagend auf dem Schlosse zu ruhen ; sollte es wirklich für mich bestimmt gewesen sein ? Hat sich Gersem nicht getäuscht ? Was glaubt Ihr ? darf ich es öffnen ? - Es ist nicht leer und der Inhalt wohl sicher für Euch bestimmt , sagte die Herzogin . Ich muß Eure Verzeihung erbitten , daß ich die Bedenklichkeiten , die Euch jetzt bewegen , weniger obwalten ließ . Als man es mir mit den Juwelen , die Ihr trugt , übergab , öffnete ich es , in der Hoffnung , vielleicht dadurch mit Euerm Namen oder Euern Angehörigen bekannt zu werden , und den um Euch Bekümmerten Nachricht von Euch geben zu können . Doch ich fand , sonderbar genug , nur zwei Wechsel von tausend Pfund , ausgestellt auf das Handlungshaus Perrisson , und denkt Euch selbst , wie ich erstaunen mußte , die Adresse von unserm Schlosse in London und den Namen meines Gemahls ! Wie ? rief hier die junge Gräfin , und die helle Röthe der Freude verschönte ihr liebliches Gesicht . So wäre ich zu Euch hingewiesen von meiner theuern Tante , an Euch , und Ihr wäret vielleicht bekannt mit ihr oder Euer Gemahl ? Ich kannte nie eine Gräfin von Marr , erwiederte die Herzogin , und auch von meinem Gemahl hörte ich sie nie erwähnen . Doch scheint mir selbst hier ein Zusammenhang zu walten , der mir wenigstens , bis wir ihm durch Nachforschungen näher treten , das unbestreitbare Recht geben dürfte , Euch als an mich gesandt anzusehen , da der nicht mehr unter den Lebenden weilt , dem zunächst die Pflicht gegönnt war . O welch ' eine glückliche Wendung nimmt jetzt mein trostloses Schicksal ! rief die Gräfin , und der in der Jugend so leicht gefundene Uebergang vom Schmerze zur freudigen Hoffnung schien auch sie belebend zu ergreifen . An Euch ward ich gesandt , und Euch mußte ich finden , ohne die Absicht , Euch zu erreichen . Durch Noth und Tod lenkte Gott die willenlosen Schritte bis zu Euch . Sagt selbst ,