mit der die Wurzel seines Daseyns sich sättigt , der feste Grund der allgemeinen Wohlfahrt ist der sichere Boden , auf dem er fußt . Nähme man dem Poeten sein Vaterland , so nähme man seiner Harfe den Klang . Erscheinen nicht die großen Epiker und Dramatiker der Griechen , von diesem Standpunkt aus gesehen , so großartig ? Stehen nicht Ariost , Dante , der Dichter der Nibelungen , der große Britte und endlich unser deutscher Sänger des Messias hierin als Muster da ? - Der letztere ist der Dichter der Nation , bei ihm findet man deutsches Wort , deutschen Glauben , deutsche Vaterlandsliebe und Innigkeit . « - » Sie mögen Recht haben , « nahm Ottfried das Wort , » die Poesie wie alle andern freien Künste sagten sich in unserer Zeit von dem nächsten Bedürfniß der gegenwärtigen Zeit los , sie will keinem vorgeschriebenen Zwecke dienen , und verlangt , selbstständig dazustehen , und diese Selbstständigkeit hat sie erlangt , seitdem sie aus dem Stande unbewußter Kraft herausgetreten , und an der Hand der Kritik sich auf ihren jetzigen Standpunkt geschwungen hat . Heutzutage muß nun natürlich die Stellung eines großen Dichters eine andere seyn ; er findet bei seinem Erscheinen eine völlig eingerichtete Welt , die seiner nicht bedarf , er muß also , um auf seine Weise wirksam einzutreten , sich der Laune Einzelner anschließen , abgesehen davon , ob diese Einzelnen sich in seinem Geburtslande oder am entfernten Pol befinden ; um seine innere Unabhängigkeit zu behaupten , muß er in eine äußere Abhängigkeit sich fügen , und statt des kleinen Bodens , den er früher in Liebe und Treue mit seinen Mitbrüdern theilte , öffnet sich jetzt ihm die ganze Welt . Der sinnliche , mit Gesang begabte Naturmensch , der früher den Dichter machte , vereint sich heutzutage mit dem forschenden Denker , und diese Beiden , im Bunde mit der Kritik , bringen jene große Weltanschauung hervor , die wir bei ' m Genius unseres großen Dichters bewundern , und durch die er auch bei allen kommenden Jahrhunderten leben wird , indeß der Poet , der die vorüberrauschenden Interessen der Zeit nur auffaßt , längst vergessen ist . Und am Ende , was bleibt dem Dichter , wenn es ihm nicht erlaubt wird , über den kleinen Streit die niedrigen Armseligkeiten , mit denen der Bürger der Staatsgesellschaft sich abquälen muß , hinweg zu fliegen und hinauf zu streben ? « - » Wem alle diese Dinge nur Erbärmlichkeiten scheinen , « rief der Doktor heftig , » wem der Glaube seiner Väter , der Heerd seiner Ahnen , die Liebe seiner Zeitgenossen nur Gegenstände der Reflexion , nicht des Herzens sind , freilich , der hat Recht , sich von Allem loszusagen , und von der kalten Höhe des Berges herab zu erklären , daß er die Dinge zu seinen Füßen nur höchst klein und unbedeutend finde . « - Der Pastor nahm das Wort und sagte : » Ich habe , so sehr ich auch den Sänger des Messias verehre , doch nie rechtes Gefallen an seinen spröden , kalten Vaterlandsliedern finden können , ja sogar , Gott verzeih mir die Sünde , der gute Herrmann und seine Cherusker sind mir ordentlich etwas abgeschmackt erschienen , und Gleim hat für mich weit mehr Wärme und Begeisterung . « - » Ich sehe , « rief der Journalist , » für die Poesie nur Ein Heil , nämlich sie muß sich entschließen , den eingebildeten hohen Standpunkt , die kalte Höhe , auf der sie sich doch nicht wird erhalten können , zu verlassen , um sich wieder an die einfachen Bedürfnisse der Menschen anzuschließen , sonst geschieht , was durchaus nicht ausbleiben kann : daß sie entweder auf dem Wege der Reflexion sich selber zerstört , oder dem kalten Indifferentismus anheimfällt , der sie schonungslos zernichtet . Sehen wir sie nicht in den Versen unserer neuesten Dichter diesem drohenden Verderben schon ganz nahe ? - Wir , wir eilen , ihr wieder Haus und Vaterland zu geben , der hülfelos herumirrenden bieten wir die sichere Stätte , das schützende Obdach . « Sophie unterbrach den Diskurs , indem sie ihren Bräutigam zu einem Spaziergange aufforderte , Ottfried gesellte sich mit dem Pastor zum Baron , und Eduard eilte , von der vertrauten Zofe gerufen , hinauf in Magdalenens Zimmer , wo die Geliebte ihn bereits einige Zeit erwartet hatte . Sie kam ihm mit einem bezaubernden Lächeln entgegen , in ihrer Hand schwebte ein Papier , welches sie auf einen der Tische niederlegte und den Jüngling zu sich auf ' s Sopha zog . » Schelten Sie nicht , theurer Eduard , « lispelte sie , » wenn ich jetzt eile , meine schwärmenden Träume in Wirklichkeit zu verwandeln ; die Zeit ist reif für unsere Pläne , es könnte leicht ein günstiger Augenblick versäumt werden ; entschließen Sie sich , mein Freund , dieses Papier hier dem General Erlfeld , der sich jetzt gerade in der Residenz befindet , zu überbringen ; erforschen Sie dessen Inhalt nicht , ersparen Sie mir ein Erröthen , wenn Sie erführen , wie kindisch besorgt um Ihr Wohl die zaghafte Seele Ihrer Magdalena ist . Versprechen Sie mir , die Bogen nicht zu entfalten , bei unsrer Liebe , bei diesem Kruzifix versprechen Sie mir das . « - » Magdalena , « erwiderte Eduard , » Sie wissen ja , daß Ihr Wunsch ein Befehl ist , wozu also noch ein Gelöbniß , ich reise , und wann darf ich wiederkommen ? « Das Fräulein sank mit einem Kuß an die Wange des Jünglings , sie schien ganz Zärtlichkeit und Rührung , und eine Pause verging , ehe sie sich fassen konnte . » Wir müssen uns trennen , auf wenige Tage , Freund meiner Seele ! « hauchte sie in schmachtenden Tönen , » das erste Wort , welches Sie mit meinem Verwandten , dem General Erlfeld ,