die nur in des Bänkelsängers Lied gehören , und sagt mir : thut Ihr , was ich begehre , oder nicht ? « » Das Erstere ; verlaßt Euch darauf ; « antwortete Dagobert unmuthig . » So laßt uns hier Abschied nehmen ; « versetzte Wallrade : » ich untersage Euch , mich nach Hause zu geleiten . Die Nebenbuhler sind mir auf der Ferse , und ich will keinen Verdacht erregen , den ich mit dem leistesten Wörtlein zu widerlegen , unter meiner Würde halte . « - Ohne Widerrede , gerne sogar nahm Dagobert die Weisung an , und es war ihm fast wohl , daß er von der Schwester Seite kam , zu deren Dienst ihn blos sein voreilig gegebnes Wort , und ein besondres Zusammentreffen der Dinge bestellt hatten . - Der Wunsch , diesen unangenehmen Frohndienst ungesäumt abzuthun , so wie auch nicht minder die leise Neugier , das Geheinmiß der Schwester vielleicht , wider ihren Willen , zu enträthseln , vermochten ihn , am folgenden Tage schon seine Nachforschungen zu beginnen . Die Feier des Christfestes bot ihm hiezu die erwünschteste Gelegenheit dar . Der prachtvolle Morgengottesdienst am Weihnachttage , begünstigt von dem schönsten kalten Wetter , versammelte im Dom die Fürsten der Kirche , die weltlichen Fürsten und an ihrer Spitze den Kaiser mit seinem ganzen ansehnlichen Gefolge . Ein nicht bis jetzt in Costnitz erhörter Prunk entfaltete sich bei diesem Anlaß . Sigmund , ein wohlgebildeter freundlich blickender Mann mit langem Haupthaare und Bart , dessen Leutseligkeit bei Hohen und Niedern anerkannt war , so wie seine eifrige Bewerbung um Frauengunst , und seine vorstechende Eitelkeit , hatte sich mit allem Pomp umgeben , der einem Kaiser deutscher Nation zu Gebote stand . Alle Fürsten des Reichs , die gegenwärtig waren , halfen treulich dazu , um den vielen Fremden einen Begriff ihrer eignen Macht zu geben . Herolde , Pannerträger , Musikbanden , glänzende Leibwachen , Edelknaben und Marschälle schmückten den Zug der Fürsten und Edeln , und es war keine geringe Aufgabe , unter der Fluth von Herren und Dienern Einen herauszufinden , von dem man nichts weiß , als den schlichten Namen . Dagoberts Bekanntschaft mit Herzog Friedrichs Hause verschaffte ihm Auskunft . Der Truchseß des Herzogs zeigte ihm unter der Schar von grünen Herren im Gefolge des Kaisers den Wildmeister von der Rhön . Dagobert stutzte bei dessen Anblick . Diese sanften Züge , diese bescheidne Haltung verriethen durchaus nicht den rohen Mann , der sich eine Freude daraus macht , sittsame Frauen zu kränken . In dem ganzen Äußern des in schönster Alters Blüthe stehenden Wildmeisters fand der Beobachter nicht das Geringste , das seinen Auftrag und den Widerwillen der Schwester hätte rechtfertigen können . Unmuthig , seines Versprechens Fessel sich aufgeladen zu haben , folgte Dagobert nach vollendetem Gottesdienst dem Herrn von der Rhön in dessen Herberge . Wenige Augenblicke nach dem Letztern trat er in ' s Gemach , das der Wildmeister bewohnte , und , wie sich ' s auswies , nicht allein bewohnte . Eine junge kindlich hübsche Frau hing so eben bewillkommend an seinem Halse , ein Kind von zwei Jahren ungefähr lächelte ihm von dem Schooße der Mutter entgegen . In dem engen Stüblein herrschte ein Geist der Ordnung und Reinlichkeit , der die Zelle einer Nonne nicht vortheilhafter hätte schmücken können . Eine Minute beiläufig stand Dagobert unschlüssig unter der Thüre , unbemerkt von dem zärtlichen Paare ; aber des Wildmeisters Bärenfänger gewahrte den Fremden und gab Laut . Der Herr von der Rhön ging - aufmerksam gemacht - dem jungen Cleriker freundlich entgegen , nöthigte ihn einzutreten , und forschte höflich nach seinem Begehr . Dagobert ' s Zunge weigerte sich , den Auftrag , der ihn hieher geführt , in Gegenwart der jungen Frau kund zu geben . Er verlangte von dem Wildmeister geheim Gehör . Bilger überflog den Boten mit seinen Blicken , neigte sich dann freundlich , und sprach : » Würdiger Herr , - ich denke , daß zwischen uns , die sich noch nie sahen , kein Ding bestehen kann , das meiner lieben Ehefrau ein Geheimniß bleiben müßte . Indessen würde ich dennoch Euerm Wunsche gern willfahren , aber ich muß bekennen , wie die Herberge von unsers gnädigsten Kaisers Lerten dergestalt eingenommen ist , daß mir und den Meinen dieß kleine Gemach allein verblieb . Wollet Euch also hier Euers Auftrags entledigen . « Dagobert wollte reden , aber im Begriff es zu thun , sah er auf Mutter und Kind , wie diese sich herzten , und Engeln gleich zu dem fremden Manne emporsahen , und es war ihm , als dürfe seine Botschaft nicht das Ohr der Unschuldigen berühren . Er bat demnach den Wildmeister , ihm . auf die Flur zu folgen . Bilger , den Kopf schüttelnd über solch seltsam Betragen , ging mit ihm . » Mich sendet Wallrade von Baldergrün , « begann Dagobert , und sah alsobald den Wildmeister , erbleichen wie einen Sterbenden . - » Wo ... wo .... ist sie , was begehrt sie ? « stammelte er , der Sprache kaum mächtig . - » Sie ist hier ; « antwortete Dagobert betroffen über die zaubergleiche Wirkung der ersten Worte . - » Hier ? « - Bilger mußte sich am dem Fensterpfeiler halten . » Hier ? « fuhr er fort , da der Bote , selbst von Staunen befangen , verstummte . - » Und ich ... o sagt es heraus ... ich bin verloren ? « - » Ich begreife Eure Rede nicht ; « sprach Dagobert , tröstend , denn ihn erbarmte des Wildmeisters Zustand . » Der Unwille Wallradens , wenn gleich , wie ich jetzt befürchten muß , verschuldet , sucht Euer Verderben nicht . Das Erbfräulein begehrt nur Eure schleunige Entfernung aus ihrer Nähe . Eure Gegenwart , sagt sie , sey ihr verhaßt , und wolltet ihr der Forderung nicht willfahren ,