ich in thörichter Verblendung für das höchste Gut auf Erden hielt - - ich habe unedle Mittel ergriffen , es von mir abzulehnen , indem ich selbst meinen moralischen Werth verkleinerte , um die Ueberzeugung hervorzubringen , als sei mein Charakter unwürdig , es zu erlangen . Leichtsinn , Unbesonnenheit rissen mich hin - und in der damals noch unentwickelten Knospe konnte ich nicht ahnen , welche Blüthe des Himmels , die meinen Lebensweg verschönert hätte , ich von mir stieß . Aber als ich Sie nun wieder sah , und eine glühende unaussprechliche Leidenschaft mich jetzt eben so wahrhaft zu Ihnen hinzog , als früherer Irrthum mich von Ihnen entfernte - ach - da konnte eine Reue , wie sie ja selbst den Himmel versöhnt , das racherfüllte Herz eines Mädchens nicht erweichen , und von seiner Unbarmherzigkeit zu unauslöschlichem Elend und ewigem Darben verdammt , soll ich noch für höhere Fügung halten , was meinem Daseyn alle Jugend , meiner Zukunft jede Hoffnung raubte ! - Thränen stürzten aus Erna ' s Augen . Ihre bittende Stellung und die tiefe Wehmuth ihrer Züge schien ihn um Schonung anzuflehen - aber er wand sich ab von ihr , seinen Sinn nur noch mehr zu verhärten , indem er sich selbst ihrem rührenden Anblick entzog . Ueberzeugt , daß er sich allein am ersten wiederfinden werde , und daß ihre Nähe ihn nur noch mehr reize , entfernte sie sich , und nahm den kleinen Otto mit sich , der nicht aufhören konnte zu fragen , weshalb der fremde Mann - so nannte er Alexandern - so bös auf Mama sei ? IX Wirklich erreichte Erna ihren Zweck . Denn als er sie nun neben sich vermißte , und die Unsicherheit des jeder Ueberraschung blosgestellten Orts bedachte , wo er sie so leicht in ihren ohnehin so beengten ehelichen Verhältnissen hätte auf das bitterste durch seine Heftigkeit compromittiren können , verschwand sein Zorn vor dem lebhaften Gefühl seines Unrechts , und so gern er auch auf der Stelle das Haus verlassen hätte , in welchem ihm so wehe und doch wiederum so wohl war , so schien es ihm doch eine unerläßliche Bedingung der Möglichkeit seiner Entfernung , erst ein Wort der Verzeihung von ihren Lippen mit sich hinwegzunehmen . Nach einigen Momenten , in denen er sich völlig zu sammeln strebte , kam Linovsky wieder zu ihm , verwundert , ihn so ganz allein zu finden . Er fragte seinen Bedienten , wo seine Frau sei , und erfuhr , daß sie den kleinen Otto zu Bett bringe . Ob er sich gleich sehr höflich gegen Alexandern entschuldigte , daß man ihn so unachtsam verlassen habe , so schien es ihm doch nicht unangenehm , zu bemerken , daß Erna so ganz und gar keine ausgezeichnete Notiz von ihrem Gaste zu nehmen schien , und sich in ihren gewöhnlichen häuslichen Beschäftigungen durch ihn keineswegs stören ließ . Erst bei ' m Abendessen kam sie wieder zum Vorschein . Beschämt vermochte Alexander Anfangs den Blick nicht zu ihr zu erheben , und als er es endlich über sich gewann , schärfte die milde Trauer , die mit ihrem gewöhnlichen Ernst verschmolzen war , noch das Bewußtseyn , wie sehr er sich an ihr vergangen habe , und er sehnte sich , ihre Vergebung und in ihr die Beruhigung zu erflehen , die er schmerzlich in seinem Busen vermißte . Doch so wohl sollte es ihm heute nicht werden . Obgleich sie an der Unterhaltung den Antheil nahm , den ihre Pflicht als Hausfrau von ihr foderte , so mischte sich doch eine gewisse , Ehrfurcht gebietende Strenge in ihren Ton , so wie in ihre Haltung , die seine fernen Schranken von ihr ihm sehr entschieden anwies . Je zurückgezogener und kälter sie sich aber gegen ihn benahm , je freundlicher war Linovsky , der , indem Alexander von seinen Reisen erzählte , den geistigen Nachhall froher Erinnerungen genoß , und auf diese Weise manchen Berührungspunkt fand , der ihm seinen Umgang um so angenehmer machte , da er sich durch ihn nicht von der Seite beunruhigt fühlte , wo er am leichtesten zu verwunden war . Er wiederholte daher beim Abschied recht herzlich die Bitte , bald wieder zu kommen , und erwiederte einige Tage darauf Alexander ' s Besuch , um ihn zum folgenden Mittag auf Sorgenfrei einzuladen , wo , wie er sagte , er die Bekanntschaft einiger interessanten Fremden machen werde . Wie willkommen war Alexandern nicht die ihm gegebene Gelegenheit , sich Erna wiederum zu nähern . Zwar hoffte er nicht auf die Gunst eines unbelauschten Gesprächs mit ihr , die , wenn auch der Zufall sie ihm freundlich gewähren würde , ihr Ernst und ihre Festigkeit doch gewiß ihm verweigert hätte . Aber der Entschluß , ihr schriftlich auszusprechen , was er litt , erleichterte sein schwer beladenes Gemüth , und in dem Geschäft , ihr zu schreiben , fand er Linderung seiner Quaalen . Wenden Sie Sich nicht unversöhnlich von dem Unglücklichen ab , begann sein Brief , der neben dem tiefen Schmerz , Sie auf ewig verloren zu haben , nicht noch Ihren Unmuth zu ertragen im Stande ist . Kaum darf ich es wagen , auf eine Zeit hinzudeuten , deren Erinnerung Ihnen nur bittere Gefühle , mir nur die heiße Gluth der Schaam darbietet . Es ist die Zeit unserer ersten Bekanntschaft - und ob es gleich schonender für uns beide wäre , sie in schweigende Vergessenheit zu begraben , so muß ich ihrer doch noch einmal erwähnen , wenn ich den einzigen Zweck erreichen will , der mir unter den Trümmern meines Daseyns noch des Strebens werth scheint , versöhnt nämlich mit Ihnen und bemitleidet von Ihrem Herzen auf immer von Ihnen zu scheiden , wenn mein Beruf mich - und vielleicht bald - zur blutigen Thätigkeit des Kriegs , und - - ich darf wohl hoffend und sehnend hinzufügen - zum Tode ruft . Ja , ich beschwöre