wahre Verklärung der Menschheit und eine Ahnung des schönern Himmels , der unserer wartet . Als Elsbeth wieder zu ihrem Säugling gegangen war , kamen ihre Aeltern , denn sie waren die erbetenen Taufzeugen . Die Müllerin konnte nicht genug sagen , wie ausgeschmückt die Häuser wären , wie lebendig Alles im Dorfe sei , und sie rief einmal um das andere aus : » Nein , solch eine Kindtaufe ist in Goldenthal noch nie geworden ! So feiert man ja nicht die Geburt eines Fürsten . « Und wie sie noch so redete , kam ein ganzer Zug junger Mädchen und Knaben gegen Oswalds Haus , sämmtlich in Feierkleidern , Paar um Paar . Alle trugen ein kleines Geschenk von ihren Aeltern zur Wiege des Neugebornen ; die Einen schneeweiße Leinwand , die Andern Zucker , oder Mandeln , oder Blumen , oder selbstgestrickt Strümpfe oder Handschuhe , die Andern niedliches Hausgeräth , kleine Bedürfnisse für Küche und dergleichen . So viele Haushaltungen im Dorfe , so viele Geschenke . Und alle Kinder küßten Elsbeths Hand und sagten : Mutter Elsbeth ! und küßten Oswalds Hand , indem sie bloß dazu die Worte sprachen : Vater Oswald ! Aber welcher Wohllaut lag für Oswald und Elsbeth in diesen Vater- und Mutternamen ! Es gab keinen einfachern und rührendern Glückwunsch . Da läuteten alle Glocken mit vollem Klange zur Kirche . Der Säugling ward zur Taufe getragen , er voran ; ihm folgten die beiden Großältern , hintennach der tiefgerührte Vater . Die ganze Gemeinde stand vor der Kirche in weitem Halbkreis , Alt und Jung , und sah den Oswald kommen . Sanft und freundlich sprach Alles , wie er vorbeiging an der Menschenmenge : » Guten Morgen , Vater Oswald . « Dann folgte ihm Alles in die Kirche . Hier hielt der Herr Pfarrer Roderich nach vollbrachter Taufhandlung eine schöne Predigt über die Pflicht öffentlicher Dankbarkeit des Volks gegen eine gute Obrigkeit . Er schien noch nie so begeistert und salbungsreich geredet zu haben . Wort auf Wort traf die Herzen . Es war im ganzen Volk die tiefste Andacht und wachsende Rührung . Jeder hielt an sich , seine Thränen zu unterdrücken . Als nun aber der Herr Pfarrer aus Schlußgebet kam , und er da die bebende Stimme zu Gott erhob für die gute Obrigkeit von Goldenthal , wobei Jeder im Stillen an Oswald dachte ; als nun der Herr Pfarrer selber die Bewegung seines Gemüths nicht länger zurückzwingen konnte , und ihm unter Thränen der Name Oswald entschlüpfte - da ward lautes , heftiges Schluchzen in der ganzen Kirche . Da nun dachte Jeder an das Alles , was dieser Oswald der Gemeinde gethan und gestiftet ; Jeder erkannte in ihm den Urheber des allgemeinen Glückes . Der Pfarrer konnte nicht mehr reden . Er schloß ; er sprach den Segen über die fromme und dankbare Gemeinde . Niemals war in Goldenthal mit höherer Inbrunst ein Gesang gesungen worden , als diesmal aus dem Anhangbüchlein der Vers : Für das Leben der Obrigkeit ! - gen Himmel stieg . Der gute Oswald , sehr verlegen und beschämt , und doch froh gerührt , konnte kaum aufsehen , da er aus der Kirche ging , und begab sich , tief sein Haupt gesenkt , durch die grüßende Menge zu seiner Elsbeth . Er konnte kaum reden . Zum Mittagsmahl waren bei ihm seine Schwiegerältern und der Herr Pfarrer , der Schulmeister und die beiden Mitvorgesetzten . Die erzählten , daß fast in allen Häusern des Dorfes Gastmähler gehalten würden , wozu Einer den Andern eingeladen habe ; die Aermern speiseten bei den Reichern . Oswald schüttelte den Kopf und sprach : » Das ist mir der Ehre allzuviel ; ich habe es nicht verdient . « Doch die allgemeine Freude machte auch ihn wieder froh und wohlgemuth . Er ging gegen Abend , begleitet von seinen Gästen , hinaus ins Dorf , und ging da von Haus zu Haus , und setzte sich zu jeder Familie einige Augenblicke und dankte Allen für so viel Liebe . Goldenthal war voller Fremden ; denn man wußte in der Stadt von dem Feste , und wer konnte , eilte nun hierher , Zuschauer zu sein . Bis in die späte Nacht währte der Tanz der Jugend , man hörte aller Enden Musik und Gesang vor den Häusern , unter der Linde , unter den Blumenkränzen und in den Gärten . Man sprach und spricht noch lange zu Goldenthal von diesem schönen Tage . Und Oswald hieß seit demselben nur Vater Oswald , und die liebenswürdige Elsbeth hieß Mutter Elsbeth . Wahrlich , wahrlich , was im Leben Gutes gesäet wird , das findet endlich immer seinen schönen Aerntetag . Denn es lebt uns ein guter Gott , ein Vergelter voller Barmherzigkeit und Liebe .