in Erinnerung ritterlicher Gewohnheit , als aus Andacht , denn seine Gedanken waren ganz allein auf Anna hingerichtet und obgleich wohlgemeint , doch nicht heilig zu nennen . Ob er sie heiraten solle , ob sie ihn wolle , ob sie nicht zu jung sei , ob er ihr gleich seine Hand anbiete , ob er prüfend warte , das schwirrte ihm so im Kopfe umher , daß er nicht auf eignen Rat sich verlassen wollte , sondern die Vorsehung anzusprechen beschloß , indem er eine Münze für den Opferstock aus seinem Beutel nahm . Er hatte sich dies als Kind schon in zweifelhaften Fällen angewöhnt , er warf die mit einem Kreuz auf der einen Seite bezeichnete Münze in die Höhe , fing sie in der flachen Hand auf , und war diese heilig bezeichnete Seite oben , so billigte der Himmel seinen Vorsatz . Auch diesmal erhielt er dreimal das Kreuz hinter einander , somit blieb ihm kein Zweifel , daß er um Anna bald anhalten müsse . Er ging mutig heim , waffnete sich und ließ sich von Anna einen Kranz auf die Lanze stecken , dann ritt er von einem gemieteten Knecht begleitet , nach dem Weinmarkte , wo die Schranken eingerichtet waren . Die Grieswärtel machten ihm in dem Gedränge Platz und er ritt hinter die Seile , wo seine Waffen von den Turniervögten untersucht und untadelig gefunden wurden . Dann wurde sein Name aufgezeichnet und er in die innern Schranken gelassen . Die Pracht des Anblicks blendete ihn einen Augenblick , nie hatte er einen solchen Haufen geharnischter Reiter , so viele hochgeschmückte Frauen beisammen gesehen . Wie kann ich da siegen dachte er bescheiden in sich ; aber ich kann doch zeigen , daß ich für Anna alles wage , so dachte er weiter . Bald ward unter den Frauen ein stürmisches Bewegen , jede suchte sich höher zu stellen , das Stechen verkündete sich durch ein betäubendes Geschmetter aller Trompeten . Der Kaiser ritt jetzt mit geschlossenem Helme durch die Schranken , machte aber nur eine zierliche Wendung gegen Markgraf Kasimir , der ihm folgte , als ob er sagen wollte er möchte wohl , aber könne nicht stechen , und reihete sich dann mit allen Fürsten und Herren , die seinem Beispiele folgten , hinter den Schranken der einen Seite . Als nun die Herren das Stechen abgelehnt hatten , so begann das Gesellenstechen , auf ein Zeichen des Ehrenhalts , nach welchem die Seile , welche die Kämpfer zurückgehalten , von den Bahndienern mit scharfem Beil zerhauen wurden . Je sechs und sechs wurden nun immer aufgerufen und ritten gegen einander . Das waren nun meist tüchtige Männer , wie sie das Handwerk bildet , aber nur wenig geschickt und ermäßigt , die meisten gaben mehr auf die Derbheit des Anlaufs , als auf die Richtung und auf die Benutzung der Blöße des Gegners , so daß der Kaiser , der in allem Meister war , oft herzlich über das Ungeschick lachen mußte , wenn gewöhnlich alle zusammenstürzten . Die dritte Reihe berief auch Herrn Berthold in die Schranken , er empfahl sich dem Himmel und seiner Anna und weil er wirklich sein Pferd sehr gut führte , sein Pferd auch sehr gut eingeritten war , er sich außerdem die Art des Kaisers wohl gemerkt hatte , so zeichnete er sich gleich vor allen aus , die bis dahin erschienen . Es geschah bald seinetwegen Nachfrage unter den Frauen , sein Glück aber erreichte den Gipfel , als ein Fleischer , mit Namen Kugler , in solchem Ungestüm gegen ihn anrannte , daß dessen Spieß abgleitete und der Schwankende ohne große Gewalt von ihm abgeworfen wurde , während er sich unerschüttert hielt und gegen einen zweiten rannte , der schon von einem abgeworfenen Gegner bügellos gemacht war . Auch dieser fiel , und da inzwischen die andern einander herunter gestoßen hatten , so war er der erste der als Sieger aus einer Reihe blieb und aufgezeichnet wurde . Von seinem Glücke erfüllt , sah und hörte er nicht , was weiter auf der Bahn geschah , sein Geschick war entschieden und er konnte ruhig warten , wenn auch einer noch mehrere niederrannte , einer der Preise mußte ihm werden . Am Schlusse des Rennens wurde ihm von der neu vermählten Markgräfin ein silberner Becher , mit silbernen Denkmünzen ausgelegt , als Preis überreicht , sie erkannte ihn wieder , gab ihm die Hand zum Kuß und sprach : » Ei , ei hätte ich Euch doch nicht angesehen , daß Ihr ein so starker Renner seid ! « Kaum hatte er seinen Dank gesprochen , so trat ihn ein Bote des Kaisers an und nötigte ihn zum Mittagessen . An den Schranken war ihm eine neue Freude bereitet , hier umhalste ihn Fingerling , der in Kraft der Empfehlungsschreiben bei Fugger die Nacht geherbergt hatte , ihn ausrufen hörte und nun auf ihn wartete . Kaum konnte der gute Alte seinen Jubel mäßigen , daß solche Ehre über Berthold gekommen , zugleich berichtete er ihm , daß ein Bette für ihn im Hause Fuggers bereitet sei und was er für Angst ausgestanden , seit er ihn im Gedränge aus den Augen verloren hatte . Berthold ging mit ihm auf dieses Zimmer , zog dort seine Rüstung aus , erfrischte sich mit Wein , erzählte , wie gut er aufgenommen sei , vertraute Fingerling seine Liebe , und bat ihn , mit dem Becher zur schönen Anna zu gehen , ihr zu sagen , daß er nur für sie gewonnen sei , daß er zu alt wäre , um seine Entschlüsse lange aufzuschieben , sie möchte entscheiden : wolle sie ihm geneigt sein , sie möchte den Becher ans Fenster stellen , damit er vorübergehend sein Glück erkenne und in ihr Haus eingehe , oder im Falle sie ihn meide , für immer vorübergehe , sich den Schmerz und ihr die Verlegenheit zu ersparen . Zwar wollte Fingerling mit allerlei Rat