Bruders zur ruhigeren , großen , schönen Form geworden war . Sie kam ihm diesen Abend viel schöner und unschuldiger vor , da sie sich fast gar nicht in die gelehrten Unterhaltungen mit einmischte . Höchst anziehend und zurückstoßend zugleich erschien ihm dagegen ihre Nachbarin , die junge Gräfin Romana , welche er sogleich für die griechische Figur in dem Tableau erkannte , und die daher heute allgemein die schöne Heidin genannt wurde . Ihre Schönheit war durchaus verschwenderisch reich , südlich und blendend und überstrahlte Rosas mehr deutsche Bildung weit , ohne eigentlich vollendeter zu sein . Ihre Bewegungen waren feurig , ihre großen , brennenden , durchdringenden Augen , denen es nicht an Strenge fehlte , bestrichen Friedrich wie ein Magnet . Als endlich der Schmachtende seine Vorlesung geendigt hatte , wurde sie ziemlich unerwartet um ihr Urteil darüber befragt . Sie antwortete sehr kurz und verworren , denn sie wußte fast kein Wort davon ; sie hatte währenddessen heimlich ein auffallend getroffenes Portrait Friedrichs geschnitzt , das sie schnell Rosa zusteckte . Bald darauf wurde auch sie aufgefordert , etwas von ihren Poesien zum besten zu geben . Sie versicherte vergebens , daß sie nichts bei sich habe , man drang von allen Seiten , besonders die Weiber mit wahren Judasgesichtern , in sie , und so begann sie , ohne sich lange zu besinnen , folgende Verse , die sie zum Teil aus der Erinnerung hersagte , größtenteils im Augenblick erfand und durch ihre musikalischen Mienen wunderbar belebte : » Weit in einem Walde droben , Zwischen hoher Felsen Zinnen , Steht ein altes Schloß erhoben , Wohnet eine Zaubrin drinne . Von dem Schloß , der Zaubrin Schöne , Gehen wunderbare Sagen , Lockend schweifen fremde Töne Plötzlich her oft aus dem Walde . Wem sie recht das Herz getroffen , Der muß nach dem Walde gehen , Ewig diesen Klängen folgend , Und wird nimmermehr gesehen . Tief in wundersamer Grüne Steht das Schloß , schon halb verfallen , Hell die goldnen Zinnen glühen , Einsam sind die weiten Hallen . Auf des Hofes stein ' gem Rasen Sitzen von der Tafelrunde All die Helden dort gelagert , Überdeckt mit Staub und Wunden . Heinrich liegt auf seinem Löwen , Gottfried auch , Siegfried der Scharfe , König Alfred , eingeschlafen Über seiner goldnen Harfe . Don Quijote hoch auf der Mauer , Sinnend tief in nächt ' ger Stunde , Steht gerüstet auf der Lauer Und bewacht die heil ' ge Runde . Unter fremdes Volk verschlagen , Arm und ausgehöhnt , verraten , Hat er treu sich durchgeschlagen , Eingedenk der Heldentaten Und der großen alten Zeiten , Bis er , ganz von Wahnsinn trunken , Endlich so nach langem Streiten Seine Brüder hat gefunden . Einen wunderbaren Hofstaat Die Prinzessin dorthin führet , Hat ein ' n wunderlichen Alten , Der das ganze Haus regieret . Einen Mantel trägt der Alte , Schillernd bunt in allen Farben Mit unzähligen Zieraten , Spielzeug hat er in den Falten . Scheint der Monden helle draußen , Wolken fliegen überm Grunde : Fängt er draußen an zu hausen , Kramt sein Spielzeug aus zur Stunde . Und das Spielzeug um den Alten Rührt sich bald beim Mondenscheine , Zupfet ihn beim langen Barte , Schlingt um ihn die bunten Kreise , Auch die Blümlein nach ihm langen , Möchten doch sich sittsam zeigen , Ziehn verstohlen ihn beim Mantel , Lachen dann in sich gar heimlich . Und ringsum die ganze Runde Zieht Gesichter ihm und rauschet , Unterhält aus dunklem Grunde Sich mit ihm als wie im Traume . Und er spricht und sinnt und sinnet , Bunt verwirrend alle Zeiten , Weinet bitterlich und lachet , Seine Seele ist so heiter . Bei ihm sitzt dann die Prinzessin , Spielt mit seinen Seltsamkeiten , Immer neue Wunder blinkend Muß er aus dem Mantel breiten , Und der wunderliche Alte Hielt sie sich bei seinen Bildern Neidisch immerfort gefangen , Weit von aller Welt geschieden . Aber der Prinzessin wurde Mitten in dem Spiele bange Unter diesen Zauberblumen , Zwischen dieser Quellen Rauschen . Frisches Morgenrot im Herzen Und voll freudiger Gedanken , Sind die Augen wie zwei Kerzen , Schön die Welt dran zu entflammen . Und die wunderschöne Erde , Wie Aurora sie berühret , Will mit ird ' scher Lust und Schmerzen Ewig neu sie stets verführen . Denn aus dem bewegten Leben Spüret sie ein Hochzeitsgrüßen , Mitten zwischen ihren Spielen Muß sie sich bezwungen fühlen . Und es hebt die ewig Schöne , Da der Morgen herrlich schiene , In den Augen große Tränen , Hell die jugendlichen Glieder . Wie so anders war es damals , Da mich , bräutlich Ausgeschmückte , Aus dem heimatlichen Garten Hier herab der Vater schickte ! Wie die Erde frisch und jung noch , Von Gesängen rings erklingend , Schauernd in Erinnerungen , Helle in das Herz mir blickte , Daß ich , schamhaft mich verhüllend , Meinen Ring , von Glanz geblendet , Schleudert in die prächt ' ge Fülle , Als die ew ' ge Braut der Erde . Wo ist nun die Pracht geblieben , Treuer Ernst im rüst ' gen Treiben , Rechtes Tun und rechtes Lieben Und die Schönheit und die Freude ? Ach ! ringsum die Helden alle , Die sonst schön und helle schauten , Um mich in den lichten Tagen Durch die Welt sich fröhlich hauten , Strecken steinern nun die Glieder , Eingehüllt in ihre Fahnen , Sind seitdem so alt geworden , Nur ich bin so jung wie damals . - Von der Welt kann ich nicht lassen , Liebeln nicht von fern mit Reden , Muß mit Armen warm umfassen ! - Laß mich lieben , laß mich leben ! Nun verliebt die Augen gehen Über ihres Gartens Mauer , War so einsam dort zu sehen Schimmernd Land und Ström und Auen . Und wo ihre Augen gingen : Quellen