der Mönch sich im Turm ganz ruhig verhalten , kein einziges Wort gesprochen und auch keine Nahrung zu sich genommen habe . » Ich kann ihn nun nicht länger bei mir behalten , « sprach der Förster , » denn wer steht mir dafür , daß sein , wie es scheint , unheilbarer Wahnsinn nach langer Zeit nicht aufs neue ausbricht und er irgend ein entsetzliches Unheil hier im Hause anrichtet ; er muß morgen in aller Frühe mit Christian und Franz nach der Stadt ; mein Bericht über den ganzen Vorgang ist längst fertig , und da mag er denn in die Irrenanstalt gebracht werden . « Als ich in meinem Gemach allein war , stand mir Hermogens Gestalt vor Augen , und wenn ich sie fassen wollte mit schärferem Blick , wandelte sie sich um in den wahnsinnigen Mönch . Beide flossen in meinem Gemüt in eins zusammen und bildeten so die Warnung der höhern Macht , die ich wie dicht vor dem Abgrunde vernahm . Ich stieß an die Korbflasche , die noch auf dem Boden lag ; der Mönch hatte sie bis auf den letzten Tropfen ausgeleert , und so war ich jeder neuen Versuchung , davon zu genießen , enthoben ; aber auch selbst die Flasche , aus der noch ein starker berauschender Duft strömte , schleuderte ich fort durch das offne Fenster über die Hofmauer weg , um so jede mögliche Wirkung des verhängnisvollen Elixiers zu vernichten . - Nach und nach wurde ich ruhiger , ja der Gedanke ermutigte mich , daß ich auf jeden Fall in geistiger Hinsicht erhaben sein müsse über jenen Mönch , den das dem meinigen gleiche Getränk in wilden Wahnsinn stürzte . Ich fühlte , wie dies entsetzliche Verhängnis bei mir vorübergestreift ; ja , daß der alte Förster den Mönch eben für den unglücklichen Medardus , für mich selbst , hielt , war mir ein Fingerzeig der höheren , heiligen Macht , die mich noch nicht sinken lassen wollte in das trostlose Elend . - Schien nicht der Wahnsinn , der überall sich mir in den Weg stellte , nur allein vermögend , mein Inneres zu durchblicken und immer dringender vor dem bösen Geiste zu warnen , der mir , wie ich glaubte , sichtbarlich in der Gestalt des bedrohlichen gespenstischen Malers erschienen ? - Unwiderstehlich zog es mich fort nach der Residenz . Die Schwester meiner Pflegemutter , die , wie ich mich besann , der Äbtissin ganz ähnlich war , da ich ihr Bild öfters gesehen , sollte mich wieder zurückführen in das fromme schuldlose Leben , wie es ehemals mir blühte , denn dazu bedurfte es in meiner jetzigen Stimmung nur ihres Anblicks und der dadurch erweckten Erinnerungen . Dem Zufall wollte ich es überlassen , mich in ihre Nähe zu bringen . Kaum war es Tag worden , als ich des Försters Stimme im Hofe vernahm ; früh sollte ich mit dem Sohne abreisen , ich warf mich daher schnell in die Kleider . Als ich herabkam , stand ein Leiterwagen mit Strohsitzen zum Abfahren bereit vor der Haustür ; man brachte den Mönch , der mit totenbleichem und verstörtem Gesicht sich geduldig führen ließ . Er antwortete auf keine Frage , er wollte nichts genießen , kaum schien er die Menschen um sich zu gewahren . Man hob ihn auf den Wagen und band ihn mit Stricken fest , da sein Zustand allerdings bedenklich schien und man vor dem plötzlichen Ausbruch einer innern verhaltenen Wut keinesweges sicher war . Als man seine Ärme festschnürte , verzog sich sein Gesicht krampfhaft , und er ächzte leise . Sein Zustand durchbohrte mein Herz , er war mir verwandt worden , ja nur seinem Verderben verdankte ich vielleicht meine Rettung . Christian und ein Jägerbursche setzten sich neben ihm in den Wagen . Erst im Fortfahren fiel sein Blick auf mich , und er wurde plötzlich von tiefem Staunen ergriffen ; als der Wagen sich schon entfernte ( wir waren ihm bis vor die Mauer gefolgt ) , blieb sein Kopf gewandt und sein Blick auf mich gerichtet . » Sehen Sie , « sagte der alte Förster , » wie er Sie so scharf ins Auge faßt ; ich glaube , daß Ihre Gegenwart im Speisezimmer , die er nicht vermutete , auch viel zu seinem rasenden Beginnen beigetragen hat , denn selbst in seiner guten Periode blieb er ungemein scheu und hatte immer den Argwohn , daß ein Fremder kommen und ihn töten würde . Vor dem Tode hat er nämlich eine ganz ungemessene Furcht , und durch die Drohung , ihn gleich erschießen zu lassen , habe ich oft den Ausbrüchen seiner Raserei widerstanden . « Mir war wohl und leicht , daß der Mönch , dessen Erscheinung mein eignes Ich in verzerrten gräßlichen Zügen reflektierte , entfernt worden . Ich freuete mich auf die Residenz , denn es war mir , als solle dort die Last des schweren finstern Verhängnisses , die mich niederdrückt , mir entnommen werden , ja , als würde ich mich dort , erkräftigt , der bösen Macht , die mein Leben befangen , entreißen können . Als das Frühstück verzehrt , fuhr der saubre , mit raschen Pferden bespannte Reisewagen des Försters vor . - Kaum gelang es mir , der Frau für die Gastlichkeit , mit der ich aufgenommen , etwas Geld , sowie den beiden bildhübschen Töchtern einige Galanteriewaren , die ich zufällig bei mir trug , aufzudringen . Die ganze Familie nahm so herzlichen Abschied , als sei ich längst im Hause bekannt gewesen , der Alte scherzte noch viel über mein Jägertalent . Heiter und froh fuhr ich von dannen . Vierter Abschnitt Das Leben am fürstlichen Hofe Die Residenz des Fürsten bildete gerade den Gegensatz zu der Handelsstadt , die ich verlassen . Im Umfange bedeutend kleiner , war sie regelmäßiger und schöner gebaut , aber ziemlich menschenleer . Mehrere Straßen , worin Alleen gepflanzt , schienen mehr Anlagen eines Parks