Lebens ! Adalbert drückte bejahend ihre Hand . Jetzt kam der Arzt zurück . Wie ist sie gestorben ? fragte der Marquis . Nach dem starken Anschwellen der Blutadern zu urtheilen , entgegnete jener , hat sie in der Angst des gewaltsamen Krampfes , wie schon öfter , Kühlung vom Stahle erwartet , und sich den Dolch bewußtlos in die Brust gestoßen . Der Marquis faltete schweigend die Hände . Alle blieben lange stumm . Darauf foderte er , fast bittend , man solle ihm sein unglücklich Kind noch einmal zeigen . Antonie lag sauber , in jenem weißem Gewande mit hohem abwärtsstehendem Kragen , auf einem Ruhebett im Nebenzimmer , der Arzt öffnete die Thür dahin in dem Augenblick , als Giannina und Alexis ihr eine Krone von dunklen Malven auf das Haupt setzten . Ihr Gesicht , weiß wie Marmor , schien ruhig , der Körper lag grade , die Hände gefaltet auf der Brust . Der Marquis ließ sich in die Höhe richten und sah freundlich zu ihr hin . Er verbot , die Thür wieder zu schließen , bat Alle , die Nacht bei ihm zu bleiben , und verlangte selbst den Korb des kleinen Renaud dicht an sein Bett gerückt zu sehen . So blieben alle versammelt ; zwischen dem Tode , dem aufblühenden und hinscheidenden Leben , her und hin gehend . Gegen Mitternacht sagte der Marquis : es ist alles Gegenwart in der Liebe ! ich lebe jetzt alle schöne Augenblicke aufs neue mit der Marquise ! es ist alles wieder da , ganz da ! Es ist schön mit dem zugleich ! aber der Mensch erträgt es nicht , er ist zu schwach ! deshalb kann er auch die Vergangenheit niemals durch die That zur Gegenwart machen ! es geht niemals , niemals ! Er seufzte tief ; ward unruhig , und schien etwas zu verlangen . Marie legte ihm schweigend ein Cruzifix auf die Brust . Er griff mit beiden Händen danach , befühlte es lange , und rief dann freudig , das ist die Figur der Welt ! Der Erlöser - der Schlüssel des großen Buches - mein Gott ! stammelte er gebrochen , Du bist die Liebe , - in Dir - ist ewige - Gegenwart . Sein Kopf sank auf die Brust , die Lippen berührten das Kreuz , der Athem flog leicht zum letztenmale darüber hin . Der Arzt drückte ihm schweigend die schönen , starren Augen zu . Dann sagte er bewegt : so hat er denn ein Wunder erlebt , das einzige und ewige , die Fortentwickelung der Zeit ! - Nach wenigen Tagen wurden Vater und Tochter neben dem alten Schlosse an den Ufern der Rhone beigesetzt . Marie schuf hier einen neuen Blumensitz , und Antonie lebte ohne Zauberei still und friedlich in Adalberts Seele , dem ein freundlich-heiteres Dasein an Mariens Liebe und seines Kindes Leben aufging . Die alten Wunder waren von der Erde verschwunden , aber die Liebe schuf täglich neue . Die Magie ihres Familienstammes blühete in Marien auf so eigene reizende Weise wieder auf , daß sie ihres Gatten Herz in stets unauflöslichern Banden an sich zog . Die Baronin und Giannina verließen sie niemals , doch den Herzog trieb die erwachte Liebe zum Vaterlande noch in mach neues Kriegsunternehmen . Auch Alexis ward in der Folge Soldat , während sein Vater das Grab seines alten Freundes hütete .