ganz neben Dolores , daß er ihr ohne allen bösen Willen auf ein auszuübendes Herrenrecht einen Kuß geben konnte . Auch Lorenz , der arme Edelknabe , nahm sich in seiner Jägertracht recht gut aus ; so frisch , frei , sicher , als hätte er diese Gunst lange vorausgesehen ; das war ihm noch von dem Glücke seines Standes geblieben , als ihm der Krieg Eltern und Vermögen entrissen . Sein Zwillingsbruder Otto , der schon längere Zeit Jäger auf einem entfernten Vorwerke des Grafen geworden , traf kurz vor dem Beginn der Feierlichkeiten ein ; er schien sehr verstört und sprach mit seinem Bruder ganz heimlich ; dann ging er zu dem Grafen und sagte ihm , daß er Soldat geworden und daher seinen Dienst verlassen müsse ; der Graf drang darauf , die Ursache zu wissen , aber er beschwor , daß er sie nicht angeben könne , er sei unschuldig daran . Wolf , der Schreiber , erklärte dem Grafen nachher , daß Rosalie erst diesem älteren Bruder Hoffnung auf ihre Hand gemacht , so wie sie es ihm auch schon getan habe ; er wolle aber kein Narr sein , davon zu gehen , wer wüßte , was ihm noch für Glück würde . Der Graf ermahnte ihn zum Bessern und benutzte beide Charaktere für den Schluß eines Gesanges , den er zur Nacht eingerichtet hatte . - Wir wollen uns nicht mit der Beschreibung des feierlichen Zuges nach der Kirche aufhalten ; die zwölf Fräulein gingen mit einer Andacht der Braut nach , als könnte es hier wohl noch nach dem alten Gebrauche der Hochzeiten gehen , der hundert künftige bei einer wirklichen verspricht . Die Rede des Geistlichen war wohl gedacht , und ermahnte sie zur Treue gegen ihre Gutsherrschaft , der sie ihr Glück dankten ; dann fuhr er fort : » Belehret einander , denn ihr werdet künftig im Walde ( er war zum Förster ernannt ) einsam leben . Du Mann , schlage nicht ( hiebei schob er dem Bräutigam die Faust in die Rocktasche ) du Weib , schmähe nicht ( dabei legte er ihren Finger in ihren Mund ) denk , daß ein Höherer dich sonst auf den Mund schlägt . Betrachtet oft den Ehering an euerem Finger ; er verklagt euch , wenn ihr aufhöret einander zu lieben3 . « Auf dem Rückwege schallte allen ein frohes Lied , das der Graf zu Hochzeiten eingeführt ; es wurden Blumen gestreut und das ganze Fest wurde mit einem sehr kunstreichen Volkstanze der Gegend eröffnet , der vom Walzer ausgehend und wieder dahin zurückkehrend die wachsende Zärtlichkeit zwischen den Paaren auf tausend Arten durch Bewegung und Gesang ausdrückte ; dann traten zweie hervor , die wie Braut und Bräutigam gekleidet waren ; der Graf selbst aber erzählte vortretend , wo ihr mimisches Spiel nicht ganz zu verstehen war . Der Graf Ei du lustiger Edelknecht ! Wie spricht die Welt von dir so schlecht , Du machst dir gar nicht viel daraus ; Du trittst zu Liebchens Tür hinaus , Von ihr noch alles düftet , Dein Wämslein ist gelüftet . O du seliger Edelknecht ! Nun ist dir alles eben recht ; Hier ist die Welt dir weit genug , Hier ist dein Bett dir eng genug ; Vor ihrer Tür darnieder Du streckst die müden Glieder . O du schläfriger Edelknecht ! Du bettest dich nicht gerne schlecht , Dein Himmelbett ist der Sternensaal , Die Himmelsleiter im Erdental Steht auf der Türe Stufen , Hörst Liebchen im Traume rufen . Ei du schnarchender Edelknecht ! Dein Schlaf ist heute gar nicht schlecht , Du liegest kaum und schnarchest laut ; Daß alle Knöpfe dir springen auf ; Die flatternden Fledermäuse Erzittern auf ihrer Reise . Ei du lässiger Edelknecht ! Ei das ist wahrlich gar unrecht , Daß dir der Schlaf noch immer gefällt , Da früh sich die Gräfin ein Bad bestellt , Heut mußt du das Bad bezahlen , Die Gräfin ist böse zumalen . Und du listiges Jungfräulein ! Spät wachst du mit klaren Äugelein ; So rötlich dein lieb Angesicht , Wie eine Rose , die eben aufbricht , Du öffnest erst die Türe ; Als ich schon lange die Sonne auf Dächern All überall auf glänzendem Wagen spüre . Das Jungfräulein Ich fühl mich umwinden Von eilenden Winden , Aus träumender Nacht Mir alles erwacht ! O Lautenschlag , Du Liebesschlag , Schlag ' s nicht in den Wind . Komm Amor , süß Kind , Dir will ich ' s verkünden , Du sollst uns verbinden . Der Graf Ei du heimliches Jungfräulein , Was flog von deinem Hütelein ? Jetzt scheint es blaß gleich wie der Mond , Der Morgens noch am Himmel wohnt . War ' s Amor ? War ' s die Taube ? Schütz deinen Kranz vorm Raube . Das Jungfräulein O Sonnenschein helle , Du trittst auf die Schwelle , Aus träumender Nacht , Aus Wolken erwacht . O frommes Glück ! Der Liebe Blick ; Was zeigest du mir , Er ruht an der Tür , Die Hand unterm Haupte , Im Tuch , das er raubte . Ei du schelmischer Edelknecht ! Hier hast du wohl geschlafen schlecht ? Komm , fülle das Marmorbad , Komm , trete das Wasserrad , Wir wollen das Bad schnell füllen , Am tiefen Brunnen im stillen . Der Edelknecht O ich seliger Edelknecht ! Den Liebchen und Sonne erwecken recht ; Kaum kann ich sehen , so lichterloh Glänzt es in meine Augen froh ; Wie dien ich doch so willig , Die Herrschaft ist so billig . Der Graf Ich höre die Bronnen Mit spiegelnden Sonnen Im ruhenden Hof ; Die Fenster im Schloß Sind alle noch zu In Liebesruh ; Am Giebel so fein Manch Stimmelein klein ; Die beiden das Becken Erfüllen mit Necken . Mit Blumen sie ' s streuen , Die Gräfin zu freuen ; Die Gräfin nicht schlief , Sah