sie hinaus in die Nacht . Fernando neigte sich vertraulich zu ihr , so daß der warme Hauch seiner Lippen sie wie ein leiser Kuß berührte . Wie Musik umspielte sie dabei das weiche Flüstern seiner Stimme , das unwillkührlich ihre Thränen hervorlockte . Du weinst , Luise ? fragte er sanft ; Du zitterst ? erschrickst Du vor dem Gedanken , Niemand als mich zu haben , in dessen Brust Du die Welt , den Frieden und die Unschuld Deiner Seele wiederfinden kannst ? Sieh um Dich , Du bist allein , ganz allein unter Menschen , die Dich nicht verstehn , nicht verstehn wollen . Im Kampf mit Dir selbst , zerreißst Du ein Leben , das so seelig , so unaussprechlich seelig sein könnte ! Sei doch mitleidig gegen Dich selbst . Komm , fliehe mit mir . Dieser Augenblick entscheidet für uns Beide . Sieh , ich führe Dich in mein Vaterland , wo Du geliebt , wo Du glücklich sein wirst . Hier - ? Was suchst Du hier ? Was erwartest Du von Verhältnissen , die Dich hohl und kalt ansehn ? Glaubst Du , die Freunde werden es Dir verzeihn , daß Du einen andern Weg gingst , als den sie Dir mit ihren Alltagsblicken vorzeichneten . Hoffst Du , Julius sei mehr als ein Mensch ? Er verschmäht ein Herz , das sich und ihn belog . Komm denn , komm mit mir , Luise . Georg ! Georg ! rief der Alte im Schlaf , laß Deine Thränen nicht so über die grauen Wimpern fließen ! Sie tragen Dich auch bald hinunter . Hör nur , wie der Todtenvogel krächzt . Mit schwerem Fittig fuhr jetzt eine Eule schreiend am Fenster vorüber . Luise sprang auf . Das Entsetzen gab ihr Kraft . Bleich stand sie vor Fernando . Sie müssen fort , stammelte sie . Die Natur hat eine Sprache , die ich fühle , wenn ich sie gleich nicht klar verstehe . Umsonst häuft sie so nicht ihre Schrecken . Sie hat mich geweckt . Ich weiß es , Sie müssen fort . Der Tod trat zwischen uns . Wir scheiden . Geben Sie , eilen Sie , Fernando . Ist das Ihr Ernst ? fragte er . Mein heiligster , erwiederte sie . Nun dann ! rief er , auf Wiedersehn in einer andren Welt ! Ich gehe in französische Kriegsdienste . Ich hatte dies beschlossen , ehe ich Sie hier traf . Ihr Anblick erschütterte mich . Das Leben sah mich noch einmal lockend an . Ich glaubte einen Augenblick an eine friedlichere Bestimmung . Sie wollen ' s anders . Ich gehorche . Sein Sie glücklich , recht glücklich . Mich reißt mein Schicksal fort ! Ich stürze mich hinein , wie jemand der nicht vor , nicht hinter sich sehen mag , gleichviel wie ' s endet ! Ich habe oft mit dem Leben gespielt , sagte er , bitter lachend ; nun spielt es mit mir ! Stürmen Sie nicht so wild in die dunkle Nacht hinein , unterbrach ihn Luise sanft ; scheiden Sie milder , Fernando . Ach Gott ! ich habe es wohl um Sie verdient . Mein Sinn ist wild , erwiederte er ; unsre Liebe war ' s auch . Sie wissen ja , sie will ein blutig Ende , darum schicken Sie mich in den Krieg . O Fernando , Fernando ! rief Luise erschüttert . Er stand erwartend vor ihr . Seine Blicke lagen gespannt auf den ihren . Sie zitterte heftig , und hatte kaum noch Kraft , sich aufrecht zu erhalten . Eine rasche Bewegung , als wolle er sie umfangen , schreckte sie auf . Um Gottes Willen ! rief sie , lassen Sie mich ! Sie haben es gelobt , Sie müssen , ja Sie müssen mich verlassen . In ihrem scheuen Blick , in dem Entsetzen , das über das bleiche Gesicht hinfuhr , lag etwas Gebietendes . Fernando gedachte unwillkührlich jener Nacht im Walde . Nun denn , alter Camerad ! rief er , den Bergmann aus dem Schlaf rüttelnd , so komm , geleite mich durch den Wald . Du kennst ja Wege und Stege . Laß die dumpfe Cither vor uns her klingen . Der wahnsinnige Greis taumelte vom Schemel , und Fernando unter den Arm fassend , schwankten Beide hinaus . Luise barg den Kopf an Marianens Brust , um die vorüberklingenden Töne der Cither nicht zu hören , die noch lange vernehmlich durch den Wald hinzogen . Wie sie fernab rauschten und endlich verstummten , ward es auch stiller in ihr ; der innre Sturm sänftigte sich . Sie holte aus tiefer Brust Athem und blickte seit lange zum erstenmal ruhig gen Himmel . Die Wirthin trat bald darauf mit dem Abendessen herein , fast ärgerlich , daß sie der vornehme Gast so schnell verlassen habe . Luise gewann nach und nach Fassung genug , mit der gesprächigen Frau über vieles zu reden , was dieser lieb war , und als Anton späterhin hinzukam , hörte sie theilnehmend ihren aufblühenden Wohlstand rühmen , dessen Schöpferin sie war . So von sich selbst abgezogen , auf die stille Wirksamkeit einer glücklichen Familie gelenkt , stellte sich das innre Gleichgewicht ihrer erschütterten Sinne wieder her . Sie schlief die Nacht über , wie jemand , der einer großen Gefahr entronnen ist , und sich nun der Ruhe hingeben darf . In diesem Gefühl trat sie auch am folgenden Morgen die Rückreise an , von tausend Segenswünschen ihrer freundlichen Wirthe begleitet . Als sie indeß Abends spät so allein und verlassen die verödete Wohnung wieder betrat , und nun in dem engen Bezirk das Ziel wie den Ausgangspunkt ihrer früh beschloßnen Laufbahn umfaßte , da fiel ihr trübes Loos centnerschwer auf die zagende Seele . Alle freudige Gestaltungen ihres Lebens , die frühen Verheißungen von Liebe und Glück , alles , alles wich vor dem trüben Einerlei zurück , was