, sich in der Gegenwart eines sanfteren , heitern , geistreichen Freundes erheitert fühlte ? Wenn dies in ihrem Betragen nicht sichtbar würde , müßte sie eine Heuchlerin seyn ? « Lindenhain schwieg , schien in sich zu gehen , und versprach , sich zu bessern . Bald flüsterte Satan Laurette ihm zu : sie hat dich verklagt ; das war unrecht . Und es blieb , wie es war . Oft , wenn er Albertinen mit gesenktem Kopfe , wie ein dahinwelkendes Maienblümchen sahe , und überdachte , mit wie edlem Zutrauen sie sein Verhältniß zu Adelaiden aufgenommen hatte , ward er innig erweicht , drückte sie ungestüm an sein Herz und gelobte sich , den reinen Engel ganz glücklich zu machen . Bald aber gewannen wieder die Miseren des häuslichen Lebens , so wie sein Hauptlaster , die böse Laune , die Oberhand , die durch das immerwährende schmerzliche Entbehren seines Armes geschärft wurde . Die arme Albertine wurde für alles , was im Hause mißlang , auch für Zufälligkeiten , verantwortlich gemacht , und Onkel Dämmrig , dem die Dissonanzen schmerzlich im Herzen wiederhallten , weil er Albertinen sehr liebte , sagte oft halb scherzend , halb traurig : » Heut kriegt die arme Albertine gewiß wieder Schelte ; der Barometer steht auf Regen . « Albertine hatte drei kleine Narben am Kinn , deren Daseyn sie und die Ihrigen bei jeder Pocken-Epidemie beruhigten ; sie glaubten , daß sie sie in früher Kindheit gehabt habe . Die Pocken wütheten im Dorfe , und Albertine ging unbesorgt in allen Hütten umher , ihre Hülfe zu vertheilen . Sie erkrankte ob der Mühwaltung , wie man glaubte ; aber sie hatte sich Blattern und zwar von der giftigsten Art geholt . Schrecken und Jammer überfiel die Ihrigen ; keiner wich von ihrem Lager ; selbst der kränkliche Onkel trippelte an ihr Bett hin und bejammerte das entstellte Engelsbild . Lindenhains Feuerseele schlug jetzt , durch die Gefahr der Leidenden angefacht , in helle Flammen auf . Nie glaubte er sie inniger geliebt , nie ihre sanfte Duldsamkeit mehr bewundert zu haben . In der Hitze der Trübsal gelobte er mehr zu halten , als er seiner Natur nach vermochte . Albertine reichte ihm freundlich die Hand , und gab vor , sich an einem Blick auf eine glücklichere Zukunft zu laben , an den sie längst nicht mehr glaubte . Aber wer begreift , wer schildert Adelaidens Edelmuth ! Die schmerzliche Lage der jungen Frau , wenn sie nun aller Schönheit beraubt , entstellt von diesem Lager aufstände , entging ihrem schnellen , richtigen Blicke nicht . Sie sollte schön , und ihre beschützende , großmüthige Freundin eines so einnehmenden Vorzugs beraubt seyn ? Lindenhain sollte einen Vorwand gegen die arme Albertine haben ? Das ertrug das edle Mädchen nicht ; sie wollte mit ihr zugleich häßlich werden , wollte keinen Vorzug an sich dulden , wollte auch die Blattern haben , die sie noch nicht gehabt zu haben glaubte . Sie lehnte ihr Gesicht an Albertinens , aß von ihrem Bissen , trank aus ihrem Becher , und was auch eingewendet werden mochte , schlief an ihrer Seite . Nie gab es eine Wärterin , wie diese ; nie wurde ein Kranker gepflegt , wie Albertine . Aber das Gift theilte sich ihr nicht mit . Sie bekam einen unschädlichen Ausschlag , und das war alles . Ihre erhaltene Schönheit und die Verehrung und Liebe Aller waren der gerechte Lohn ihres Edelsinns und ihrer unerhörten Aufopferung . Acht und zwanzigstes Kapitel Albertinens Leben war zwar gerettet ; aber - wer faßt den Jammer ! - sie blieb des Lichtes ihrer Augen , ihrer wunderschönen blauen Augen beraubt ! - Der unwiederbringliche Verlust ihrer Schönheit wurde gegen dieses schwere Unglück kaum bemerkt . In dem Frühling ihrer Tage , in dem Rosengarten ihres Lebens , umgab das schreckliche Dunkel der Blindheit den Sinn , durch den uns der Anblick der Wunder in Gottes schöner Natur einen Strahl dauernder Freude und höherer Andacht in die Seele sendet . So lange noch ein Schimmer von Hoffnung war , ergab sie sich still den Fügungen der Ärzte . Als nun aber die immer wiederholten neuen Versuche alle täuschten , überließ sie sich einem stillen Gram , der um so rührender war , da sie ihn in sich verschloß und er ihren zarten Körperbau sichtlich angriff . An dem bebenden Ton ihrer Lieben vernahm sie die zurückgehaltene Wehmuth derselben . Lindenhains Schmerz äußerte sich , wie seine Natur es wollte , mit Ungestüm und meist im Style des Vorwurfes . » Wärst du nicht in jene unglücklichen Hütten gegangen , das Unglück wäre nicht geschehen ! Was gingen dich jene Kinder an ? « - Das drückte dann die arme Albertine ganz darnieder ; sie suchte seine Hand , bedeckte sie demüthig mit Küssen , und bat ihm ihr Unglück ab . Ernst und besonnen schlug sie ihm die Scheidung vor , da sie den Zweck des Hausstandes nicht mehr erfüllen könne , und nun im Dunkeln wandeln müsse ; » weil ich meinen Lieben nur Leiden , statt der gehofften Freuden geben kann ! « setzte sie schmerzlich hinzu . » Ach , mein Theurer , nur ein stilles Winkelchen räume mir ein ; die Zeit wird auch mir den Frieden geben , der so unverkennbar das Erbtheil aller des Lichts Beraubten ist ! Du bist zu jung und lebenslustig , als daß es recht seyn könne , dein Dasein an das einer armen Unglücklichen zu ketten , und ihre Last mit zu schleppen . « Dergleichen Auftritte , die nur zu oft in der ersten Zeit vorkamen , überwältigten dann des Mannes Herz ; seine Thränen flossen , und mit von Schmerz aufgelöstem Herzen stürzte er hinaus ins Freie , ritt zwecklos umher , und kehrte düster und schweigend dann erst zurück , wenn seinem Pferde die Kräfte , ihn weiter zu tragen , entgingen . Wenn er dann Albertinens