du bist Mathilde Und das Ziel von meinen Sinnen . 7 Ohne mein verwegnes Fragen Wirst mir sagen , Wenn ich zu dir soll gelangen . Gern will ich in tausend Weisen Noch der Erde Wunder preisen , Bis du kommst mich zu umfangen . 8 Alte Wunder , künftige Zeiten Seltsamkeiten , Weichet nie aus meinem Herzen . Unvergeßlich sey die Stelle , Wo des Lichtes heilge Quelle Weggespült den Traum der Schmerzen . Unter seinem Gesang war er nichts gewahr worden . Wie er aber aufsah , stand ein junges Mädchen nah bey ihm am Felsen , die ihn freundlich , wie einen alten Bekannten , grüßte und ihn einlud mit zu ihrer Wohnung zu gehn , wo sie ihm schon ein Abendessen zubereitet habe . Er schloß sie zärtlich in seinen Arm . Ihr ganzes Wesen und Thun war ihm befreundet . Sie bat ihn noch einige Augenblicke zu verziehn , trat unter den Baum , sah mit einem unaussprechlichen Lächeln hinauf und schüttete aus ihrer Schürze viele Rosen auf das Gras . Sie kniete still daneben , stand aber bald wieder auf und führte den Pilger fort . Wer hat dir von mir gesagt , frug der Pilgrimm . Unsre Mutter . Wer ist deine Mutter ? Die Mutter Gottes . Seit wann bist du hier ? Seitdem ich aus dem Grabe gekommen bin ? Warst du schon einmal gestorben ? Wie könnt ' ich denn leben ? Lebst du hier ganz allein ? Ein alter Mann ist zu Hause , doch kenn ich noch viele die gelebt haben . Hast du Lust , bey mir zu bleiben ? Ich habe dich ja lieb . Woher kennst du mich ? O ! von alten Zeiten ; auch erzählte mir meine ehmalige Mutter zeither immer von dir ? Hast du noch eine Mutter ? Ja , aber es ist eigentlich dieselbe . Wie hieß sie ? Maria . Wer war dein Vater ? Der Graf von Hohenzollern . Den kenn ' ich auch . Wohl mußt du ihn kennen , denn er ist auch dein Vater . Ich habe ja meinen Vater in Eysenach ? Du hast mehr Eltern . Wo gehn wir denn hin ? Immer nach Hause . Sie waren jezt auf einen geräumigen Platz im Holze gekommen , auf welchen einige verfallne Thürme hinter tiefen Gräben standen . Junges Gebüsch schlang sich um die alten Mauern , wie ein jugendlicher Kranz um das Silberhaupt eines Greises . Man sah in die Unermeßlichkeit der Zeiten , und erblickte die weitesten Geschichten in kleine glänzende Minuten zusammengezogen , wenn man die grauen Steine , die blitzähnlichen Risse , und die hohen , schaurigen Gestalten betrachtete . So zeigt uns der Himmel unendliche Räume in dunkles Blau gekleidet und wie milchfarbne Schimmer , so unschuldig , wie die Wangen eines Kindes , die fernsten Heere seiner schweren ungeheuren Welten . Sie giengen durch ein altes Thorweg und der Pilger war nicht wenig erstaunt , als er sich nun von lauter seltenen Gewächsen umringt und die Reitze des anmuthigsten Gartens unter diesen Trümmern versteckt sah . Ein kleines steinernes Häuschen von neuer Bauart mit großen hellen Fenstern lag dahinter . Dort stand ein alter Mann hinter den breitblättrigen Stauden und band die schwanken Zweige an Stäbchen . Den Pilgrimm führte seine Begleiterinn zu ihm und sagte : Hier ist Heinrich nach den du mich oft gefragt hast . Wie sich der Alte zu ihm wandte , glaubte Heinrich den Bergmann vor sich zu sehn . Du siehst den Arzt Sylvester , sagte das Mädchen . Sylvester freute sich ihn zu sehn , und sprach : Es ist eine geraume Zeit her , daß ich deinen Vater eben so jung bey mir sah . Ich ließ es mir damals angelegen seyn , ihn mit den Schätzen der Vorwelt , mit der kostbaren Hinterlassenschaft einer zu früh abgeschiedenen Welt bekannt zu machen . Ich bemerkte in ihm die Anzeichen eines großen Bildkünstlers . Sein Auge regte sich voll Lust ein wahres Auge , ein schaffendes Werckzeug zu werden . Sein Gesicht zeugte von innrer Festigkeit und ausdauernden Fleis . Aber die gegenwärtige Welt hatte zu tiefe Wurzeln schon bey ihm geschlagen . Er wollte nicht Achtung geben auf den Ruf seiner eigensten Natur . Die trübe Strenge seines vaterländischen Himmels hatte die zarten Spitzen der edelsten Pflanze in ihn verdorben . Er ward ein geschickter Handwerker und die Begeisterung ist ihm zur Thorheit geworden . Wohl , versezte Heinrich , hab ich in ihm oft mit Schmerzen einen stillen Mißmuth bemerkt . Er arbeitet unaufhörlich aus Gewohnheit und nicht aus innrer Lust . Es scheint ihm etwas zu fehlen , was die friedliche Stille seines Lebens , die Bequemlichkeiten seines Auskommens , die Freude sich geehrt und geliebt von seinen Mitbürgern zu sehn und in allen Stadtangelegenheiten zu Rathe gezogen zu werden , ihm nicht ersetzen kann . Seine Bekannten halten ihn für sehr glücklich , aber sie wissen nicht , wie lebenssatt er ist , wie leer ihm oft die Welt vorkommt , wie sehnlich er sich hinwegwünscht , und wie er nicht aus Erwerblust , sondern um diese Stimmung zu verscheuchen , so fleißig arbeitet . Was mich am Meisten wundert , versezte Sylvester , daß er eure Erziehung ganz in den Händen eurer Mutter gelassen hat und sorgfältig sich gehütet in eure Entwicklung sich zu mischen oder euch zu irgend einem bestimmten Stande anzuhalten . Ihr habt von Glück zu sagen , daß ihr habt aufwachsen dürfen , ohne von euren Eltern die mindeste Beschränkung zu leiden , denn die Meisten Menschen sind nur Überbleibsel eine [ s ] vollen Gastmahls , das Menschen von verschiednen Appetit und Geschmack geplündert haben . Ich weis selbst nicht , erwiederte Heinrich , was Erziehung heißt , wenn es nicht das Leben und die Sinnesweise meiner Eltern ist , oder der Unterricht meines Lehrers des Hofkaplans . Mein Vater scheint mir , bey aller seiner kühlen und durchaus festen Denkungsart