das ? fragte der Alte . Sie erinnern Sich , was ich Ihnen von dem Benehmen Ihres Sohns am Sterbebette und nach dem Tode des seligen Lyk erzählte . Das war schön ! Das war edel von , ihm ! Hätten Sie ' s jemal in ihm gesucht ? Nie . Auch wahrlich ! Er in Sich selbst nicht . Ein unerwarteter , ihm ganz neuer Eindruck , ein unwiderstehliches Gefühl rissen ihn hin . Aber einmal gethan , diese That ; sollte sie ohne Spur , wie ein Blitz , haben verschwinden können ? sollte sie kein Andenken an sich zurückgelassen , nicht durch dieses Andenken mächtig auf ihn eingewirkt haben ? - Glauben Sie mir : das Bewusstseyn von Werth , Güte , Tugend , das Ihr Sohn aus dem Lykischen Hause mit sich nahm , ist für ihn unendlich wohlthätig geworden ; es hat ihn von seiner ehemaligen Kleinlichkeit , Eitelkeit , Selbstsucht schon um Vieles geheilt , und noch immer wirkt es zu seiner Besserung , seiner Veredelung fort . - Was Sie sonst mit so vielem Recht an ihm aussetzten , ist schon Alles ganz anders : seine ehemaligen Gesellschafter hat er verlassen ; Spiel und Tanz sind ihm gleichgültig , und gegen den Putz ist er kälter geworden : schon seit Monaten kein neues Kleid mehr ! seit Monaten kein Gang mehr , als in den Concertsaal , den unschuldigsten aller Vergnügungsörter ! Sein jetziger herrschender Trieb ist : zu wirken , nützlich zu werden , Hochachtung und Beifall von Andern , wie von sich selbst , zu verdienen . - Ist nicht in diesem Allen die Wirkung jenes Augenblicks , wo er sich selbst in einem so neuen Lichte und die Tugend in ihrer Würde und Schönheit sah , unverkennbar ? Der Alte , der mit grosser Aufmerksamkeit zuhörte , winkte dieser Entwickelung Beifall ; und doch war sie , wenn auch nicht falsch , wenigstens sehr einseitig und unvollständig . Die Hauptbildnerinn an dem Herzen des Sohns , die Liebe , war aus guten Gründen vergessen . Selbst das , fuhr der Doctor fort , dass er die Thorheit beging Ihnen zu trotzen , stösst meine Meinung von ihm nicht um , sondern bestätigt sie eher . Eben weil er jetzt edler und also stolzer geworden war , konnt ' er die Behandlung , die er vormal verdient hatte , nicht mehr ertragen ; eben weil er Hochachtung gegen sich selbst zu fühlen anfing , wollt ' er auch Hochachtung von Andern , selbst von seinem Vater , geniessen ; und so entstand denn , bei der gewohnten traurigen Entfernung von Ihnen , und bei dem unseligen Misstrauen , womit er Sie im Irrthum über sich gleichsam vorsetzlich erhielt , jener Trotz , jener nicht zu rechtfertigende , übereilte Entschluss , den Sie durch Ihr weises Benebmen ihn so sehr haben bereuen lassen . Aber , mein bester Vater - wollten Sie einen Fehltritt aus solchen Gründen , an einem solchen Sohne , der Ihrer täglich würdiger wird , jetzt so grausam bestrafen ? Was ? rief der Alte , indem er mit lebhafter Bewegung aufstand ; was reden Sie , lieber Doctor ? Was fällt Ihnen ein ? Sie sagten : in Ihr Haus , in Ihre Handlung käm ' er nicht wieder . Das soll er auch nicht , muss er auch nicht . Sind Sie denn noch immer erbittert ? - Erbittert ? Ich ? - Nun , beim Himmel ! Wenn alle Väter sich so erbittern wollten , das wäre den jungen Herrn , ihren Söhnen , wohl eben recht . Wie versteh ' ich denn aber - ? Ich will aus der Verbindung mit ihm heraus , und will mich zur Ruhe setzen . Mein Haus soll das seinige , meine Handlung die seinige werden . Verstehen Sie jetzt ? Ja , mein Gott ! rief der Doctor freudig : wenn Sie Sich so erklären ! - Der Text war dunkel ; die Auslegung ist sonnenhelle . - Aber Ihr armer Sohn ! Was wird er nicht für einen Schrecken haben ! Scherzen Sie nicht zu früh ! Die Bedingungen sind zurück . O , die wird ein Vater , ein edler , grossmüthiger Vater machen . Ich bin sehr ruhig darüber . Dass sie auf sein Bestes berechnet sind , können Sie denken . - Ich hab ' ihn jetzt , wie gesagt , in meiner Gewalt ; und so besteh ' ich durchaus darauf : er soll thätiger werden ; er soll die Handlung , wenn sie die seinige wird , mit mehr Ernst und mit mehr Eifer führen , als unter mir ; er soll dem abgehenden einen Buchhalter keinen Nachfolger geben , weil er dessen Arbeiten mit den seinigen zugleich verrichten kann , ohne dass eben der Schreibtisch eine Galeere werde ; er soll dem Umherschweifen in Gesellschaften und an öffentliche Örter entsagen ; und sich sein Haus dadurch anziehender machen , dass er ein Weib - aber kein Modeweib , keine Putz- , auch keine Büchernärrinn - nimmt , sondern ein braves , häusliches , herzliches Weib , das er lieben , das aber auch ich schätzen und ohne Erröthen Tochter nennen kann . - Fügt er sich in diese Bedingungen : - gut ! so übergeb ' ich ihm Alles , beziehe meine eigne Wohnung für mich , und betreibe meine übrigen Geschäfte in Ruhe . - Fügt er sich nicht , - nun , so kann ich weiter nicht helfen ; ich arbeite dann mit meinen Buchhaltern fort , und ihn schick ' ich - wohin der junge Herr nicht mag , und wohin er mir doch zu gehen gedroht hat : nach seinem Br ... In mein Haus , so lang ' es das meinige bleibt , kommt er nicht wieder . Das also , das Ihre Nachcur , mein lieber Vater ? Das ! - Wird sie ihm anständig seyn ? Er wird darin gleich sehr Ihre Liebe