Juli auf der prächtigen Jacht , welche im Bassin des Lustgartens lag und mit zweiundzwanzig Kanonen ausgerüstet war , eine Lustfahrt nach Kaputh unternommen . Dieses überaus prächtige Schiff , das mit allem nur erdenklichen Luxus ausgestattet war und in der Tat an die Prachtschiffe der alten Phönizier und Syrakuser erinnerte , war in Holland nach Angaben des Königlichen Baumeisters und Malers Madersteg erbaut worden . Man schätzte allein die goldenen und silbernen Geräte , die sich in seinem Innern aufgestellt befanden , auf hunderttausend Taler . Auf diesem Schiffe , das eigens dazu gebaut war , die Havel zu befahren , glitten die drei Könige stromabwärts nach dem Lustschlosse von Kaputh . Man erging sich in dem inzwischen zu einer baumreichen und schattigen Anlage gewordenen Parkgarten und kehrte gegen Abend zu Tafel und Ball nach Schloß Potsdam zurück . Wenn dieser Tag in dem historischen Leben Kapuths der glänzendste war , so war er auch der letzte . Der König , früh alternd , schloß sich mehr und mehr in seine Gemächer ein ; der Sinn für Festlichkeiten erlosch , er begann zu kränkeln ; am 25. Februar 1713 starb er . Alle Schlösser standen leer ; sie sollten bald noch leerer werden . Dem prachtliebenden Könige folgte ein Sparsamkeitskönig . Die holländische Jacht im Potsdamer Bassin wurde gegen einige Riesen vertauscht und ging nach Rußland zum Zaren Peter ; die großen Schlösser zu Köpenick und Oranienburg , beides Schöpfungen des eben verstorbenen Fürsten , wurden vom Etat gestrichen ; was verkaufbar war wurde verkauft , – konnte man sich wundern , daß , bei so veränderten Verhältnissen , das wenigstens seiner Größe und äußeren Erscheinung nach ungleich bescheidenere Kaputh mit auf die Liste der Proskribierten gesetzt wurde ! Es sank zu einem bloßen Jagdhause herab , an dem alsbald der mit holländischen Fliesen ausgelegte Souterrainsaal , weil sich ' s drin wie in einem Weinkeller pokulieren ließ , das Beste war . Von seinem alten Bestande über der Erde blieben dem Schlosse nur der Kastellan und die Bilder , wahrscheinlich weil mit beiden nichts anzufangen war . Der Kastellan war ein alter Türke , das rettete ihn ; die Deckengemälde aber – in den Schlössern waren ihrer ohnehin mehr denn zuviel , und wenn die Schlösser sie nicht aufnehmen konnten , wer damals in brandenburgischen Landen hätte sein Geld an die sinnbildliche Verherrlichung der Künste , an Minerva und Kaliban , an Borussia und die Mohrenkönigin gesetzt ! Auch heute noch sind ihrer nicht viele . So viel über die historischen vierzig Jahre . Wir schicken uns jetzt an , in das Schloß selbst einzutreten . Die doppelarmige Freitreppe , wir erwähnten ihrer bereits ( schon Sophie Charlotte schritt über diese Stufen hin ) , ist von Efeusenkern des Hauses derart umrankt und eingesponnen , daß jeden Tragstein ein zierlich-phantastischer Rahmen von hellgrünen Blättern schmückt . Die Wirkung dieses Bildes ist sehr eigentümlich . Eine Treppe in Arabeskenschmuck ! Natur nahm der Kunst den Griffel aus der Hand und übertraf sie . Die Tür des Gartensalons öffnet sich . Freundliche Worte begrüßen uns ; wir sind willkommen . Von einem kleinen zeltartigen Raume aus , der unmittelbar hinter der Freitreppe liegt , treten wir nunmehr unseren Rundgang an . Die Zimmer führen noch zum Teil die Bezeichnungen aus der Kurfürstlichen Zeit her : Vorgemach , Schlafzimmer , Kabinett des Kurfürsten , auf dem andern Flügel ebenso der Kurfürstin ; dazu Saal , Porzellankammer , Teezimmer . Die meisten Räume quadratisch und groß . Alle haben sie jene Patina , die alten Schlössern so wohl kleidet und angesichts welcher es gleichgültig ist , ob Raum und Inhalt sich in Epoche und Jahreszahlen einander decken . Nicht wie alt die Dinge sind , sondern ob alt überhaupt , das ist es , was die Entscheidung gibt . So auch hier . Die verblaßten oder auch verdunkelten Tapeten , die Gerätschaften und Nippsachen , – es sind nicht Erinnerungsstücke genau aus jener Zeit Kaputhschen Glanzes , aber sie haben doch auch ihr Alter und wir nehmen sie hin wie etwa einen gotischen Pfeiler an einem romanischen Bau . Beide haben ihr Alter überhaupt , das genügt ; und unsere Empfindung übersieht es gern , daß zwei Jahrhunderte zwischen dem einen und dem andern liegen . Die Tapeten , das Mobiliar , die hundert kleinen Gegenstände häuslicher Einrichtung , sie sind weder aus den Tagen der strengen , noch aus den Tagen der heitern Kurfürstin , die damals hier einander ablösten ; die Hand der Zerstörung hat mitleidlos aufgeräumt an dieser Stelle . Aber wohin die Hand der Zerstörung buchstäblich nicht reichen konnte , – die hohen Deckengemälde , sie sind geblieben und sprechen zu uns von jener Morgenzeit brandenburgischer Macht und brandenburgischer Kunst . Die großen Staatsbilder haben wir bereits in dem kurzen historischen Abriß , den wir gaben , beschrieben , aber viel reizvoller sind die kleinen . Ich schwelgte im Anblick dieser wonnigen Nichtigkeiten . Kaum ein Inhalt und gewiß keine Idee , und doch , bei so wenigem , so viel ! Ein bequemes Symbolisieren nach der Tradition ; in gewissem Sinne fabrikmäßig ; alles aus der Werkstatt , in der die Dinge einfach gemacht wurden ohne besondere Anstrengung . Aber wie gemacht ! welche Technik , welche Sicherheit und Grazie . Wie wohltuend das Ganze , wie erheiternd . Jetzt setzen die Künstler ihre Kraft an eine Idee und bleiben dann , neunmal von zehn , hinter dieser und oft auch hinter sich selbst zurück . Wie anders damals . Die Maler konnten malen und gingen ans Werk . Kam ihnen nichts , nun , so war es immer noch eine hübsche Tapete ; erwies sich aber die Stunde günstig , so war es ein Geschenk der Götter . So Großes fehlt hier ; aber auch das Kleine genügt . Genien und wieder Genien , blonde und braune , geflügelte und ungeflügelte , umschweben und umschwirren uns und die Girlanden , die sich zwischen den Fingerspitzen der