Anmuth schnell bestochen . Sie rühmten die gänzliche Anspruchslosigkeit , mit welcher sie sich ihnen hingab , sie waren bereit , der schönen , vornehmen Italienerin jeden Dienst zu leisten , und es kostete Vittoria also nur ein Wort , die ersten musikalischen Kräfte der Stadt in ihres Sohnes Hause zu versammeln . Der Freiherr fand das Anfangs eben so genußreich , als seinen Absichten entsprechend . Um sich ein Ansehen zu geben und um Vittoria eine Freude zu machen , setzte man regelmäßige Empfangsabende fest , an denen man musicirte , und deren Gäste zu sein die Prinzen selber nicht verschmähten . Aber man mußte den Künstlern , auf deren Mitwirkung man sich angewiesen sah , doch auch eine Entschädigung für ihre Mühe , eine Erwiederung für ihre Gefälligkeit bieten , und da Renatus nicht große Gesellschaften zu geben wünschte , in denen er seine Standesgenossen und die Künstler in auffälliger Art vereinen oder in einer hier nicht angebrachten Weise von einander hätte trennen müssen , ließ er es , wenn auch mit einem Widerstreben von seiner und seiner Gattin Seite , allmählich doch geschehen , daß Vittoria in ihren Zimmern Abends nach eigenem Ermessen ihre musikalischen Bekannten bei sich sah . Anfangs war das nur bisweilen vorgekommen und die Zahl ihrer Gäste war nicht groß gewesen . Man war jedoch damals überhaupt noch geselliger , als jetzt ; es verging daher bald kaum ein Abend , an welchem Vittoria ihre Freunde nicht empfing . Eine Weile sah Cäcilie das mit an ; da sie aber , Dank ihrer Erziehung , eine achtsame Haushälterin geworden war , fand sie sich bald veranlaßt , ihrem Manne die Mittheilung zu machen , daß Vittoria ' s Weise , ein offenes Haus zu haben , Ausgaben verursache , welche sie mit den ihr von Renatus für den gesammten Haushalt festgesetzten Summen nicht zu decken vermöge . Renatus , dem es Ernst damit war , seine Vermögensverhältnisse zu ordnen , erklärte also seiner Stiefmutter , daß er sie bitten müsse , eine Aenderung in ihrer Lebensweise einzuführen , und er gab ihr auch die Mittel und Wege an , wie eine solche ohne alles Aufsehen leicht einzuleiten sein würde , wenn sie sich entschließen wolle , ihre Abende gelegentlich außer dem Hause zuzubringen . Aber Vittoria , die von ihrem Gatten stets wie ein Kind behandelt worden , war auch ein Kind geblieben . Sie weinte , wo sie je auf einen Widerstand gegen ihren Willen stieß , sie hielt es Renatus , als er auch wieder einmal mit großer Schonung nur einige Rücksicht für sich forderte , in leidenschaftlicher Heftigkeit und jede Rücksicht vergessend als eine unedle Handlung vor , daß er ihr , die auf seine Großmuth angewiesen sei , das Gnadenbrod , welches er ihr reiche , zum Vorwurf mache ; sie erinnerte ihn an die Liebe , die er einst für sie gehegt , sie gab ihm ihre freudlose Jugend zu bedenken , sie klagte seinen Vater und ihr Schicksal an , und aufgelöst in Thränen warf sie sich dann Renatus doch wieder in die Arme , der , in allen seinen Empfindungen beleidigt , sie endlich nur zu beruhigen suchen mußte , wollte er die Aufmerksamkeit seiner Leute nicht auf diese Scene ziehen . Vittoria ließ sich danach zwei Tage lang nicht sehen ; ihre Dienerin meldete , daß sie krank sei . Erst am dritten Tage erhob sie sich ; aber auf der Herrin Befehl wies Gaetana die Personen ab , welche gekommen waren , die Baronin zu besuchen . Nur Emilio wurde vorgelassen , und bald war er ' s allein , mit dem Vittoria fast allabendlich nach dem Theater den Thee in ihren Zimmern einnahm . Auch dagegen mußte der Freiherr Einspruch thun . So schwer es ihm fiel , mußte er es seiner Stiefmutter zu bedenken geben , daß eine solche Vertraulichkeit mit einem Manne , der in der Gesellschaft durch seine glücklichen Abenteuer von sich sprechen mache , nicht statthaft sei , und er hatte dabei natürlich neuen Thränen , neuen Scenen zu begegnen , die ihm mit jedem neuen Anlasse peinlicher und lästiger werden mußten . Es kam Renatus hart an , aber er konnte sich jetzt der Ueberzeugung nicht mehr verschließen , daß sein Vater nicht wohl daran gethan habe , den Fehltritt Vittoria ' s zu verbergen und ihm die Sorge für eine Frau , deren leidenschaftliche Verirrung er gekannt hatte , ihm die Sorge für einen jungen Menschen aufzubürden , der nicht sein Bruder war und der , wie seine ganze Entwickelung es verrieth , mit der Begabung seiner Mutter auch ihre völlig rücksichtslose Phantastik ererbt hatte . Das Selbstvertrauen und die Zuversicht , mit denen der Freiherr im Beginne seiner Ehe auf seinen neu errichteten Hausstand und in das Leben und in seine Zukunft geblickt hatte , hielten vor den oftmals wiederkehrenden Verdrießlichkeiten mit Vittoria nicht Stand . Er wünschte lebhaft , daß er sie nicht von Richten fortgenommen , daß er sie nicht zu seiner Hausgenossin gemacht hätte . Nun es aber einmal geschehen war , hielt er es doch nicht für gerathen , eine Aenderung herbeizuführen . Da er bereits , wie man es wußte , mit den nächsten Anverwandten seiner Frau und mit seinem Oheim , dem Grafen Gerhard , in keinem guten Einvernehmen lebte , konnte er sich mit der Wittwe seines Vaters nicht wohl verfeinden , ohne die Meinung der Gesellschaft wider sich zu haben , welche durch die blendenden Eigenschaften Vittoria ' s sehr für dieselbe eingenommen war . Sie hatte sich zum Theil auf seine und auf Cäciliens Kosten den Ruf der höchsten Liebenswürdigkeit gewonnen , ihre Weise , sich gehen zu lassen , hatte etwas so Natürliches , daß man sie überhaupt für einfach und natürlich hielt , und Renatus , der eine gerechte Scheu trug , die unbesonnene und leidenschaftliche Frau aufsichtslos sich selber zu überlassen , ward auch noch durch andere Rücksichten abgehalten , sich von ihr zu