Alters waren , sagten einander zu , und Eleonoren ' s Krankheit hatte dann die Verbindung langsam fortgeführt . Renatus war gelegentlich zu Seba gekommen , sich nach dem Ergehen der jungen Gräfin zu erkundigen ; man hatte es auch nöthig gehabt , von ihm über Eleonoren ' s Verhältnisse unterrichtet zu werden , und ohne daß es zu einem engeren Verkehre zwischen den beiden Familien gekommen wäre , waren sie auf diese Weise doch in einem Zusammenhange geblieben , der es den Einen wie den Anderen möglich machte , beständig von den Vorgängen innerhalb der beiden Häuser bis zu einem gewissen Grade unterrichtet zu sein . Man wußte es in dem Tremann ' schen Hause , daß Renatus mit seiner Schwiegermutter und mit Hildegard nicht auf gutem Fuße stehe ; Davide erfuhr es von Cäcilien , welche Umstände die Mißverhältnisse zwischen ihr und den Ihrigen veranlaßt hatten , und wie selbst ihres Gatten Oheim wider sie Partei genommen habe . Cäcilie klagte , daß er ihnen dadurch mannigfach im Wege stehe , daß er sie großer Vortheile beraube ; aber man sah den Freiherrn und seine junge Gattin immer heiter , und selbst mit der Baronin Vittoria schienen sie gut zurecht zu kommen , obschon das Leben mit dieser , seit sie in die Stadt gezogen , nichts weniger als leicht war . Vittoria hatte , wie sie behauptete , keine großen Bedürfnisse , sie machte , wie sie beständig sagte , nur sehr einfache Ansprüche ; aber ihrer kleinen Bedürfnisse und ihrer einfachen Ansprüche waren viele , und sie hatte es nicht gelernt , sich die Befriedigung eines augenblicklichen Verlangens zu versagen , oder je zu überlegen , ob diese Befriedigung zu dem Kostenaufwande , den sie veranlaßte , in irgend einem Verhältnisse stehe . Es war zum Beispiel allerdings nur natürlich , daß eine Frau von Vittoria ' s musikalischer Begabung und Bildung die Oper und die Concerte zu besuchen wünschte . Es ging ihr damit , wie sie es mit Entzücken nannte , ein neues geistiges Leben auf , und die schöne , sechsunddreißigjährige Frau war auch noch jung genug , es genießen zu wollen und auf eine neue Jugend , auf eine höhere künstlerische Ausbildung für sich denken und hoffen zu dürfen . Sie hatte sich bis dahin nur in alter Kirchenmusik und hier und da im Vortrage von Volksliedern ihrer Heimath versucht . Jetzt , seit ihrer Uebersiedelung in die Stadt , lernte sie die dramatische Musik , die großartigen musikalischen Dichtungen der Deutschen und der Franzosen kennen , und da eine jede Künstlernatur nothwendig das Verlangen hegen muß , sich ihrer Kraft bewußt zu werden , und zu gestalten und darzustellen , was sie in sich trägt , so bemächtigte Vittoria sich schnell , und mit aller Gewalt ihres Talentes , des neuen musikalischen Gebietes , das sich vor ihr aufthat . Vor allem waren es die Mozart ' schen und die Gluck ' schen Opern , von denen sie sich ergriffen fühlte ; aber sie glaubte zu bemerken , daß ihr für den Vortrag derselben eine gewisse Fertigkeit fehle , die sie nur durch Uebung erlangen könne ; und weil in jenen Tagen einer der Hauptträger dieser Opern , der erste Tenor der königlichen Bühne , zugleich ein gründlicher Musiker und ein gebildeter Lebemann war , hatte sie bald gewünscht , seine Bekanntschaft zu machen , um sich von ihm Raths zu erholen . Das erstere hatte sich fast ohne ihr Zuthun gemacht . Der beliebte Sänger war in der Gesellschaft gern gesehen ; man traf ihn in den verschiedensten Kreisen , und da unter den Dilettanten der vornehmen Gesellschaft eine zweite Sängerin wie die Baronin Vittoria nicht zu finden war , fügte sich eine Annäherung der beiden ganz von selbst . Der Sänger - die Baronin nannte ihn , weil sein deutscher Familienname ihrem Ohre nicht gefiel , nach der Weise ihrer Heimath nur mit seinem Taufnamen : Signor Emilio - machte sich ein Vergnügen daraus , eine der Partieen , die er mit Vittoria in einer befreundeten Familie singen sollte , eigens mit ihr zu studiren . Sie empfand das als eine große Förderung , sie sprach ihm dies mit Wärme aus , und er ließ sich denn auch sehr bald überreden , der schönen , reich begabten Frau ausnahmsweise Unterricht zu ertheilen . Niemand hatte daran ein Arg , Vittoria selbst war davon entzückt . Freilich vermochte Emilio , eben weil er bei dem Theater angestellt und durch seine Proben und Dienstgeschäfte sehr in Anspruch genommen war , die festgesetzten Stunden nicht immer regelmäßig einzuhalten ; aber bei einer Frau , die so vollkommen frei über ihre Zeit gebot , wie die Baronin , hatte das wenig zu bedeuten . Sie war ohnehin dem Zwange , der Regelmäßigkeit und jedem Müssen abhold ; sie mochte auch nicht immer singen , wenn Emilio zur Stunde kam , und dem beiderseitigen Hange zur Ungebundenheit Folge gebend , war zwischen ihnen von einem eigentlichen Unterrichte bald nicht mehr die Rede . Emilio kam , wenn er eben konnte ; man sang , man musicirte , wenn man eben mochte . Vittoria versäumte keine Oper und kein Concert , in welchem Emilio beschäftigt war ; sie wurde durch ihn mit anderen Musikfreunden und Musikern bekannt gemacht , und in die vielfachen Uebungen hineingezogen , in denen die Musikliebhaber der Hauptstadt sich damals schon ergingen . So bildete sich für Vittoria neben der Gesellschaft , in welcher sie durch ihre Verhältnisse und durch Renatus heimisch geworden war , noch ein weiterer Umgangskreis , in dem sie , wie sie behauptete , zum ersten Male ihre wahre Heimath gefunden hatte , und in dem sie um ihres Talentes und auch um ihrer Schönheit willen eine große Bewunderung erregte , einer enthusiastischen Aufnahme theilhaftig wurde . Die Baronin Vittoria von Arten war bald in aller Leute Mund . Die Künstlerinnen , und die Hauptstadt war damals reich an großen Sängerinnen , waren von ihr und ihrer