, an deren uneigennützige Freundschaft zu glauben ihr offenbar so wohl thut ? wendete Davide ein , deren sanfte Seele doppelt für die Gräfin sorgte , weil sie neben Eleonorens Vereinsamung ihr eigenes Familienglück noch lebhafter empfand . Paul zog die geliebte Frau in seine Arme . Kennst Du die Macht der Entbehrung und der Trennung nicht , obschon wir lange Jahre von einander fern gewesen sind ? fragte er sie , oder soll ich , dem ihr es immer vorwarft , daß er von den mannigfachen Wahrheiten , die in der Bibel enthalten sind , zu wenig weiß , Euch an ihre Lehren mahnen ? Soll ich Euch erst daran erinnern , daß nur dem Bittenden gegeben , nur dem Anklopfenden aufgethan werden soll ? Sie muß hungern und dursten nach der wahren Liebe , ehe sie derselben mit Segen theilhaft werden kann . - Das Leben hat diesem Mädchen Alles , ohne sein Zuthun , gewährt . Es hat des Wünschens kaum bedurft , es hat das Verlangen , das Entbehren , das Ringen und das Kämpfen um die Befriedigung eines Bedürfnisses nie gekannt , und kein Mensch gedeiht , wenn er den eigentlichen Bedingungen des Daseins in solcher Art entzogen wird . Auch jetzt wieder ist Eleonoren unsere Theilnahme geworden ohne all ihr Zuthun , ohne ihr Verdienst ! O , rief Davide , fühlt sie das denn nicht ? Was will das sagen ? entgegnete Paul . Sie genießt das Gute , das sich ihr bietet , aber es dünkt sie natürlich , daß man ' s ihr gewährt , daß wir es ihr leisten . Sie ist an mich empfohlen , sie ist jung und schön und reich , und der Freiherr von Arten war bei uns noch außerdem ihr Bürge . Laßt es sie empfinden , daß es freie Dienste sind , die sie empfängt . Sechstes Capitel Bald nach der Ankunft Eleonoren ' s , nur wenige Tage , nachdem er Seba ' s Beistand für sie erbeten , hatte Renatus seine Frau und seine Stiefmutter in das Tremann ' sche Haus geführt . Weil er damit in sich eine Selbstüberwindung vollzogen und in seiner Frau Familie deßhalb Widerstand gefunden hatte , war er des Glaubens gewesen , auf Tremann und die Seinigen jedenfalls einen sehr bedeutenden Eindruck durch seinen förmlichen Besuch hervorbringen und in der Art des Empfanges die Anerkennung für diese seine Leistung finden zu müssen . In dieser Erwartung hatte er sich jedoch getäuscht . In dem reichen und angesehenen Kaufmannshause waren Besuche von Fremden an und für sich kein Ereigniß , auf das man irgend ein Gewicht legte . Paul ' s frühe Bekanntschaft mit dem Fürsten Staatskanzler , seine Reisen , seine Handelsverbindungen hatten ihm zeitig einen weiten Umgangskreis eröffnet , und weil beständig Leute , den verschiedensten Nationen angehörig , geschäftlich auf ihn angewiesen wurden , so fanden die Einheimischen an den Fremden und diese an jenen immer eine Gesellschaft , die ihnen Wesentliches zu bieten und in der man sich einer von dem umsichtigen und weltgewandten Hausherrn trefflich geleiteten Unterhaltung zu versehen hatte , welcher dann durch die Bildung und Liebenswürdigkeit der beiden Frauen noch ein erhöhter Reiz verliehen ward . Das Tremann ' sche Haus galt daher mit Recht für das gastlichste der Stadt . Kaufleute , Gelehrte , Beamte und Künstler trafen in demselben mannigfach zusammen , und wenn man mit dem Hofe selbst auch in keiner Verbindung stand , so gab es unter den Edelleuten , welche zu demselben gehörten , doch immer einzelne , die sich es zur Ehre rechneten , sich frei nach ihrem Gutdünken auch außerhalb der enggezogenen Schranken der Etiquette zu bewegen und sich einer Gesellschaft anzuschließen , in welcher allein die durch Bildung veredelte Sitte die Gesetze vorschrieb , die Aufnahme bedingte . In einem Hause , in welchem man die Leute um ihrer alten Familiennamen willen eben so wenig suchte , wenn sie sonst keine Eigenschaften hatten , als man sie um ihres Adels willen mied , wenn sie in sich mehr besaßen , als nur eben ihre alten Titel , konnte man es nicht als eine besondere Ehre ansehen oder sich dadurch geschmeichelt fühlen , wenn der Major von Arten sich in demselben wieder meldete . Es war nur natürlich , daß er , der eine Kränkung gegen Seba gutzumachen und der sich noch dazu plötzlich Hülfe suchend bei ihr eingefunden hatte , seinen Dank für die Bereitwilligkeit auszusprechen kam , mit der man ihm die geforderte Hülfe gewährte , und wenn Seba und Davide die beiden Baroninnen trotzdem noch freundlicher als vielleicht manche andere Fremde bei sich aufnahmen , so geschah es in der ganz bewußten Absicht , es die Frauen nicht empfinden und nicht entgelten zu lassen , daß man sich früher , und bis jetzt mit vollem Rechte über Renatus zu beschweren gehabt habe . Während dieser sich nun bemühte , seine lange Versäumniß vergessen zu machen und es kundzugeben , daß in seinem Innern eine gewisse Wandlung vorgegangen sei , begegnete Paul ihm mit jener ruhigen Zuvorkommenheit , welche dem Gebildeten , der viel mit Fremden zu verkehren hat , zur anderen Natur wird . Er war nicht gewohnt , die Gäste seines Hauses um irgend etwas zu befragen , was ihm mitzutheilen sie sich nicht veranlaßt fühlten ; er und die Seinigen kannten ohnehin die Arten ' schen Familienverhältnisse genau genug , und da Renatus sich Paul ohne dessen Zuthun angenähert hatte , fand dieser , nachdem man darüber einig geworden war , daß Seba das Arten ' sche Haus nicht besuchen würde , um die Möglichkeit eines Zusammentreffens mit dem Grafen Gerhard zu vermeiden , keinen Grund mehr in sich , den Freiherrn zurückzuweisen , besonders da eben Seba eine Vorliebe für denselben bewahrt hatte , welche sie geneigt machte , das Geschehene zu verzeihen und zu vergessen . Man hatte also Renatus und die Seinigen zu einem der ersten Gesellschaftsabende eingeladen ; Cäcilie und Davide , die ziemlich gleichen