unterstützt , da sie selbst abbrachen , was sie nur erreichen konnten . Die letzte Hand aber anzulegen , verhinderte das darauf eintretende Regenwetter . Nun ist ' s aber Zeit , die Trauben verderben ! hieß es . Da mußte man sich entschließen , einen Tag zur Lese zu bestimmen . Die Kinder hatten soviel von der künftigen Lese der Trauben , von den Festlichkeiten , dem Gebäck , dem Feuerwerk hören müssen , daß sie nun auch trotz des Wetters darauf bestanden , daß es Festlichkeiten , Kuchen und Feuerwerk geben sollte . Kein Einwand konnte helfen . Man lud auf einen bestimmten Nachmittag einen Kreis von Freunden des Hauses ein , gleichviel , ob sie drinnen oder draußen dem Jubel der Kinder zusehen wollten . Und nun spannte der Himmel einen sonnigen Baldachin über diese Freude aus , gab Wärme , trocknete die Wege , die Bänke , lachte mit der Freude der Menschen . Die Fürstin zeigte heute ein gewisses Anordnungstalent . War doch überhaupt ihre Bequemlichkeit , ihr Phlegma schon seit einiger Zeit gewichen ! Sie nahm sich der Ordnung des Hauses mehr , als sie sonst gewohnt war , an . Veranlassung genug , mit Olga , die von einem gleichen Drange nach Bethätigung beseelt war , fortwährend dabei in Conflict zu gerathen . Wie lebhaft hatten sie nicht den ganzen Vormittag gestritten über die Anordnungen , die zu dem kleinen Feste getroffen werden sollten ! An der Stelle , wo in schöneren Tagen Abends der Thee getrunken wurde , sollte ein großes Parquet von Bretern gelegt werden , um die feuchte Erde den Füßen nicht fühlbar zu machen . Darüber war Mutter und Tochter einig . Nun aber wollte die Fürstin ein Zelt geschlagen wissen , das sich von diesem Parquet erheben und die Gäste vor jeder Laune der Witterung schützen sollte . Olga protestirte gegen das Zelt und berief sich auf das schöne Wetter und die erquickende Gewalt der freien Luft . Man stritt , ob das Wetter Bestand haben würde . Olga behauptete , es fest verbürgen zu können . Die Mutter fand diese Bürgschaft lächerlich , kindisch ; sie erhitzten sich darüber bis Rudhard dazwischen kam und oben von seinem Zimmer hinunterrief , der Sensenmann an seiner Uhr , der lange gestockt hätte , wäre wieder von selbst in Thätigkeit , das bedeute schönes Wetter . Ärgerlich über diese Entscheidung entfernte sich die Fürstin und sagte , sie wolle Olga nun ganz gewähren lassen . Laß du mich nur ! sagte diese ruhig und traf ihre Anstalten . Das Parquet war geschlagen und mit Teppichen belegt . An der einen Seite wurde ein Tisch für die Erfrischungen , die genommen werden sollten , aufgestellt . Auf der andern ließ Olga einen großen Fruchttisch errichten . Sie hatte schon gestern den ganzen Tag Blumengehänge flechten und verbinden lassen . Diese wurden an dem Hause und den nächsten Bäumen befestigt und hier und da noch von grünen Stäben unterstützt . So gab das ein freundliches Dach , unter dem sich der große Fruchttisch ganz malerisch ausnahm . Sie hatte ihn mit bunten Decken belegt und mit allen in dem Garten gewonnenen Früchten geziert . In Porzellankörben , in krystallenen Schalen lagen hochaufgethürmt Äpfel , Birnen , Zwetschen , im höheren Centrum Pfirsiche , Aprikosen , und eine Melone bildete den höchsten Mittelpunkt . Dazwischen lagen Weinblätter , mit denen die Gefäße garnirt waren . Man konnte diesen Tisch kaum mit dem Verlangen betrachten , davon zu essen . Man konnte nur wünschen , daß dies schöne Ensemble unangerührt und ungestört bliebe . Die Mutter würdigte diese ganze Veranstaltung kaum eines Blickes und war doch so eifersüchtig , daß sie Olga anwies , sich nun um das Weitere , was die Weinlese selbst betraf , nicht zu bekümmern . Aber auch da ging es ihrer Autorität schlimm . Die Fürstin verlangte , daß alle gewonnenen Trauben von den Dienern und Mägden auf einem großen Tische , wo Jeder nach Belieben davon nehmen könnte , in der Mitte des Gartens aufgehäuft würden und rückte nun an diesem Tische und ließ ihn da- , dorthin transportiren . Olga fand diese Einrichtung komisch und der Weinlese nicht im mindesten entsprechend . Sie sagte Das in aller Ruhe , reizte aber die Mutter gerade durch diese Ruhe mehr , als durch Heftigkeit . Wie denkst du dir ' s denn , Olga ? fragte Rudhard gelassen . Olga sagte : Es müßte sogleich in die Stadt auf den Markt geschickt und ein Dutzend kleiner Handkörbe gekauft werden und ein Dutzend kleiner Gartenmesser von krummer Gestalt ; Messer zum Einschnappen . Diese Körbe und diese Messer müßte dann die Hausfrau jedem Gaste , der helfen wolle , mit höflicher Bitte feierlich überreichen und so müsse zu gleicher Zeit von Allen der Wein geschnitten werden . Rudhard konnte auch diesen Vorschlag nur billigen und der Fürstin , so peinlich es ihm war , wieder Unrecht geben . Diese kopfschüttelnd rief verdrießlich einem ihrer Diener und schickte ihn in die Stadt , sogleich zwölf kleine längliche Handkörbe und zwölf krumme Messer zu kaufen . Der Diener ging , nachdem er vorher Rudhard einen soeben für ihn von dem Postboten gebrachten Brief überreicht hatte . Rurik und Paulowna hatten , wie Das unter Kindern bei solchen Anlässen immer ist , eine so überselige Erwartung , daß keine Wirklichkeit ihr hätte gleichkommen können . Bei Tisch entspann sich neuer Zwiespalt zwischen Mutter und Tochter . Man aß ausnahmsweise , weil die Gäste um drei Uhr erwartet wurden , sehr früh . Die Fürstin wollte , daß die Kinder sich wie gewöhnlich satt aßen , damit sie von den spätern Torten , Früchten und dem Eise nicht zu gierig naschten und ihrer Erziehung Schande machten . Olga verlangte gerade im Gegentheil , daß sie wenig aßen und sich nachher desto unschädlicher an den Näschereien erfreuen könnten , die einmal doch nicht unterbleiben würden . Rudhard hörte absichtlich nicht auf den Streit . Er