Moorbecken ergossen . In jener Nacht wurde der Schwielow geboren . Im Einklange hiermit ist es , daß die weite Wasserfläche , die jetzt diesen Namen führt , mehr durch ihre Masse als durch ihre Tiefe imponiert : der Schwielow hat ganze Striche , wo man Grund fühlen , noch andere , wo man ihn durchwaten kann . Unter allen unsren Seen kommt er dem Müggelsee am nächsten . An Fläche und Ausdehnung diesem Könige der märkischen Gewässer nah verwandt , weicht er im Charakter doch völlig von ihm ab . Die Müggel ist tief , finster , tückisch , – die alten Wendengötter brauen unten in der Tiefe ; der Schwielow ist breit , behaglich , sonnig und hat die Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen . Er hält es mit leben und leben lassen ; er haßt weder die Menschen noch das Gebild aus Menschenhand ; er ist das Kind einer andern Zeit und der Christengott pochte vielleicht schon an die Tore , als er ins Dasein trat . Der Schwielow ist gutmütig , so sagten wir ; aber wie alle gutmütigen Naturen kann er heftig werden , plötzlich , beinahe unmotiviert , und dann ist er unberechenbar . Eben noch lachend , beginnt ein Kräuseln und Drehen , nun ein Wirbel , ein Aufstäuben , ein Gewölk – es ist , als führe eine Hand aus dem Trichter , und was über ihm ist , muß hinab in die Tiefe . In solchen Augenblicken gibt er der Müggel nichts nach . Es gibt ganze Linien , wo die gescheiterten Schiffe liegen . Ihn zu befahren in seiner ganzen Breite , war seit lange mein Wunsch . Heute bot sich die Gelegenheit . Der Wind war gut , ein regelrechter Südost . An der Fährstelle zu Kaputh lag das Boot ; grün und weiß die Planken und Ruder ; das Segel war noch an den Mast gebunden . Wir stiegen ein zu dritt , mit uns die Söhne des Fährmannes , drei junge Kaputher Midshipmen zwischen zehn und vierzehn , die auf dem Schwielow für den vaterländischen Dienst sich vorbereiten , wie einst der Peipus die hohe Schule war für die werdende russische Flotte . Sie hatten bereits die Ruhe des Seemanns ; dazu blaue Mützen mit Goldstreif und den Anker daran . Der Älteste nahm den Platz am Steuer ; nun los die Bänder , der Wind fuhr in das flatternde Segel und wie ein Pfeil glitten wir über die breite Fläche hin . Der Fährmann , eine prächtige Gestalt , stand am Ufer und wünschte gute Fahrt . Wir gaben Antwort mit Hohiho und Mützenschwenken . Eine Weile ging das Geplauder , aber bald wurden wir still . Wir waren jetzt in der Mitte des Sees , die Sonne stand hinter einem Gewölk , so daß alles Glitzern und Blenden aufhörte , und nach links hin lag jetzt in Meilentiefe der See . Ein Waldkranz , hier und da von einzelnen Pappeln und Ziegelessen überragt , faßte die weiten Ufer ein ; vor uns , unter Parkbäumen , Petzow und Baumgartenbrück , nach links hin , an der Südspitze des Sees , das einsame Ferch . Dieser einsame Punkt war mit unter den Lieblingsplätzen Friedrich Wilhelms IV. , der in Sommertagen , wenn er abends zu Schiff in die Havelseen hinausfuhr , gern hier anlegte und seine Teestunde im engsten Kreise verplauderte . Noch zeigt eine umfriedete Stelle den Platz am Abhang , wo er zu sitzen und das schöne Bild zu überblicken liebte . Jetzt lag die Breite des Sees hinter uns ; noch durch einen Schilfgürtel hindurch und wir glitten das schlammige Ufer hinauf ; nur der Stern des Kahns lag noch im Wasser . Hügelan steigend suchten wir eine schattige Stelle unter dem Dach zweier halb zusammengewachsener Akazienbäume und sahen nun hinaus auf die blanke Fläche , auf das Spiel wechselnder Farben und auf das stille Leben , das darüber hinglitt . Blaue Streifen zogen sich durchs Grau , dann umgekehrt , und quer durch diese Linien , über die das Licht hinglitzerte , kamen und gingen die Schiffe . Die Segel standen blendend weiß in der Sonne . Stunde und Stimmung waren günstig zum Plaudern . Unser Schwielowführer nahm das Wort und an den Rand des Schattens tretend , der unsern Platz umzirkelte , hob er jetzt geschäftig an : » Dort , wo Sie den grauen Streifen sehen , fast in der Mitte , aber mehr nach Kaputh zu , dort liegen die Schiffe , die der Schwielow hinabgerissen ; was er hat , das hält er fest ; er gibt sie schwer wieder heraus . Und doch soll er ' s und doch wird er darum angegangen . Die Versicherungsgesellschaften setzen ihm scharf zu und fragen nicht lange , ob er will oder nicht . Es ist noch nicht lange , da haben sie ' s wieder versucht . In Kaputh gibt es immer einen Freudentag ; ob ' s glückt oder nicht , es bringt uns Geld ins Dorf . « » Wie werden denn diese Hebungsversuche gemacht ? « » Das ist einfach genug . Eines Tages erscheinen zwanzig Mann oder mehr , und mit ihnen kommen zwei große , starke Havelkähne , mit hohen Wänden , zugleich mit allerhand Maschinen und Hebevorrichtungen an Bord . Nun legen sich die beiden Havelkähne zu seiten des untergegangenen Schiffes , von einem Kahn zum andern werden drei starke Bohlenbrücken gelegt und auf diese Brücken drei Drehbassen gestellt . Ein Assekuranz-Taucher , der immer mit zur Stelle ist und zu den Hauptfunktionären zählt , tritt nun seine Niederfahrt an , und unter dem Rumpf des gesunkenen Schiffes hinweg – an den Stellen , die oben den drei Brückenlagen entsprechen – zieht er jetzt drei eiserne Ketten , die nunmehr jede einzelne zusammengeknotet und an dem Kranhaken befestigt werden . Nun beginnen die Drehbassen ihr Werk . Geht alles gut und denkt der Schwielow bei sich : › nun meinetwegen ‹ , so