, mich abgeschworen von ihrer Kirche , ihre Gesellschaft hat mich ausgestoßen : ich bin für sie nicht mehr vorhanden ! Und mit einer Bitterkeit , welche sich oftmals in Eleonorens Worten zeigte , setzte sie hinzu : Ich wollte ja frei sein ! Nun bin ich frei , frei wie der Vogel in der Luft ! Wen kümmert es , wohin er zieht und wo er endet ? Bisweilen fragte sie , ob Briefe für sie angekommen wären . Aber sie schien zufrieden , wenn man es ihr verneinte . Merkte sie dann , daß dies ihren neuen Freunden auffiel , so äußerte sie , gleichsam sich entschuldigend , sie habe Ruhe nöthig , sie müsse sich erst wieder daran gewöhnen , daß sie weiter leben solle . Und als Paul , dessen männliche Bestimmtheit von dem ersten Augenblicke an einen guten Eindruck auf sie machte , sie nach einer solchen Aeußerung einmal fragend ansah , sprach sie : Ich habe zu sterben geglaubt und war damit zufrieden ; denn was soll ich noch im Leben und in einer Welt , der nicht mehr anzugehören ich geschworen habe ? Und doch liebe ich noch diese Welt , doch freut mich noch die Luft und das Licht , doch entzückt mich das Lächeln Ihrer Kinder , und ich könnte weinen über die Güte , die Sie Alle mir beweisen ; vor Schmerz und vor Freude weinen , wenn ich es hier sehe , wie glücklich man auf Erden sein kann ! Als ihre Kräfte gewachsen waren , verlangte sie nach Renatus . Sie wollte ihm danken für all das Gute , welches ihr durch seine Vermittlung während der langen Leidenszeit zu Theil geworden war ; aber das Wiedersehen that weder der jungen Gräfin , noch ihrem Freunde wohl . Sie konnten sich nicht in einander finden . Ist das die strahlende Eleonore ? Ist dieses Mädchen mit den sanften , hülfesuchenden Augen das königliche Wesen , dem meine Huldigung sich kaum zu nahen wagte ? fragte Renatus sich in seinem Innern , und es war ihm , als habe er die Gräfin in einer ihr feindlichen Verzauberung vor sich , da ihr die stolze Umgebung fehlte , in der er sie bisher zu sehen gewohnt gewesen war . Er hatte Mitleid mit ihr , aber er schämte sich fast der anbetenden Empfindung , mit der er einst zu ihr emporgeblickt , und sie hinwiederum hatte ihre gegenwärtige Lage nie schwerer als in des Freiherrn Gegenwart gefühlt . Sein Bedauern that ihr wehe . Sie hätte den Freiherrn bitten mögen , sie zu meiden , hätte sie nicht gefürchtet , den Schein der Undankbarkeit oder den der Feigheit auf sich zu laden . Sie ließ es also geschehen , daß Renatus , um sich und Eleonore vor den Mißdeutungen der gegen sie erregten übelwollenden Neugier zu bewahren , auch seine Frau und seine Stiefmutter zu ihr brachte . Aber auch an dem Beisammensein mit diesen beiden Frauen fand Eleonore kein Gefallen . Sie konnte die Stunde nicht vergessen , in welcher sie sich dem Freiherrn zur Gattin angetragen hatte . Sie nannte es in ihrem Herzen eine durchaus berechtigte That , daß er sie zurückgewiesen hatte ; dennoch vermochte sie die Mißempfindung gegen die Frau , um derentwillen sie , wie sie glauben mußte , verschmäht worden war , in sich nicht zu besiegen . Die Zuvorkommenheit , mit welcher Cäcilie ihr begegnete , kam ihr erkünstelt vor und war es auch zum Theil , und die Erzählungen aus der Gesellschaft , durch welche sie und Vittoria die junge Gräfin zu unterhalten strebten , hatten keinen Reiz für diese letztere . Eleonore dachte nicht daran , an diesem Hofe zu erscheinen . Die Namen der Personen , auf deren Gunst oder Ungunst die Gattin und die Stiefmutter des Majors von Arten Gewicht zu legen hatten , waren für Eleonore Haughton ohne jegliche Bedeutung , und schon nach wenigen Besuchen bei der Kranken brauchte Renatus es seiner jungen Gattin nicht mehr zu versichern , daß er Eleonore zwar bewundert , aber nicht geliebt habe , daß er sie niemals hätte lieben können und daß sie überhaupt in ihrer Herzenskälte ihm nicht für die Liebe , nicht für die Ehe geschaffen zu sein scheine . Wurde doch Eleonore selber oftmals an sich irre , wenn sie es ihren Pflegern auszusprechen wünschte , was sie für sie fühlte , und wenn sich ihr das Wort , das sie von früher Jugend an mit seltener Gewalt bemeistert hatte , jetzt versagte , wo es sie drängte , sich ihnen zu erschließen und sich ihnen hinzugeben . Was können wir für sie thun ? fragte Seba oftmals , wenn sie und die Ihren das innere Ringen und Kämpfen in Eleonorens Seele wahrnahmen . Soll man so viel Schönheit , so viel Gaben in Einsamkeit verloren gehen lassen ? Oder wie soll man es beginnen , sie mit dem Verstande einsehen zu lassen , was sie ahnend fühlt : daß sie verloren ist , wenn sie ihrer eigensten Natur entgegenhandelt ? Paul hörte diese Klagen , in denen Davide mit Seba stets zusammentraf , mit jenem zuversichtlichen Gleichmuthe an , der ihn fast nie verließ . Auch er hatte Theilnahme für Eleonore gewonnen , und es waren nicht nur ihre Schönheit , ihre Jugend und ihr Mißgeschick , welche sie in ihm erregten . Sie ist eine Kraft , sagte er einmal , aber eine Kraft , die sich noch nicht zu würdigen weiß , weil sie sich überschätzt . Dem Tode ist sie jetzt entrissen ; ob sie dem Leben zu gewinnen ist , das steht dahin . Ihre Gesundheit ist im Wachsen , sie bedarf Eurer nicht mehr wie sonst , überlaßt sie jetzt sich selbst . Und soll es sie ermuthigen , wenn wir , denen sie ihre Neigung zugewendet hat , uns ihr entziehen ? Soll sie , die ohnehin der übeln Erfahrungen so viele schon gemacht , auch an uns irre werden