der That , wenn auch nur scheinbar , zu entführen ... Übereinstimmung ist der Köder , sagte er sich , mit dem man die Füchse hervorlockt aus ihren Gruben , wenn man sie fangen will ! Diese Welt ist nicht für die Ehrlichkeit . Jedes Geheimniß hat seinen eigenen Schlüssel . Die Weisheit soll die Klugheit zu ihrer Dienerin haben . Jene thront , diese regiert . Nur Die sind übel daran , die in ewiger Klugheit immer die Sprache der Menschen reden müssen und darüber die Sprache des Himmels vergessen . Das Flammenschwert der Wahrheit , das auf einmal alle Truggespinnste durchschneidet , darf man nie aus der Hand geben . Aber man soll es auch nicht ewig schwingen , man soll es auch nicht brauchen gegen Jeden . Mit diesem Elenden willst du gehen , bis du ihn entlarvt hast ! Der Jesuit aber verließ bald darauf freudestrahlend die Gräfin , um den Propst Gelbsattel zu besuchen . Sylvester Rafflard war in einer ewigen Bewegung , wie damals , als er auf dem Fortunaball Fränzchen Heunisch umschwirrte , die ihm gefiel und für seine Huldigungen unbefangen genug schien . Sein ganzes Wühlen und Schleichen liegt nun am Tage . Er hatte Franziska später in ihrer bescheidenen Existenz aufgesucht , sich die Mühe gegeben , scheinbar ihre Sprachstudien zu leiten , aber bald dem Plane entsagt , sie für seine niedrige Sinnlichkeit erobern zu wollen . Dennoch behielt er das schöne Mädchen im Auge , als er bemerkte , wie werth sie jenem Louis Armand geworden war , der über den Prinzen Egon eine Herrschaft übte , die er brechen mußte , um eine Verbindung zwischen Egon und Helenen zu Stande zu bringen . Sein Späheramt , das er auf Louis Armand unter dem Namen eines Italieners , Signor Barberini , ausüben wollte , wurde gestört , da er als Besitzer eines Quartiers , das er nie bewohnte , bald verdächtig werden mußte . Er hatte Louis Armand der Polizei als Communisten angezeigt , doch davon noch keinen Erfolg bemerken können . Die alte Gräfin d ' Azimont schrieb Brief auf Brief und hoffte von ihm die baldigste Bestätigung , daß Helene auf eine Scheidung von ihrem Sohne dringe , den sie selbst beerben wollte . So entschloß sich Rafflard zu Gewaltschritten . Dankmar , Siegbert Wildungen schienen ihm schon so gut wie von Egon entfernt . Rudhard , der für die Kinder seiner Pflegebefohlenen , der Fürstin Wäsämskoi , auf Helenen ' s künftiges Vermögen rechnete , hatte zwar auch das lebhafteste Interesse , diese Scheidung und die neue Heirath mit dem mittellosen Fürsten von Hohenberg zu hindern ; aber auch für Rudhard sann der Jesuit auf eine Gelegenheit , ihn unschädlich zu machen . Am liebsten wär ' er in den Kreis der Fürstin Adele selbst eingetreten . Doch nahm man ihn dort nicht an . Er stand der inneren Verwickelung dieser Familie fern und konnte nur durch den Propst Gelbsattel und besonders dessen Töchter erfahren , was sich in jenen Kreisen begab ; denn Gelbsattel hatte die alte Schulfreundschaft mit Rudhard , wenn nicht wegen Rudhard , doch wegen einer Fürstin , bei der Rudhard so einflußreich war , wieder angeknüpft . Rafflard hatte nun den Trost , daß Egon plötzlich allein stehen würde ; denn Louis Armand durch einen gefährlichen Anschlag auf Franziska Heunisch mindestens bis London zu jagen , schien ihm nun ein Leichtes . Er wandte sich der alten Propstei zu , um seinen dortigen Beschützern noch einmal an ' s Herz zu legen , daß man über Alles , was heute Nachmittag auf einer von der Fürstin Wäsämskoi in ihrem Garten veranstalteten Weinlese sich ereignen würde , ihm den genauesten Bericht erstatten sollte . Auch hatte der Propst dem Jesuiten schon lange versprochen , ihn mit einigen bedeutenden , tonangebenden , außerhalb der Partei stehenden Männern der Residenz näher bekannt zu machen , mit Franz Schlurck , mit Drommeldey , mit Guido Stromer , ja , wenn es irgend ginge , bei zufälliger Begegnung sogar mit dem General Voland von der Hahnenfeder , der schwer zugänglich und stets vom Hofe in Anspruch genommen war . Der Propst hatte ihm gesagt , es müßte Dies an irgend einem dritten Orte geschehen , damit es den Schein der Zufälligkeit gewänne . Die Welt wäre mistrauisch und das Unschuldigste verfiele der Beurtheilung ; die Harmlosigkeit der alten Tage wäre vorüber und selbst die Loge , dies sonst so friedliche Asyl der reinsten Bruderliebe und der duldsamsten Neutralität , böte nicht mehr den alten Schutz , wo denkende Menschen sich unbefangen aussprechen und eine gewisse Universalität der Standpunkte voraussetzen könnten . So sehen wir einen Menschen mehr aus angeborener Lust am Bösen , als um eigener Vortheile willen die harmlos dahinlebenden , uns liebgewordenen Wesen umwühlen , und außer den Gruben , die sich jede lebhafte Empfindung und starke Willenskraft schon durch ihre eigene Leidenschaft gräbt , ihnen noch neue Gefahren bereiten , unvorhergesehene , unverschuldete , verderbenschwangere . Viertes Capitel Mutter und Tochter Zur Freude der kleinen Wäsämskoi ' s hielt sich das Wetter und über Mittag war keine Wolke mehr am Himmel . Das tiefdunkelste Blau überzog den ganzen Horizont . Die hier und da schon halbentlaubten Bäume ließ die letzte Fülle der hochgewachsenen Herbstblumen vergessen . Den gelbgewordenen Schmuck der Gärten entfernte die geschäftige Hand des Gärtners . Man hatte noch Grün , man hatte noch Blumen die Fülle . Niemand konnte glauben , daß es schon zum Winter ging . Der große Garten , der sich an die auch für den Winter behaltene Wohnung der Fürstin Wäsämskoi lehnte , war an Blumen nicht minder wie an Obst und allen Früchten reich . Das große Rebenspalier mit seinem gewölbten Dache , unter dem man im Sommer kühlenden Schatten , ja Schutz vor dem Regen gefunden hatte , kennen wir schon . Der Gärtner hatte schon im September die reiche Traubenernte für reif zum Abnehmen erklärt und die Kinder hatten ihn in dieser Meinung