uns in der ganzen Buntheit modernen Lebens , die lange blaue Seidenrobe der einen Dame bauschte und knisterte bei jeder Bewegung und die Tressen und Fangschnüre des Dieners blitzten im Licht . Wir standen jetzt so , daß wir durch Heben und Senken unserer zwei Kerzen die prächtigsten Sarkophage : den Steinsarg des Feldmarschalls und rechts und links daneben die Särge seiner beiden Gemahlinnen ohne Mühe sehen und ihre Ausschmückung bewundern konnten . Aber wo stand Hans Hermann ? Wir taten scheu die Frage , die der Diener seinerseits ohne jegliches Bedenken aufnahm und abermals voranschritt . Wir folgten ihm , nach links hin , bis in die Ecke des Raums . Die Särge standen hier minder dicht . Einer unter ihnen war ein schlichter , langer Holzsarg , dessen Farbe teils abgegriffen , teils abgesprungen war . Das war er . Der Diener gab mir den Leuchter , faßte den Deckel und schob ihn beiseite . Noch verbarg sich uns sein Inhalt . In dem äußeren Sarge stand ein zweiter , der eigentliche , vielleicht der , in dem man ihn zu Küstrin gelegt hatte , eine bloß zugeschrägte Kiste mit einem flachen Deckel . Nun hoben wir auch diesen und blickten auf alles Irdische , was von dem unglücklichen Katte noch übrig ist . Ein hellblauer Seidenmantel umhüllt den Körper . Da wo dieser Mantel nach oben hin aufhört , liegt ein Schädel , neben dem Schädel eine blaue , kunstvoll zurechtgemachte , mit Spitzenüberresten geschmückte Schleife , die früher das schöne Haar des Toten zusammenhielt . Noch in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts war der Schädel wohl erhalten , seitdem aber , weil niemand lebte , der die Gruft und speziell diesen Sarg vor Unbill geschützt hätte , trat der Verfall ein , der sich jetzt zeigt . Es erging in Wust den Überresten des jungen Katte genau ebenso , wie es in Gusow den Überresten des alten Derfflinger erging ; frivole Neugier , renommistischer Hang und Kuriositätenkrämerei führten zu offenbarer Entweihung . Über einzelnes wird berichtet . Ein junger Ökonom im Dorfe wettete in heiterer Mädchengesellschaft gegen einen Kuß , er wolle den Katteschen Schädel um Mitternacht herbeiholen und wieder an seine Stelle tragen . Er gewann auch die Wette , bestand aber nicht auf Zahlung und erklärte hinterher : nie wieder . Etwa um dieselbe Zeit , oder schon etwas früher , erschien ein Engländer in Wust , ließ sich die Gruft aufschließen und trat an den geöffneten Sarg . Er war offenbar ein Kenner , suchte unter den Halswirbeln umher , fand endlich den , den das Richtschwert durchschnitten hatte , und führte ihn im Triumphe weg . Andere nahmen die Zähne des Enthaupteten als Erinnerungsstücke mit , so daß , als Anfang der fünfziger Jahre das traurige Administrations-Interregnum endlich sein Ende erreichte , der neue Besitzer ein wüstes Durcheinander vorfand . Die Pietät kam zu spät . Was noch geschehen konnte , geschah , ganz besonders auch an dieser Stelle . Eine Art Ordnung wurde wieder eingeführt , das eine oder andere gerettet und beispielsweise ein Rest Katteschen Haares in einer Kapsel sorglich verwahrt . Aber die Zerstörung der voraufgegangenen dreißig Jahre konnte nicht wieder ausgeglichen , das , was fort war , nicht wiedergewonnen werden . Wir schlossen die Sargkiste , traten in das Licht des Tages zurück und schritten auf das Herrenhaus zu . Aber es duldete uns nicht in den geschlossenen Räumen und der stille Park und seine breiten Rüsteralleen nahmen uns alsbald auf . Da lagen die umgestürzten Statuen , zerbrochen , zerschlagen , halb überwachsen von grünem Gesträuch . Auch hier die Bilder der Vergänglichkeit . Unser Weg führte uns zuletzt bis an die Grenze des Parks . Eine Birkenbrücke , über einen Graben hinweg , ging ins Freie , breite Wiesen dehnten sich vor uns , jenseit stiegen Kirchentürme auf und aus der Niederung zog ein Nebel langsam zu uns her . Es dämmerte . Und wie Dämmerung kam es über uns selbst , jener traumwache Zustand , dem Leid und Freud ' , dem Trauerspiel und Posse , dem der enthauptete und der Stiefel-Katte gleichmäßig zu Bild und Erscheinung werden , – zu Gliedern in derselben Kette . Der Schwielow und seine Umgebungen Der Schwielow Der Schwielow Mit der Wasser Steigen steigt auch das Gefühl ihm seiner Kraft , Und der Damm , er ist zertrümmert und durchbrochen ist die Haft . » Der Wenersee . « * Sieh den Schwan , Umringt von seiner frohen Brut , Sich in den roten Widerschein Des Himmels tauchen ! Sieh , er schifft , Zieht rote Furchen in die Flut Und spannt des Fittigs Segel auf . ( Irin ) Ewald von Kleist Der Schwielow ist eine Havelbucht im großen Stil wie der Tegler See , der Wannsee , der Plauesche See . Allesamt sind es Flußhaffe , denen man zu Ehre oder Unehre den Namen » See « gegeben hat . In etwaige Rangstreitigkeiten treten wir nicht ein ; sie mögen unentschieden bleiben wie andere mehr . Unter allen Havelbuchten , welchen Namen sie immer führen mögen , ist der Schwielow die größte und sehr wahrscheinlich auch die neueste . Vielleicht zählt dies weite Wasserbecken noch keine tausend Jahre , keinenfalls geht es weit in die Vorgeschichte zurück . Mannigfachen Anzeichen nach ging in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung die südliche Ausbuchtung der Havel nur etwa eine Meile über Potsdam hinaus und ein Erdwall , über dessen Ausdehnung und Beschaffenheit es nutzlos wäre zu konjekturieren , schob sich etwa in der Höhe des Dorfes Kaputh trennend zwischen die höher gelegene Havel im Norden und ein tiefer gelegenes Moorland im Süden . Da , in einer Sturmnacht , staute ein Südwest die ihm entgegenfließenden Havelwasser bis an die Potsdamer Enge zurück und plötzlich umschlagend in einen eisigen Nord-Nord-Ost stieß er die aufgetürmte Wassermasse mit solcher Gewalt gegen den Erdwall , daß dieser zerbrach und die bis dahin abgedämmten Havelwasser wie aus einem Schleusenwerk sich in das tiefer gelegene