Besonders wenn wir uns einstweilen gleichfalls als solchen zeigen ... Damit überreichte Rafflard Murray ein schon vorbereitetes Papier , in welchem Goldstücke in reicher Anzahl hin- und herrutschten . Murray nahm sie ohne Bedenken mit künstlicher Gier und versprach schon morgen um diese Zeit , an dieser Stelle Bericht zu erstatten . Rafflard schlug ihm auf die Schulter und begleitete ihn durch den Salon , wartete aber wohlweislich , bis Murray die Thürklinke ergriffen hatte und hinaus war . Dann harrte er noch einige Sekunden , um zu lauschen , ob der halbe Bandit auch wirklich ging und die Drohung mit den silbernen Leuchtern nicht wahr machte . Dann aber wandte er sich , um zur Gräfin zu gehen ; denn der Bediente begegnete ihm und sagte , er hätte eben Herrn Heinrichson angemeldet . Heinrichson mußte also im Vorzimmer sein . Unangenehm berührt von diesem Namen , aber unendlich befriedigt von dem glücklichen Erfolg des Kaufes , den er an dem Entführer eines jungen Mädchens gemacht zu haben glaubte , trat Rafflard wieder zur Gräfin ein ... Murray aber , noch verwirrt von dem Erlebten , stand eine Weile in dem Vorzimmer . Sollte er doch die Maske fallen lassen und mit hohnlachendem Ingrimm über Sylvester Raffland , den Philanthropen , in ein Strafgericht ausbrechen ? Wie er noch stand , ging ein Herr vorüber , um in den Salon zu treten . Er streifte seine Kleider . Murray blickte auf und erkannte Heinrichson , den er bei dem Maler Reichmeyer angetroffen hatte , als er diesen besuchte , um den Versuch zu machen , ob man nicht durch eine Malersitzung die wahnsinnige Auguste heilen könnte , da Auguste unaufhörlich von ihrem Bilde phantasirte ... Ha ! Ha ! rief er mit einem wilden Anfalle bitterster Ironie : Sie hier ? Gibt es hier auch Modelle , Herr ? Heinrichson wandte sich und sah zu dem Sprecher verächtlich zurück . Murray hatte bei Reichmeyer nur seinen Namen erfahren und Heinrichson war gegangen , als er merkte , daß dieser wunderliche alte Mann mit seinem Kunstgenossen allein zu sprechen wünschte . Schön und gefällig wie Heinrichson war , hatte er Murray ' s Interesse erregt und damals die Frage nach ihm veranlaßt . Sie kennen mich nicht ! sagte Murray . Ich habe die Ehre , Herrn Heinrichson - eine junge Verwandte wollte ich von Ihnen malen lassen . Sie wollte aber nicht sitzen , als ich Ihren Namen nannte - Auguste Ludmer , Herr Heinrichson ! Heinrichson erschrak über diese Zudringlichkeit und wollte zur Gräfin . Murray hielt ihn fest und sagte ihm mit einem Tone , der sich durch scheinbaren Scherz selber mäßigte : Sie sollten sie malen , Herr , wie ich ein Stück in London gesehen habe , als ich im Theater war . Ein tolles Mädchen trat auf , der Einer den Kranz zerrissen hatte , Stroh und Blumen trug sie auf dem Kopf , sang Lieder und war toll ... Malen Sie Das , mein Herr ! Auguste Ludmer kann Ihnen dazu im Narrenthurm sitzen . Die Mutter Ihres todten Kindes sitzt im Narrenthurm . Wovon sprechen Sie denn ? Was wollen Sie ? stotterte Heinrichson , der zu den Männern gehörte , deren Muth nur bei solchen Gelegenheiten sich bewährt , wo ein witziger Einfall die Stelle einer Handlung vertritt . Wo die ernsten Thatsachen des Lebens sprachen , verlor er jedesmal die Gegenwart seines sonst immer schlagfertigen Geistes . Wer ist der Mann da ? fragte er ungeduldig fortdrängend den Bedienten und riß sich los ... Ich bin Murray , sagte der Alte und hielt ihn nun zum Schrecken des feigen Bedienten gewaltsam fest , Murray , ein Engländer ! Von Auguste Ludmer sprech ' ich , die in allen Ihren Bildern die Menschen entzückt hat und jetzt im Tollhause sitzt . Herr , wie hieß die Prinzessin , die ich in London sah ? Sagen Sie mir , wie das Mädchen mit einem Strohkranze um den Kopf , mit Maasliebchen im Haare , geheißen hat ? Ophelia wahrscheinlich ! sagte Heinrichson zitternd und riß sich mit letzter Gewalt von dem unheimlichen Manne los , der ihn am Rocke zerrte . Murray stand und grinzte ihm zornfunkelnd nach . Der Bediente schien , als Heinrichson zur Gräfin eingetreten war , nicht zu wissen , ob er mit diesem kecken Alten höflich sprechen oder ihn wegen seiner Unverschämtheit zur Thür hinauswerfen sollte . Nur der Gedanke , daß doch Herr Professor Rafflard sich mit ihm so lange unterhalten hatte , mäßigte seine schlimmen Voraussetzungen ... Bester Freund , sagte Murray mit einem eigenen Ausdruck von verwirrter Ironie , der den innern Zorn verbergen sollte ; bester Freund , ja , ja , das Stück hättet Ihr in London sehen sollen . Ein Mädchen kam darin vor , das sich vernünftig stellte und toll war und ein junger Mensch , schwarz von Kopf bis zur Zehe , der sich toll stellte , der aber ganz vernünftig sprach . Freund , der Mann spielte seine Rolle so natürlich , daß man hätte schwören mögen , er käme geraden Weges vom Irrenhaus . Aber ein Spitzbube war ' s ! Ein echter Spitzbube ! Der Bediente warf ärgerlich die Thür hinter dem vorlauten , unheimlichen , wie irr redenden Alten zu . Murray , Athem schöpfend , seine Brust an der Luft erweiternd , stieg bedächtig die mit Decken belegte , von Gypsstatuen gezierte Treppe hinunter und überlegte sich , ob er da wiederkommen würde oder nicht ; ob es besser wäre , zu einem bösen Anschlage sein falsches Angesicht zu zeigen oder sein wahres ... Als er auf der Straße war und das Gewühl der Menschen sah , die aneinander vorüberrannten , Jeder geschäftig im Bewußtsein seiner eigensten Interessen , da überkam ihn fast die Lust , es mit Sylvester Rafflard auf dem Wege , den dieser eingeschlagen hatte , nun weiter zu versuchen , das ihm gegebene Geld einstweilen zu behalten und Franziska in