, ihn , der ihr verheißen hatte , sich nie von ihr zu trennen , wenn sie ihn zu suchen käme , wo er seines Lebens , seines Geistes , seines Wirkens Heimath habe . Und als sie nun zu seiner Kirche sich hingewendet , da hatte er sich ihr entzogen , da hatte er das junge Weib , das man gewiegt hatte mit allen Ansprüchen auf der Erde höchstes Glück und das sich in der Lage wußte , es einem geliebten Manne und sich selbst in jedem Augenblicke bereiten zu können , von sich gestoßen mit der grausamen Lust der Willkür , der einzigen Freiheit , die sein Eid ihm gönnte . Ich muß Dich fliehen , denn ich liebe Dich ! hatte er ihr gesagt . Willst du mich wiedersehen , willst Du mich nicht verlieren , so mußt Du alles daran setzen , was Du hast und bist , so mußt Du der Welt entsagen , wie ich es gethan habe , und eines unlöslichen Schwures Schranken müssen aufgerichtet werden zwischen uns , zwischen mir und Dir , denn wir sind Menschen ! Eleonore hatte ihm auch diesen Schwur geleistet ! Was hätte ihre Liebe dem Abgotte ihres Herzens versagen können , so lange er an ihrer Seite war , so lange sein Blick , sein Wort sie beherrschten und in ihre Bande schlugen ? Aber die Lebenslust in ihr war zu mächtig . Ihre Jugend , ihre Schönheit in der Gefangenschaft eines Klosters verblühen zu lassen , der Heimath , dem Ahnenschlosse ihrer Väter und vor Allem der königlichen Freiheit zu entsagen , deren sie sich theilhaftig gewußt und gefühlt seit ihrer frühesten Kindheit an , das war über ihre Kräfte gegangen . Auf ihren Knieen hatte sie den Abbé beschworen , sie von der Erfüllung des Eides zu entbinden , den er ihr auferlegt ; mit inbrünstiger Liebe hatte sie von ihm begehrt , sich begnügen zu lassen mit ihrem Gelöbniß , daß sie niemals einem Andern angehören wolle , und ihr Leiter und Führer zu bleiben in der Welt und in der Freiheit , denen zu entsagen sie sich nicht entschließen konnte . Sie hatte kein Gehör bei ihm gefunden . Voll Mißtrauen in die Zulänglichkeit der eigenen Kraft , mit dem festesten Glauben an die Gewalt von Eleonorens Liebe hatte er sie verlassen - sicher , daß sie ihm folgen werde , wohin er immer gehe , bis er sie hingeführt haben würde zu dem Altare , auf dem sie ihre Zukunft opfern und sich und ihren reichen Besitz der Gemeinschaft einverleiben sollte , der er angehörte , und deren Unerbittlichkeit er sich verfallen wußte , wenn er ihren Erwartungen nicht entsprach , wie er ' s verheißen , wie man es von ihm erwartet hatte . Seine Berechnung hatte ihn auch nicht getäuscht . Wie von einer Naturgewalt gezwungen , war Eleonore ihm nach Deutschland nachgeeilt , und noch einmal hatte er sich von ihr entfernt . Noch einmal hatte sie erkennen müssen , daß keine Gnade von ihm zu hoffen sei , und überwältigt von der Größe ihres inneren Kampfes war sie zusammengebrochen , ihrer selbst nicht länger mächtig . Es war Herbst gewesen , als die Krankheit sie ergriffen , das Bewußtsein sie verlassen hatte ; nun war es Frühling geworden . In einfacher Umgebung , unbewundert , von Niemandem beansprucht , fremd und in der Fremde , hülflos wie ein Kind , so lag sie da , und die warmen Sonnenstrahlen , die auf den Wänden wie die rieselnden Wellen eines lichten Stromes hin und wieder flossen , waren ihres Auges stille Freude . Sie war zufrieden , daß sie dieselben sehen konnte , daß sie noch athmete , daß der Erde dunkler Schooß sie noch nicht umfing . Eines Morgens , als die Sonne auch wieder freundlich in ihr Zimmer schien , trat in der Frühe Seba bei ihr ein und legte ein paar Veilchen auf ihr Lager . Es sind die ersten unseres Gartens , sagte sie . Meiner Pflegetochter Söhnchen hat sie gepflückt und sendet sie Ihnen mit einem schönen Guten Morgen . Eleonore nahm die Veilchen in die Hand ; ihr Duft , ihre Form , ihr ganzer Anblick schienen ihr wie neu . Sie drückte sie an ihre Lippen und die Thränen traten ihr in die Augen . Seba fragte , was sie so bewege . Es rührt mich , antwortete ihr Eleonore , daß hier in der Fremde Blumen für mich wachsen und daß ein fremdes Kind sie für mich pflückt . Lieben Sie die Kinder ? Welche Frage ! rief Seba . Wer sollte den Frühling , wer sollte die Hoffnung nicht lieben ? In tiefster , eigener Entmuthigung hat die Beschäftigung mit Kindern mich aufgerichtet , und noch heute , wenn ich mich niedergeschlagen fühle , brauche ich nur auf die schöne Zuversicht hinzublicken , mit welcher die Kinder in das Leben schauen , um zu begreifen , daß schon in dem bloßen Wollen , Streben , Hoffen ein Glück verborgen liegt . Und nun vollends der Gedanke , wie leicht man solch ein Kind erfreuen kann ! Diesen holden , genügsamen Geschöpfen gegenüber besitzen wir ja eine wahrhaft göttliche Allmacht ! Eleonore seufzte und kaum hörbar sagte sie : Ich habe nie ein Kind bei mir gehabt , nie mit einem Kinde gespielt , und keinem Kinde je etwas zu Lieb gethan . Armes Mädchen , sagte Seba , Sie sind eben einsam und ohne Liebe groß geworden ; Sie werden viel nachzuholen haben , wenn Sie erst genesen sind ! Eleonore schüttelte traurig das schöne bleiche Haupt , Seba brach von dem Gespräche augenblicklich ab ; indeß Eleonore blieb fort und fort mit dem Gedanken an den Knaben , der die Blumen für sie gesendet hatte , beschäftigt . Sie wollte wissen , wie alt er sei , sie wollte , daß Seba ihr beschreibe , wie er aussehe , und als diese von ihrer Uhrkette die Kapsel loslöste