langes Kommodenliegen , war mit einer schweren Uhrkette garnirt ... Die elegantesten gelben Handschuhe , die nur in Eschede waren aufzutreiben gewesen , saßen , wenn auch mit etwas zu langen Fingern , doch das Feierlichste versprechend , auf seinen Händen , die heute das Ewige , das Unergründliche hinter ölgetränktem Papierrahmen sichtbar und anschaulich machen wollten ... Alles was der Doctor jener Curatel , unter der er stand , hatte abtrotzen können , schmückte ihn heute , auch der große Siegelring mit einem prächtigen Karneol , der freilich unter dem Handschuh etwas die Naht gesprengt hatte ... Von einigen zwanzig vornehmen Damen wurde er mit jenem ironischen Lächeln begrüßt , das die vornehme Weltbildung dem der höhern Lebensformen ungewohnten Gelehrten immer bereit hält . Indessen war dies Lächeln , wenn auch satyrisch , doch nicht boshaft . Man ließ die hohe Wissenschaftlichkeit des Doctors um so mehr gelten , als man ja in ihm eine eigenthümliche , unter den besondern Bedingungen dortiger Landschaft stehende Denkergröße besaß . Seine mathematische Philosophie interessirte Jung und Alt in den gewählten , hier die übliche Landstraße deutschen Dichtens und Denkens gänzlich vermeidenden Kreisen und er schätzte sich glücklich , heute einen kurzen Ueberblick seines Systems den vornehmsten und angesehensten Damen der sonderthümlichsten Gegend des deutschen Vaterlandes geben zu können . Die Gräfin Münnich versicherte dem Denker von Eschede , daß er in dem jenseit des hohen Ahnensaals liegenden Zimmer bereits alle Vorbereitungen getroffen finden würde , die er in einem umständlichen Kanzleischreiben an die Frau Gräfin sich erbeten hatte : Ein dunkles , ganz verhangenes Zimmer , ein Gerüst , einige Näpfchen mit Oel , eine große Flasche Spiritus . Das Uebrige brachte er selbst mit und bat sich nur die Erlaubniß aus , vorläufig die Vorbereitungen treffen zu können , bis er die hochgeehrten gnädigsten Damen abrufen würde ... Diese Spannung währte nicht lange . Bald wurden die Damen abgerufen und paarweise schritten sie dem glücklichen Seher nach . Lachend und doch beklommen ging es durch den Ahnensaal , wo schon aufs einladendste die Tafel zum großen Jagdbanket gedeckt wurde ... Püttmeyer war so erfüllt von seiner Aufgabe , daß ihm völlig entging , wer unter den Damen zugegen war ... Es waren jüngere und ältere , hohe und kleinere Gestalten , alle in gewählter Kleidung , mit Trauerzeichen alle - um den Kirchenfürsten ... Paula , Tante Benigna , Armgart - sie alle glaubte Püttmeyer zu sehen ... So verwirrt war er , daß er eine Gräfin und Freifrau mit der andern verwechselte ... Noch brannten in dem Zimmer , das sie alle betraten , einige Kerzen ... Man mußte sich wenigstens orientiren können , wo man Platz nahm ... Als dies geschehen , erloschen auch diese Kerzen und alles war stichdunkel ... Kichernd und scherzhaft um Ruhe zischend und sich räuspernd saßen die vornehmen Frauen ... Püttmeyer rumorte , wie ein Puppenspieler , hinter einem großen transparenten Rahmen , der sich allmählich zu erhellen begann ... Zuweilen schien ihm eines seiner Lichtchen umzufallen ... Die Gräfin rief dann , ob er nicht Beistand nöthig hätte ? ... Nein ! nein ! Meine Allergnädigste ! antwortete er ... Dennoch hörte man ihn entweder mit sich selbst oder mit einem Gehülfen sprechen ... Eine zarte , schüchterne Stimme schien die des letztern zu sein ... Himmel ! hätte Armgart , wenn sie hier gesessen hätte , gewiß gedacht , vielleicht - steckt Angelika hinten , die glückliche Angelika ! Wenn sie diesen Augenblick , diese hohe Anerkennung ihres Geliebten erlebte ! Das Zimmer war überheizt und die Damen bekamen schon eine eigenthümliche Exaltation von den Ausströmungen des Ofens ... Nun mischte sich noch Weihrauchduft in den frühern , der etwas stark auf Verbrauch von Oel und Spiritus schließen ließ ... Die Stimmung wurde immer erregter ... Man schwieg jetzt schon deshalb , nur um sich beherrschen zu können , und harrte der kommenden Dinge ... Endlich klingelte Püttmeyer und mit einer nach Festigkeit ringenden Stimme sprach er : Meine hochgräflichen - hmhm ! - und hochfreiherrlichen Gnaden ! - Hmhm ! - Ich bin glücklich - den Entwickelungsgang meines Systems Ihnen in einer Reihe von Bildern so anschaulich machen zu können , daß Sie selbst prüfen mögen , ob wol meine Lehre - hmhm ! - Ihre überzeugte Zustimmung findet ! Denken Sie dabei nur immer , daß das , was in Gott Ein Moment ist , im Denken - durch Raum und Zeit seine - hmhm - Ruhepunkte haben muß ! Auch unser - hmhm ! - christlicher Glaube zerlegt Gottes Größe in ein Vorher und Nachher ; denn wie würden wir sonst die Lehre von den - hmhm ! - sieben Schöpfungstagen haben ? Ein Murmeln der Zustimmung ging durch den Saal ... Dann folgte tiefste Stille ... Die Weihrauchdüfte mehrten sich und jetzt begann sogar zu aller Ueberraschung etwas völlig Unerwartetes , eine ganz wunderbare Musik ... Wo kam diese Musik her ? Leise anschwellend hoben sich die Töne wie auf Aeolsschwingen . Was hatte der Zauberer von Eschede für ein Instrument mitgebracht ? Es war keine Flötenuhr , kein Klavier , keine Orgel ... Es war von allen etwas ... Das Zimmer bebte von Wohllautsschwingungen , die die Luft zur klingenden machten ... Brausend schwoll es an , so mächtig und doch dann wieder so lind und lieblich , daß davon die ganze Seele erfüllt sein durfte ... Und Niemand war erstaunter , als die Gebieterin des Schlosses selbst , die nicht hoch genug versichern konnte , daß sie kein Instrument besäße von solcher Wirkung , ja das eben vernommene nicht einmal zu nennen wisse ... Wenn Püttmeyer Orphische Urworte lehren wollte , konnte die Vorbereitung des Gemüths nicht mächtiger getroffen werden ... Als die Töne verklungen waren , einer immer sanft dem andern sich entwindend , da erblickte man plötzlich die ganze Transparenttafel azurblau und aus dem tiefsten Grunde sei ' s des Himmels oder des Meeres entwickelten sich leise Schatten , die allmählich die Form einer